„Naturerlebnis Greifvogel“ in WiehlNoch fehlt der Falknerei die Genehmigung

Uhu zum Hingucken: Rudolf Wahl präsentiert einen der Schauvögel seines Sohnes Marco, die bereits in Wiehl untergebracht sind.
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Wiehl – Es gibt Vögel wie den Alpensegler, die kommen monatelang ohne Bodenkontakt aus. Die gefiederten Freunde von Robert Schmitz und Marco Wahl hängen schon seit zwei Jahren in der Luft, zumindest bildlich gesprochen. Eigentlich wollten die beiden Falkner bereits im Sommer 2016 mit ihrem Betrieb von Hürth nach Wiehl umziehen, um den Besuchern im dortigen Wildpark das „Naturerlebnis Greifvogel“ zu bieten. Doch noch immer ist kein Ende der Hängepartie in Sicht. Hintergrund ist ein Streit zwischen Stadt und Kreisverwaltung im Genehmigungsverfahren.
Inzwischen lebt ein Großteil der Greifvögel bereits in einem Provisorium am Dorfrand von Hübender, von wo aus sie zu ihren Einsätzen etwa bei Greifvogelschauen gebracht werden. Falkner Marco Wahl machte sich gestern zum Köln-Bonner Flughafen auf, um dort Vögel zu vergrämen, die den Flugverkehr gefährden könnten. „Die Fronten sind festgefahren“, bedauert Wahl. „Die Sache wird wohl vor Gericht entschieden.“
Privat bereits in Wiehl angesiedelt
Aufgeben kommt aber nicht in Frage: „Wir haben Ausdauer“, sagt der Falkner, der mit Frau und Töchterchen sein privates Quartier bereits in Wiehl bezogen hat: „Wir wollen hier nicht mehr weg.“ Partner Robert Schmitz, der noch die Stellung in Hürth hält, klingt deutlich frustrierter: „Für uns ist das eine existenzielle Frage. Wir haben investiert und keine Einnahmen.“
Michael Schell, Beigeordneter Geschäftsführer der städtischen Freizeit- und Sportstättengesellschaft Wiehl (FSW) möchte im Wildpark für 100 000 Euro ein mehr als 4600 Quadratmeter großes Gelände erschließen und verpachten. Dort sollen Volieren und ein Kassengebäude errichtet werden. Etwa zwei Drittel sind Wiese, auf denen die Tiere bei den Shows fliegen können.

Am Ortsrand von Hübender stehen provisorische Volieren. Nicht weit entfernt soll die eigentliche Vogelanlage entstehen.
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Da es sich um ein Projekt im Außenbereich handelt, muss die Stadt das Einverständnis des Kreises einholen, und dieser wiederum zieht seinen Naturschutzbeirat hinzu. Und an dieser Stelle hakt das Verfahren. Wie FSW-Chef Schell berichtet, hat es schon zahlreiche Gespräche auf allen Ebenen gegeben, und ein weiteres Gespräch stehe noch aus.
„Es ist besser und schneller, wenn die Verwaltungen eine einvernehmliche Lösung finden“, sagt Schell. „Die Hoffnung stirbt zuletzt.“ Er denkt aber auch schon weiter: „Wir lassen uns von einer namhaften Kanzlei juristisch beraten.“
Vorsitzender des Naturschutzbeirats ist der Bergneustädter Ornithologe und stellvertretende Landesvorsitzende des Naturschutzbundes (Nabu) Heinz Kowalski. Dieser weist die Kritik aus Wiehl zurück: „Wir haben das Thema noch gar nicht beraten, uns wurde bisher nichts Konkretes vorgelegt.“
Genehmigung „auf dem kurzen Dienstweg“?
Die in diesem Fall erforderliche Befreiung von den Auflagen des Landschaftsschutzes erfordere ein schwerwiegendes öffentliches Interesse. Die Stadt Wiehl habe aber offenbar gehofft, die Genehmigung „auf dem kurzen Dienstweg“ herbeiführen zu können. Kowalski hält dagegen ein ordentliches Bebauungsplanverfahren für gesetzlich geboten. Ohne genauere Kenntnisse könne er in der Angelegenheit keine Einschätzung geben, meint Kowalski.
Anders als die Falkner argwöhnen, sei er kein grundsätzlicher Gegner der Falknerei, versichert der Vogelexperte. „Ob es Tierquälerei ist, hängt von der Haltung ab.“ Von ähnlichen Projekten wisse er aber, dass es Probleme mit der Lärmbelästigung von Anwohnern geben kann. Zudem müsse es genügend Parkplätze geben. Wenn die erforderlichen Unterlagen vorgelegt würden, sagt der Beiratsvorsitzende, könne der Falkner sein Vorhaben in der nächsten Beiratssitzung im Sommer erläutern.
