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Karneval 2024Die Sonne lachte für die Jecken am Bensberger Zoch

Lesezeit 4 Minuten
Die Schlossstadtclowns freuten sich über den großen Andrang.

Die Schlossstadtclowns freuten sich über den großen Andrang.

So viele Menschen, wie lange nicht mehr, versammelten sich in Bensberg entlang der Strecke, die der Zug abfuhr.

Wer an diesem Karnevalssamstag auf Thermostrumpfhose unter der Jeans, dicken Pulli, Schal und lange Winterjacke setzt, kommt ins Schwitzen: Beim Start des Bensberger Zugs zeigt das Thermometer 13 Grad und die Sonne scheint für die Jecken. Das war die letzten Tage nicht so absehbar, also haben sich die Jecken der Großen Bensberger am Treffpunkt noch „entschält“.

Immer mehr Rot-Weiße-Karnevalisten sammeln sich an den Wagen, die Stimmung ist ausgelassen, die Karnevalisten freuen sich über das gute Wetter. Auf den Festwagen wird eine Choreografie eingeübt, hier und da wird es ein wenig hektisch, weil einige Mitglieder noch nicht da sind oder die Autos umgepackt werden müssen. Die Nachwuchs-Jecken scheinen immer aufgeregter zu werden, je näher der Start rückt.

Als alle den Treffpunkt, der recht weit hinten liegt, gefunden haben, weist Orga-Leiter Jan Petersen die Wagenengel ein: Das wichtigste sei es, dass die Freiwilligen darauf achten, dass niemand unter die Räder kommt. Dafür sollen sie am besten schauen, dass die Menschen möglichst früh Platz für den Wagen machen. „Ihr geht neben den Wagen. An der Baustelle an der Schloßstraße haben wir Wurfverbot und ihr geht hinter die Autos“, erklärt er. Wichtig: „Am AMG müsst ihr aufpassen, da sind immer viele betrunkene Kinder, die versuchen auch in die Transporter zu kommen. Da am besten die Türe schließen.“

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Noch ein bisschen warten, die letzten wichtigen Abläufe werden besprochen: In den weißen Transportern liegen für jede Person Pakete, die am Abend vorher mit Kamellen befüllt wurden. Für jedes Paket bekommen die Mitlaufenden eine Marke, die sie gegen ein Paket Süßigkeiten eintauschen.

Mit etwas Verzögerung geht’s endlich los, Jubel geht durch die Reihen. Die Zuschauenden am Straßenrand rufen den Jecken zu. Kleine Löwen, Eisbären und Piraten rufen „Kamelle, Kamelle“. Einige Rufe klingen ungeduldig, als seien die Kids bei den vorherigen Wagen leer ausgegangen. Auch wenn ihre Tüten schon gut gefüllt sind.

Premiere für zwei neue Gruppen

In diesem Jahr haben zwei Gruppen ihre Premiere: Der Kegel- und Karnevalsclub „TKKG-Rot-Gold“ hat sich im Juli 2023 gegründet und besteht aus alten Schulfreunden, die gerne trinken, kegeln und Karneval feiern. Auch die BensBergeleute sind zum ersten Mal dabei. Sie laufen als Bergbaufrauen- und Männer direkt eine solide Leistung mit Heimatbezug ab.

Die Eingeborenen von Leppikemmi, beeindrucken die Umstehenden mit ihrem Mottowagen, einer rollenden Kneipe. An den Seiten des Wagens befestigte die Gruppe Tischhälften, wodurch ein 3D-Effekt und der Eindruck einer echten Kneipe entsteht. 

Der Tennisclub Grün-Gold Bensberg sorgt mit seinen Krokodil-Kostümen für Aufsehen. In diesem Jahr werfen die Sportlerinnen nicht nur Tennisbälle, sondern tanzen auch zu „Pass op Prinzessin“. 

Klein und Groß sind jeck 

Für einen kleinen Schmetterling ist der Lolli in Form eines Schnullers jedenfalls so wichtig, dass sie ihm wagemutig hinterher springt – mitten auf die Spur, auf der sich die nächsten Wagen schon auf sie zurollen. Die Wagenengel sind bereit, einzugreifen, doch da flattert der Schmetterling mit seiner Beute weiter, um sich auf das nächste Süße zu stürzen.

Die Lust auf Süßes scheint nicht nur den Kleinen zu Kopf gestiegen zu sein: Auch eine ältere Frau läuft kurzerhand vor einen Wagen, um Kamelle davor zu bewahren, von den Rädern zerquetscht zu werden. „Das schöne Bonbon“, kommentiert sie ihre Rettungsaktion und geht weiter ihres Weges.

Kamelle-Regen prasselt auf die Jecken nieder

Die Amazonen und Herrenreiter der Großen Bensberger lassen Kamelle auf die Umstehenden regnen – die teilweise überraschten Gesichter der Zuschauenden lassen darauf schließen, dass der ein oder andere Wurf ein bisschen fest ist. Eine junge Frau hat sich bestens vor zu gut gemeinten Würfen geschützt: Zu ihrem Kostüm gehört ein Baustellenhelm, der auch prompt zum Einsatz kommt, als ihr kleine Schokoladen auf den Kopf fallen.

Zu der Gruppe gehört seit 11 Jahren auch MdL Martin Lucke. Er verteilt Kamelle und Strüßjer, immer wieder wird er in Gespräche verwickelt. Seit er im Landtag sitzt, wird er von hin und wieder erkennt. „Eine Schülergruppe, die bei mir im Landtag war, ist auf mich zugekommen und hat gefragt, ob ich sie noch kenne“, erzählt er. Das habe er natürlich und sich sehr über dieses Wiedersehen gefreut.

Wie angekündigt, ist am AMG viel los. Aus Boxten schallt Musik, die die Musik der Jecken übertönt. Betrunkene Jugendliche stehen auf Absperrungen, überqueren die Fahrbahn gefährlich nah am Zug, aber bleiben sonst friedlich. In diesem Jahr endet der Zug nicht wie sonst an der Schule, sondern läuft weiter über die Schloßstraße und löst sich an der Kölner Straße auf.

Hier lassen die Jecken kurz den Zug kurz Revue passieren, bevor sie weiterziehen. „Die Stimmung war super und es waren viel mehr Menschen da, als sonst“, sagt Jan Petersen. Alles habe gut funktioniert und er sei sehr zufrieden. Auch Lucke habe nicht damit gerechnet, dass so viele Menschen kommen: „Der Wetterbericht sah ja nicht so gut aus.“ Umso schöner sei es, dass doch so viele Menschen mitgefeiert haben. „Die Stimmung war super“, findet der Politiker.

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