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„Die drei Weisen gehören hierher“Kölner Dom öffnet zum Dreikönigstag seinen kostbarsten Schrein

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Kardinal Rainer Maria Woelki segnete die Sternsinger.

Kardinal Rainer Maria Woelki segnete die Sternsinger.

Zum Hochfest der Heiligen Drei Könige wird im Kölner Dom eine seltene Tradition lebendig: Die Reliquien sind für wenige Tage sichtbar. Warum der Dom ohne sie nie gebaut worden wäre – und weshalb ihr ideeller Wert bis heute Menschen aus aller Welt anzieht.

Der 6. Januar ist ein Festtag für den Kölner Dom: Am Dreikönigstag dürfen die Besucher den drei Weisen aus dem Morgenland, deren Gebeine der Überlieferung nach seit 1164 im goldenen Schrein hinter dem Hochaltar liegen, ein bisschen näherkommen. Den Reliquien der Heiligen Drei Könige ist es zu verdanken, dass der Dom überhaupt in Köln steht. Um dies zu feiern, wurde gestern die sogenannte Trapezplatte des kostbaren Schreins geöffnet – bis Sonntag sind nun die Kronen und Schädel der Heiligen Drei Könige sichtbar.

Die Sternsingerinnen zogen los und sammelten Geld.

Die Sternsingerinnen zogen los und sammelten Geld.

Schon nach dem Pontifikalamt am Dienstag, zelebriert unter der Anwesenheit von Kardinal Rainer Maria Woelki, standen hunderte Menschen Schlange, um einen Blick auf die Gebeine zu erhalten. Der Schrein bildet im Chorumgang des Doms, direkt hinter dem mittelalterlichen Hochaltar, das Zentrum der Kathedrale. Im Laufe dieser Woche ist der Blick auf das Innere des Schreins möglich, wenn auch aus rund fünf Metern Entfernung.

Viele Gläubige faszinieren die Heiligen Drei Könige bis heute – auch weil sie der Grund dafür waren, dass der Dom gebaut wurde. Ihre Gebeine kamen 1164 nach Köln, nachdem der Kölner Erzbischof Rainald von Dassel sie als Kriegsbeute aus dem eroberten Mailand mitbrachte. Kaiser Barbarossa gab die Reliquien seinem Kanzler Dassel als Schenkung.

Das Fest der Heiligen Drei Könige ist eines der größten Feste bei uns im Dom.
Guido Assmann, Dompropst

So beschloss man, den Kölner Dom als Aufbewahrungsort um den kostbaren Schrein aus Gold und Silber zu bauen. Das rund eine halbe Tonne schwere Reliquiengrab ist mit über 1000 Edelsteinen, Perlen und antiken Gemmen verziert. Die Reliquien sind eingebettet in kostbare Stoffe wie syrischen Damast. Die Form des Grabs ist eine dreischiffige Basilika, ergänzt durch Figuren biblischer und historischer Personen.

„Das Fest der Heiligen Drei Könige ist wirklich eines der größten Feste bei uns im Dom“, erklärte Dompropst Guido Assmann anlässlich des Pontifikalamts mit rund 3000 Besuchern und vielen, die vor den Toren warteten. Bis Sonntag kann nun jeden Tag von 13 Uhr bis 16:30 Uhr der geöffnete Schrein besichtigt werden – seit diesem Jahr lässt sich sogar etwas mehr erkennen: „Wir haben dieses Jahr ein Bild des Schreininneren auf Leinwand aufgezogen, wie eine Lupe für die Besucher.“ Auf dem Bild am Eingang zum Chorumgang sind die Schädel der drei Magier, wie sie im Matthäusevangelium bezeichnet werden, deutlich zu sehen – auch wenn man ihre genaue Herkunft nicht kennt.

Wer wirklich im Schrein begraben liegt, ist bis heute unklar – das ist den meisten Besuchern und Kirchenvertretern bewusst. Gisela (21) und ihr Sohn Simon (21) kommen jedes Jahr aus Reichshof nach Köln. „Wir kommen immer am Dreikönigstag in den Dom, mein Vater war hier Messdiener“, lacht Gisela. „Die Fakten weisen die Reliquien bestimmt nicht als die Knochen der Heiligen Drei Könige aus. Es geht wohl weniger um die historische Richtigkeit als um den ideellen Wert“, erklärt die Besucherin aus dem Bergischen Land.

Festlicher Akt im Dom: Bis Sonntag ist die Trapezplatte des Dreikönigenschreins geöffnet.

Festlicher Akt im Dom: Bis Sonntag ist die Trapezplatte des Dreikönigenschreins geöffnet.

Dompropst Assmann ergänzt: „Die Gebeine stammen aus der Zeit Jesu und sind in kostbare Tücher eingewickelt, die nachweislich aus der Gegend stammen, wo Jesus gelebt hat. Aber niemand wird heute sagen: Das sind auf jeden Fall die Knochen dieser Heiligen. Die Reliquien erzählen davon, dass Gott Mensch geworden ist, und darum feiern wir Weihnachten. Gott ist einer von uns geworden, drei Menschen sind dabei von weit hergekommen und haben anschließend diese Botschaft weitererzählt.“

Kölner Dom: Ein Event-Ort für Pilger

Auch heute kommen die Besucher von weit her, wie immer hört man die Menschen im Dom in verschiedensten Sprachen sprechen. Im Mittelalter war der Hype um die angeblichen drei Könige Kaspar, Melchior und Balthasar noch deutlich größer, es entstand eine Art Reliquien-Tourismus. Köln wurde dabei zum weltweit größten Event-Pilgerort, nach Rom und Santiago de Compostela.

Bis zum Sonntag erwartet der Dompropst rund 70.000 Menschen, die zum Dreikönigenschrein pilgern wollen. Assmann sieht eine enge Verbindung zwischen Dom, Stadt und den Weisen aus dem Morgenland: „Ich glaube, Köln wäre nicht die Stadt, wie wir sie heute erleben, wenn es den Dom nicht geben würde. Und diese Kathedrale gäbe es nicht ohne die Verehrung der Heiligen Drei Könige. Diese haben auch Einzug gefunden in das Stadtwappen, durch die Darstellung der drei Kronen. Man, merkt, die drei Weisen gehören definitiv hierher. Und ich glaube, sie fühlen sich ganz wohl hier in Köln.“