Der Rheinisch-Bergische Kreis will bei Vollsperrung der S-Bahnlinie ab April, dass Pendlern neben Bussen auch Leihräder angeboten werden.
PilotprojektFahrräder als Ersatz für die S11 nach Bergisch Gladbach

Spezielle Schienenersatzverkehr-Fahrräder sollen Bahnreisenden neben Schienenersatzbussen bei der Sperrung der S-11-Bahnstrecke nach Bergisch Gladbach ab Mitte April zur Verfügung stehen. (Animation)
Copyright: Guido Wagner (Foto/Animation)
Wenn die S11 mal wieder über längere Zeit nicht nach Bergisch Gladbach fährt, weil die Strecke gesperrt ist, dann fahren in der Regel Busse als sogenannter „Schienenersatzverkehr“. Wenn ab 10. April die nächste mehrmonatige Sperrung ansteht, sollen Fahrgästen neben Bussen auch spezielle Leihräder entlang der gesperrten Strecke zwischen Köln-Mülheim und dem Bergisch Gladbacher S-Bahnhof zur Verfügung stehen. Das hat der Rheinisch-Bergische Kreistag so beschlossen.
Er will selbst bis zu 8500 Euro dafür aufbringen, um entlang der Strecke an den Bahnhaltestellen Köln-Mülheim, Köln-Holweide, Köln-Dellbrück, Bergisch Gladbach-Duckterath und Bergisch Gladbach S-Bahnhof insgesamt 50 Standard-Fahrräder (ohne Elektromotor) aufstellen zu lassen.
Schienenersatz-Fahrräder sollen violett lackiert und mit „SEV“ markiert werden
Diese sollen, damit sie besser zu erkennen sind, in der Schienenersatzverkehr-Farbe Violett lackiert sein und die Aufschrift „SEV“ erhalten. Außerdem sollen sie lediglich an den genannten Bahnstationen über die auch für andere Verleihangebote wie das „Bergische E-Bike“ genutzte App des Anbieters Nextbike entliehen, bezahlt und an den fünf Bahnstationen wieder abgegeben werden können.
Alles zum Thema Bergisches Land
- Durchwachsene Bilanz Wie der Wald im Bergischen Vitalitätstropfen erhält
- „Die drei Weisen gehören hierher“ Kölner Dom öffnet zum Dreikönigstag seinen kostbarsten Schrein
- Klimpermännche spendet Honorar „In dieser Zeit besonders an andere denken“
- Ärm en Ärm Paveier-Sänger möchte „in Würde altern“
- Mehrwertsteuer Nur in wenigen oberbergischen Restaurants wird's günstiger
- Online-Aktion Bergneustadt sammelt Spenden für Neuenother Brandopfer
So wollen die Planer vermeiden, dass die Räder mit nach Hause genommen oder sonst wo im Stadtgebiet abgestellt werden. Wer beispielsweise von Köln kommt und in Mülheim aufs SEV-Rad umsteigt, dann aber vom Gladbacher S-Bahnhof noch weiter mit einem Leihfahrrad radeln möchte, muss dort aufs Bergische E-Bike umsteigen. Auf diese Weise soll sichergestellt werden, dass ausreichend Räder entlang der Strecke der S11 zur Verfügung stehen, wie die Verkehrsexperten der Kreisverwaltung in der Vorlage zur jüngsten Kreistagssitzung erläuterten.
Es ist gut, dass nicht nur der Bus als einzig mögliche Alternative bei der Sperrung einer Bahnstrecke angeboten wird.
Voraussetzung für die finanzielle Beteiligung des Kreises an dem Projekt soll laut Kreistagsbeschluss sein, dass sich der für den Schienenverkehr zuständige Zweckverband Go.Rheinland mindestens mit 50 Prozent an den kalkulierten Gesamtkosten von 17.000 Euro beteiligt.
Bei den Kreistagsfraktionen und -gruppen stieß die Ausarbeitung der Kreisverwaltung überwiegend auf Zustimmung. CDU-Fraktionschef Uwe Pakendorf begrüßte, dass „nicht nur immer der Bus als einzig mögliche Alternative“ bei der Sperrung einer Bahnstrecke vorgesehen werde. Maik Außendorf (Grüne) wies darauf hin, dass der Antrag noch von der nach der jüngsten Kommunalwahl zerbrochenen schwarz-grünen Koalition auf den Weg gebracht worden sei. Ein „großes Problem“ aber sei die Finanzierung, so der nach der Kommunalwahl auf die Oppositionsbank gerückte Grünen-Politiker.
Zweckverband Go.Rheinland soll laut Kreis mindestens 50 Prozent der Kosten übernehmen
„Eigentlich sind wir nicht für den Schienenersatzverkehr zuständig, sondern der Zweckverband Go.Rheinland und die Deutsche Bahn“, rief SPD-Fraktionschef Gerhard Zorn in Erinnerung. Als „Beitrag zur Sportlichkeit“ wertete Werner Conrad (Freie Wähler) das Angebot zum Umstieg aufs SEV-Fahrrad, während Dr. Alexander Engel (FDP) die „Zur-Verfügung-Stellung von Fahrrädern“ als „nicht ausreichenden Ersatz“ bei der Sperrung der S-Bahn-Strecke kritisierte. Die FDP stimmte am Ende „trotz Bedenken“ zu.
Anders als die AfD, deren Fraktionsvorsitzender Sebastian Weirauch das Projekt Schienenersatzverkehr-Fahrrad grundsätzlich ablehnte. Wer das Fahrrad als Mittel der Wahl sehe, der habe auch selbst eins oder könne sich eines besorgen, so Weirauch. Das solle nicht auf die Allgemeinheit umgelegt werden, befand der AfD-Vertreter.
Kreistag stimmt mehrheitlich für zusätzliche Schienenersatz-Fahrräder
Bei sieben Gegenstimmen passierte das Projekt am Ende gleichwohl den Kreistag. Die Kreisverwaltung soll nun noch die finanzielle Beteiligung von Go.Rheinland beziehungsweise Deutscher Bahn unter Dach und Fach bringen.
Nach Abschluss des Pilotprojekts mit dem Ende der S-11-Sperrung im Juli sollen die Nutzungszahlen geprüft werden und für die folgenden Sperrzeiten der S11 in den Jahren 2027 bis 2029 sowie für andere Schienenersatzverkehr-Projekte gezogen werden. Außerhalb der Sperrzeiten sollen die violett lackierten SEV-Fahrräder nicht im Einsatz sein.

