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Zuwachs von 28 ProzentBeratungsstelle für sexualisierte Gewalt gegen Kinder verzeichnet mehr Fälle in Rhein-Berg

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Ein Mädchen sitzt weinend auf dem Boden.

Im Vergleich zum Vorjahr sind die Fälle, in denen die Beratungsstelle Mehrblick tätig wurde, um 28 Prozent gestiegen. (Symbolbild)

Mehrblick unterstützt Kinder und Jugendliche, die sexualisierte Gewalt erfahren haben. Im letzten Jahr mussten sie 92 Fälle bearbeiten.

Jugendliche, die Kinder zu sexuellen Handlungen zwingen; Erwachsene, die mit Minderjährigen chatten und Nacktfotos einfordern, Familienmitglieder, die Kindern gegenüber sexualisierte Gewalt ausüben: Es ist kein einfacher Job, dem das Team von Mehrblick, der Fachberatungsstelle bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im Rheinisch-Bergischen Kreis, nachgeht.

Allein im vergangenen Jahr haben sie in 92 Fällen tätig werden, Kindern und Jugendlichen sowie deren Bezugspersonen beratend zur Seite stehen müssen. Das ist ein Anstieg um 28 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Die meisten Fälle kamen aus Bergisch Gladbach, 54 um genau zu sein. Die Rate pro 1000 Personen der Altersgruppe 0 bis 27 liegt bei 1,91.

Es braucht Prävention und Aufklärung

Es sind erschreckende Zahlen, von denen Psychologin und Kinder- und Jugendlichentherapeutin Jana Mohnfeld-Knotkova und Doris Wanken, Sozialpädagogin und Traumafachberaterin, in der jüngsten Sitzung des Jugendhilfeausschusses berichteten. Die Zahlen stehen für sich. Doch waren es vor allem die Fallbeispiele, die zeigten, wie dringend nicht nur eine Fachstelle wie Mehrblick, sondern auch Prävention und Aufklärung nötig sind.

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Von einem zehnjährigen Jungen, der bei einem gleichaltrigen Freund übernachtet habe, berichtete Mohnfeld-Knotkova. Nach der Übernachtung sei den Eltern aufgefallen, dass ihr Sohn traurig gewirkt und über Bauchschmerzen geklagt habe. Es habe etwa zwei Wochen gedauert, bis er seiner Mutter anvertraut habe, dass er mit dem älteren Bruder seines Freundes „ein Geheimnis habe“, so die Psychologin. Dieser sei 14 Jahre alt und habe ihn bei der Übernachtung zu sexuellen Handlungen gezwungen.

In der Regel nehmen Mädchen das Beratungsangebot in Anspruch

Mehrblick stellte sowohl dem Jungen als auch seinen Eltern je einen Berater zur Seite. „Den betroffenen Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen bieten wir einen sicheren Raum, in dem sie das Erlebte verbalisieren und reflektieren können“, sagte Mohnfeld-Knotkova. Es gehe auch darum, zu lernen, eigene Grenzen wahrzunehmen und zu kommunizieren, Stabilisierung zu erfahren und Orientierung zu gewinnen. Auch sei es wichtig, einen konstruktiven Umgang mit emotionalen Belastungen, die solche Erfahrungen mit sich bringen, zu entwickeln.

In der Regel handelt es sich bei den Betroffenen, die bei Mehrblick beraten werden, laut der Psychologin um Mädchen. „Die Zahlen von Jungs sind geringer, weil sie und ihre Erfahrungen oft nicht gesehen werden“, sagte sie.

Unterstützung gibt es auch für Eltern und Bezugspersonen der Kinder

Eltern und Bezugspersonen werden laut Mohnfeld-Knotkova ebenfalls unterstützt, etwa dabei für Betroffene einen sicheren Ort herzustellen und für sie emotional präsent zu sein. „Darüber hinaus begleiten wir die Bezugspersonen in der Verarbeitung der eigenen Belastung und gegebenenfalls der eigenen Retraumatisierung“, fügte sie hinzu.

Das Team von Mehrblick steht vor einem Banner.

Das Team von Mehrblick 2026, Vincenzo Matacchiera, Jana Mohnfeld-Knotkova, Christoph Sonntag, Doris Wanken (v.l.); Fachberatungsstelle bei sexualisierter Gewalt gegen Kinder und Jugendliche RBK

Sobald sich jemand an die Beratungsstelle mit einem Anliegen wendet, versucht das Team, so schnell wie möglich zu reagieren. Werktags meldet es sich nach eigenen Angaben innerhalb von 48 Stunden zurück. Mehrblick sollte jedoch nicht mit einem therapeutischen Angebot verwechselt werden. „Wir sind nur beratend tätig“, erklärte Mohnfeld-Knotkova im Ausschuss.

Mehrblick bietet eine Fachberatung für Pädagogen an

Neben der Beratung für Kinder und Eltern, bietet Mehrblick auch eine Fachberatung für pädagogische Fachkräfte und ehrenamtlich Tätige an. 2025 wurde die Stelle in 71 Fällen tätig, das sind 31 Prozent mehr als im Jahr davor. Dabei gehe es beispielsweise darum, Lehrkräfte, die davon erfahren, dass ein Schüler oder eine Schülerin beispielsweise sexuell misshandelt wurde, in ihrem Umgang mit der Situation zu unterstützen, sagt Wanken. Aber auch Fachkräfte der öffentlichen und freien Jugendhilfe, aus Kitas und der Gesundheitshilfe sowie Ehrenamtler von beispielsweise Sportvereinen und Kirchengemeinden könnten sich melden.

Auch um Präventionsangebote bemüht sich die Beratungsstelle. Im vergangenen Jahr organisierte sie 51 Veranstaltungen mit 1100 Teilnehmenden. Zu den Angeboten gehören unter anderem Fortbildungen für pädagogische Fachkräfte, Workshops für Kinder und Jugendliche in allen Schulformen, Infoveranstaltungen für Eltern und eine Plakataktion, die beispielsweise Kinder dabei unterstützt, Grenzen bezüglich ihres eigenen Körpers zu ziehen.

Die Finanzierung der Beratungsstelle ist gesichert

Der Jugendhilfeausschuss zeigte sich betroffen von der Anzahl an Fällen, mit der sich die Beratungsstelle 2025 beschäftigte. Vor allem aber betonten die Politikerinnen und Politiker, wie wichtig die Arbeit von Mehrblick sei. In diesem Rahmen fragte Johannes Bernhauser, sachkundiger Bürger, danach, ob die Zukunft des Projekts weiterhin gesichert sei.

Thomas Straßer, Leiter des Kreisjugendamts, gab Entwarnung. Mehrblick sei von Land und Kommunen regelfinanziert, es gebe einen unbefristeten Vertrag. Die Beratungsstelle wird also auch in Zukunft jungen Opfern von sexualisierter Gewalt zur Seite stehen.