JahresdienstbesprechungWiehler Feuerwehr musste so oft raus wie noch nie

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Jahresdienstbesprechung der Freiwilligen Feuerwehr Wiehl.

Im Rahmen der Jahresdienstbesprechung wurden viele Wiehler Feuerwehrleute ausgezeichnet.

Noch nie seit Beginn der Aufzeichnungen mussten die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr Wiehl so oft ausrücken wie im vergangenen Jahr.

„Hinsichtlich der Einsatzzahlen hatten wir im letzten Jahr den Höchststand seit Beginn der Aufzeichnungen“, sagte Wiehls Wehrführer Jens Schmidt am Freitagabend bei der Jahresdienstbesprechung der Freiwilligen Feuerwehr. Noch zehn Jahre zuvor, bis 2017, habe es jährlich etwa 200 Einsätze gegeben, 2023 waren es 342, durchschnittlich einer pro Tag. Einen deutlichen Anstieg gab es im Bereich Technische Hilfeleistung.

„Das neue Jahr war noch keine halbe Stunde alt, da hatten wir bereits den ersten Einsatz – um 0.28 Uhr einen Wohnhausbrand in Bielstein, bei dem erheblicher Schaden entstanden ist.“ Dabei habe sich das neu entwickelte „Bereitschaftskonzept für besondere Tage“ bestens bewährt. Der letzte Einsatz im Jahr 2023 sei der Transportauftrag gewesen, bei dem sechs Gerätewagen eine halbe Million leerer Sandsäcke von Bonn nach Hannover ins Überflutungsgebiet gebracht haben.

Warteliste bei der Jugendwehr

Sehr zufrieden zeigte sich Schmidt mit dem Erfüllungsgrad der Hilfsfristen, der bei kritischen Einsätzen immer im Bereich von 80 bis 100 Prozent gelegen habe. Die Zahl der Einsatzkräfte habe wie im Vorjahr bei 252 gelegen, insgesamt sei die Anzahl in den letzten Jahren jedoch um 30 Prozent gestiegen.

Bei der hohen Einsatzdichte sah sich Schmidt von der Stadt Wiehl gut unterstützt. So sei das Feuerwehrgerätehaus in Bomig im dritten Quartal bezugsfähig, der Neubau in Drabenderhöhe in der Planungsphase. Aktuell seien zwei Drehleitern in der Beschaffung, zudem ein Rüstwagen und ein Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug in der Aufbauphase. Schmidt begrüßte die Aus- und Weiterbildungsfreudigkeit der Kameraden: Mehr als 270 Teilnehmer hatten gut 6200 Ausbildungsstunden absolviert. Sein Stellvertreter Daniel Noss berichtete ausführlich über den Stand der Ausbildung: „Wir haben die Corona-Defizite vollständig aufgeholt.“

Unser Nachwuchs hilft, das gesellschaftliche und kulturelle Leben aufrecht zu erhalten.
Pascal Petermann

„Unser Nachwuchs hilft, das gesellschaftliche und kulturelle Leben aufrecht zu erhalten“, erklärte der stellvertretende Leiter der Feuerwehr, Pascal Petermann, beim Bericht über die Arbeit der rund 60-köpfigen Jugendfeuerwehr. „Deren Suchtmittel ist Kameradschaft und Spaß gleichermaßen“, ergänzte er mit einem Schmunzeln.

Sehr freuen würden sich die Jugendlichen über den Start der Kinderfeuerwehr im dritten Quartal dieses Jahres nach der Fertigstellung des Gerätehauses in Bomig, denn das sei dann ihr Nachwuchs. Petermann zeigte sich begeistert vom Interesse der Bevölkerung an der jüngsten Einheit: „Inzwischen ist die Warteliste auf die magische Zahl 112 angewachsen.“

Lob kam auch von Bürgermeister Ulrich Stücker: „Ich mache mir um die Zukunft der Feuerwehr keine Sorgen.“ Letzte Woche sei eine Schulklasse aus Drabenderhöhe zu Besuch im Rathaus gewesen und ein Junge habe gefragt: „Was macht eigentlich das Feuerwehrhaus in Drabenderhöhe?“ Stücker betonte, dass es für den Stadtrat außer Frage stehe, die Feuerwehr angemessen auszustatten: „Ehrenamt und Freiwilligkeit zu unterstützen, das ist kein Lippenbekenntnis in Wiehl.“

Gemeinsam mit Jens Schmidt überreichte er Markus Vollmer, dem Geschäftsführer von Kampf Schneid- und Wickeltechnik, die Plakette „Partner der Feuerwehr“. Er dankte dem Unternehmen für die Bereitschaft zur Errichtung eines Feuerwehrgerätehauses auf dem Firmengelände (wir berichteten) und die regelmäßige Freistellung der Mitarbeiter. „Das sucht seinesgleichen im Regierungsbezirk Köln“, lobte auch Kreisbrandmeister Wilfried Fischer diese ungewöhnliche Konstellation.

Auf einer der letzten Veranstaltungen vor seinem Ruhestand betonte er ausdrücklich die hervorragende Arbeit der Kreisausbilder. Der stellvertretende Bezirksbrandmeister Dirk Engstenberg bedauerte Fischers Ausscheiden, zeigte sich aber zuversichtlich, auch mit dessen Nachfolger Julian Seeger „die Feuerwehr weiter nach vorn zu bringen“.


Ehrungen

Für langjährigen, aktiven Dienst erhielten das Feuerwehrehrenzeichen: Eugen Denni (50 Jahre, Gold mit Goldkranz); Sascha Marx, Timo Rosenkranz und Ralf Spießberger (35 Jahre, Gold); Tobias Barth, Christopher Gandenberger, Christian Hausmann, Andre Jäkel, Christian Kaufmann und Björn Ufer (25 Jahre, Silber).

Für langjährige Mitgliedschaft wurden ausgezeichnet: Holger Belicke, Eugen Denni, Gerd-Walter Klein und Hans-Gerd Noss (50 Jahre); Uwe Otten (40); Ralph Bonfanti, Timo Koch, Michael Kremer, Tim Marrenbach, Christian Rodenkirchen, Leonard Tiessen und Jan Zetzsche (10).

Besondere Auszeichnungen

Besondere Ehrungen wurden Jens Schmidt und Eugen Denni zuteil: Ersterer wurde von Bezirksbrandmeister Dirk Engstenberg für seine außerordentlichen Verdienste mit dem Feuerwehr-Ehrenkreuz in Silber ausgezeichnet. Jens Schmidt war ab 2006 Stellvertreter und ist seit 2016 Leiter der Feuerwehr. Insgesamt ist der 56-Jährige von jetzt 42 Jahren knapp 30 in Führungspositionen tätig. Der 56-Jährige dankte völlig überrascht: „Was wir erreicht haben, wäre nicht gelungen ohne die Mithilfe der Kameraden und die hervorragende Arbeit meiner Stellvertreter.“

Jahresdienstbesprechung der Feuerwehr Wiehl, hier Eugen Denni (links) und Jens Schmidt.

Eugen Denni (l.) und Jens Schmidt nach den Ehrungen.

Eugen Denni wurde mit dem Feuerwehrehrenzeichen in Gold mit Goldkranz für 50 Jahre aktiven Dienst geehrt. „Das war eine schöne und lange Zeit“, berichtete der 63-Jährige. Früher sei es weder einfacher noch schwerer gewesen, eben anders: „Heute sind die Feuerwehrleute zu Spezialisten geworden.“ Er betonte den Rückhalt in der Familie: „Um in der Feuerwehr zu sein, ist wichtig, dass es privat funktioniert.“

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