Bergisch Gladbach – Der Aufmarsch an bedeutsamen Gästen war enorm, gestern Morgen am Gladbacher S-Bahnhof. „Bahnhof Bergisch Gladbach feierlich in Betrieb genommen“, stand da in der Einladung. Nun ja, es gibt ihn seit 149 Jahren.
Ging es um das seit Jahren gewünschte zweite Gleis nach Köln oder den zweiten Bahnsteig? Noch nicht, muss man sagen. Die Akteure feierten den abgeschlossenen Umbau des Bergisch Gladbacher S-Bahnhofs, mit umfassender Barrierefreiheit und neuem Bahnhofsdach als Wetterschutz. Dr. Norbert Reinkober, der Geschäftsführer des Nahverkehrs Rheinland, richtete allerdings auf Nachfrage den Blick weit nach vorne. „Versprechen“ wolle er keine abgeben, weshalb er sich schwertue mit der Benennung einer Zeitschiene für ein zweites Gleis nach Köln.
Zunächst planen, dann umsetzen
Was er aber sagen könne, sei, dass alle Verantwortlichen mit Hochdruck an diesen Zukunftsprojekten arbeiteten. Nur könnten die Gladbacher Wünsche nicht losgelöst vom Kölner Hauptbahnhof und dem Bahnknoten Köln betrachtet werden. Auf der ganzen Strecke müsse die entsprechende Infrastruktur zunächst geplant und anschließend umgesetzt werden. Derzeit erstelle Bergisch Gladbach eine Machbarkeitsstudie, die dazu exakte Aussagen treffen werde. Unter anderem auch zur Zukunft des Übergangs Tannenbergstraße.
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Mit den neuen elektronischen Stellwerk, ebenfalls in Planung, schaffe man die Voraussetzung für einen deutlich dichteren Taktverkehr auf den S-Bahn-Strecken von und nach Köln. Von fünf werde sich der Rhythmus der an- und abfahrenden Bahnen auf zweieinhalb Minuten verkürzen. Reinkober: „Die Planungen laufen auch hier mit Volldampf.“
Beim improvisierten Festakt mit S-Bahn-Garnitur als Fotomotiv war die Rede von „Teamwork“, von „Turbotempo“ und der „Blaupause“ für alle anderen Bahnprojekte in NRW. Nur vier Monate hatten im Frühjahr die Umbauarbeiten am Gleis und am Kopfbahnhof gedauert, zwei Millionen Euro investierten Bund, Land und Deutsche Bahn, Mittel aus der sogenannten Modernisierungsoffensive 2. Alle Akteure seien mit Volldampf dabei gewesen, fand Dr. Gitta Raulin, Leiterin Finanzen/Controlling der DB-Tochter Station & Services, die passende Bahn-Metapher für die Veränderungen am Gleis. Von steigenden Fahrgastzahlen, die man sich wünsche, sprach Karin Paulsmeyer, Abteilungsleiterin Eisenbahnen im NRW-Verkehrsministerium.
Mit der landesweiten Ausbaukampagne 1 von 150, zu der auch die Gladbacher Maßnahme zähle, würden bis 2023 mehr als eine Milliarde Euro in die über 150 Bahnhöfe in NRW investiert.
Landrat Dr. Hermann-Josef Tebroke, in seiner Funktion als Verbandsvorsteher des Nahverkehrs Rheinland vor Ort, brachte das Thema Barrierefreiheit nach vorne. Davon profitierten alle Fahrgäste, auch diejenigen, die ohne Handicap unterwegs seien.
Um Reisenden den Übergang vom Bus zum Zug ohne Hürde zu ermöglichen, hat die Bahn das Gleisbett um 20 Zentimeter abgesenkt; auch die Oberleitung wurde neu gesetzt, ein Einfahrsignal verrückt. Der Bahnsteig hat nun überall eine Höhe von 96 Zentimetern und einen Leitstreifen für Blinde und Sehbehinderte erhalten.
Auch das Bahnhofsdach entstand neu, die alte Konstruktion wurde abgerissen, auf 45 Metern Länge die Dachvariante Bodenheim eingebaut. Fit für die Zukunft soll er damit werden, der Gladbacher S-Bahnhof. Und damit auch gewappnet für Veränderungen in der Nachbarschaft, etwa für das Leuchtturmprojekt Stadthaus auf den Kopfgrundstücken des Bahnareals, für einen künftigen Bring- und Holplatz am Bahnhof, für einen Kiss-and-ride-Platz.
Womit der Bogen gedanklich zum zweiten Bahngleis zurückgeschlagen wurde. „Wir alle, vom Nahverkehr Rheinland, über die Stadt bis zur Deutschen Bahn, sind bei de Planungen eine verschworene Gemeinschaft“, sagte Norbert Reinkober. Das hörte sich an wie eine Vision, die bald Wirklichkeit wird.


