Rebecca Köser-Zakaria ist die neue Vorsitzende des Vereins „Bangladesch Studien- und Entwicklungszentrum“. Ihre erste Reise in das ferne Land war ein „Kulturschock“.
EhrenamtWiehler Bangladesch-Verein hat ein neues Gesicht

Das 30-jährige Bestehen des Vereins wollen Rebecca und Golam Abu Zakaria mit einem Fest in der Oberholzener Scheune feiern.
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Dreimal war sie schon im Herkunftsland des Vaters. An den ersten Besuch in Bangladesch kann sich Rebecca Zakaria (34) nicht erinnern, da war sie aber auch noch keine zwei Jahre alt. Mehr Eindruck hinterließ der Aufenthalt in dem bettelarmen Land, den sie als Neunjährige erlebte. „Das war schon ein starker Kulturschock, als wir am Flughafen ins Auto stiegen und die Kinder an die Fenster klopften.“
Die neue Vorsitzende des Wiehler Vereins „Bangladesch Studien- und Entwicklungszentrum“ (BSEZ) heißt seit ihrer Heirat mit vollem Namen Rebecca Priyanka Köser-Zakaria. Der lange Name bringt ihre familiären Wurzeln anschaulich zum Ausdruck. Mutter Elke stammt aus Sachsen, Vater Golam Abu aus Nordbengalen. Dieser kam 1973 zum Studium nach Deutschland und 1986 nach Oberberg, als er eine Stelle als Medizinphysiker am Kreiskrankenhaus Gummersbach antrat. Bis zu seiner Pensionierung 2019 leitete er die Abteilung für Medizinische Strahlenphysik.
Kaum älter als der Verein
Seine Tochter Rebecca ist nur ein wenig älter als der Verein, der am nächsten Samstag sein 30-jähriges Bestehen feiert. Vor einem Jahr übernahm sie den Vorsitz des BSEZ. Bruder Florian bringt seine Fähigkeiten als IT-Fachmann ein und überarbeitet derzeit die Vereinswebseite. Golam Abu Zakaria ist froh, dass die junge Generation einsteigt. Der 72-Jährige ist zwar durchaus noch voller Tatendrang – so übernahm er erst 2025 den Vorsitz des Engelskirchener „Lichtbrücke“-Hilfswerks. Er glaubt aber, dass der von ihm selbst gegründete Verein neue Impulse gebrauchen kann.
Und die möchte Rebekka Köser-Zakaria gerne setzen. Nach dem Abi und einem FSJ bei der Engelskirchener Gemeindeverwaltung hat sie in Köln und Düsseldorf Betriebswirtschaftslehre studiert. Die Liebe brachte sie vor vier Jahren zurück nach Wiehl, heute arbeitet sie im Marketing der Tapetenfirma AS Création.
Ich war schon als Kind immer dabei. Und ich habe so früh gelernt, dass es auch ein anderes Leben gibt als den Wohlstand in Wiehl.
„Die lokalen Aktivitäten des Vereins sind eingeschlafen. Wir müssen wieder präsenter werde,“ sagt Rebecca Zakaria. Nach dem Jubiläumsfest möchte die neue Vorsitzende mit dem Verein in diesem Jahr noch am Wiehler Weltkindertag teilnehmen. Und sie wirbt im Bekanntenkreis um neue Mitglieder.
Dass sie selbst sich für Bangladesch engagiert, hat mit einem neuen Bewusstsein für ehrenamtliches Engagement und gesellschaftliche Verantwortung zu tun, sagt Rebekka Zakaria. „Wenn man älter wird, denkt man darüber anders.“ Sie setzt sich auch unentgeltlich bei der Ausbilder-Eignungsprüfung der Industrie- und Handelskammer in Gummersbach ein. Aber der Bangladesch-Verein des Vaters lag eben besonders nahe.
Wiehl bleibt das Zuhause
„Ich war schon als Kind immer dabei. Und ich habe so früh gelernt, dass es auch ein anderes Leben gibt als den Wohlstand in Wiehl.“ Die junge Rebecca führte bei Vereinsveranstaltungen bengalische Tänze vor und übersetzte für ihren Vater Texte. Golam Abu Zakaria war es wichtig, dass seine Kinder die Sprache verstehen, dass sie die bengalische Kultur kennen und nicht nur die politisch schwierige Gegenwart des Landes. Weil diese Wurzeln sie bereichern. Zugleich sollten sie wissen, dass Deutschland ihr Zuhause ist. „Wir haben ihnen auch einen bengalischen Namen gegeben. Aber es ist nicht der Rufname.“
Die politischen Unruhen haben dazu geführt, dass es nun 20 Jahre her ist, dass Rebecca Zakaria zum letzten Mal in Bangladesch war. Im vergangenen Jahr hat sie eine Reise kurzfristig abgesagt. Im Februar 2027 steht ein neuer Anlauf an.
Sie weiß aber, dass die Projekte vorankommen. Die vom BSEZ gegründete Grundschule wurde vom bengalischen Staat übernommen. Das Mutter-Kind-Gesundheitszentrum macht jetzt auch Krebsvorsorge, was umso wichtiger ist in einem Land, in dem die meisten Menschen keine Krankenversicherung haben.
Als Marketing-Fachfrau hat Rebecca Zakaria aber gelernt, dass Schilderungen von Leid und Bedürftigkeit keine Begeisterung erzeugen. „Das Thema ist auch spannend“, versichert sie. „Mich dafür einzusetzen, ist keine Arbeit.“ Diese Haltung soll sich auch auf die Gäste des Geburtstagsfest am 30. Mai übertragen: „Statt eines langweiligen Vortrags gibt es Essen und Spiele. Wir wollen die Leute damit abholen, dass sie Spaß haben.“
Geburtstagsfest am 30. Mai
Das Bangladesch Studien- und Entwicklungszentrum wurde von Golam Abu Zakaria 1996 gegründet, um den Menschen in seinem Geburtsort zu helfen. 1999 ließ er auf einem von seinen Eltern stammenden Grundstück mit eigenem Geld eine Schule für die Kinder der Region Naogaon errichten. Heute werden dort 600 Kinder unterrichtet, mehr als die Hälfte sind Mädchen.
Der Verein fördert laut Satzung die sozio-ökonomische, wissenschaftliche, gesundheitsfördernde und umweltbezogene Entwicklung in Bangladesch. Eine weitere Aufgabe ist es, mit Publikationen und Veranstaltungen Land und Kultur der Bengalen der deutschen Bevölkerung näher zu bringen und die Beziehungen auszubauen. Am Samstag, 30. Mai, 14 bis 20 Uhr, feiert der Verein sein 30-jähriges Bestehen. In der „Lebendigen Scheune“ in Wiehl-Oberholzen gibt es bengalische Drinks und Snacks, Spiele, Kunsthandwerk und viele Informationen.
