StatistikWo die Unfallentwicklung in Rhein-Berg auch entgegen dem Landestrend verläuft

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Fahrsicherheitstrainings wie hier im vergangenen Jahr in Kürten helfen Fahrerinnen und Fahrern auch, die Geschwindigkeit besser einzuschätzen und so Unfälle zu vermeiden.

Fahrsicherheitstrainings wie hier im vergangenen Jahr in Kürten helfen Fahrerinnen und Fahrern auch, die Geschwindigkeit besser einzuschätzen und so Unfälle zu vermeiden.

Unter anderem die Zahl der Fahrrad- und Pedelecunfälle in Rhein-Berg ist zurückgegangen.

In einer Zeit, in der viele auf Wachstum schauen, kann auch ein Rückgang ein Erfolg sein. So etwa die seit dem Fahrrad- und vor allem Pedelec-Boom des ersten Corona-Jahres 2020 nun wieder zurückgehenden Zahlen von Unfällen mit diesen Zweirädern.

Fahrrad- und Pedelecunfälle in Rhein-Berg

War die Zahl der verunglückten Fahrrad- und Pedelecfahrenden im Kreisgebiet während des ersten Corona-Jahrs 2020 auf den Höchstwert von 291 gestiegen, sank er seitdem kontinuierlich auf zuletzt 253. Entgegen dem Landestrend, der im zurückliegenden Jahr eine weitere Steigerung dieser Unfälle auswies.

Zwar nehme der Anteil der Pedelecnutzer unter den Zweiradfahrenden weiter zu, die „stete Zunahme an Verletzten bei Pedelec- und Fahrradfahrenden scheint jedoch vorerst gestoppt zu sein“, sagte der Leiter des Verkehrsdienstes bei der Kreispolizei, Thomas Schliwitzki, diese Woche bei der Vorstellung der Unfallbilanz 2022. Vor allem bei den Senioren (ab 64 Jahren) sei ein Rückgang zu verzeichnen der Verletztenzahlen (Pedelec: – 9, Fahrrad: – 2) zu verzeichnen, während Erwachsene (25-64 Jahre) im zurückliegenden Jahr häufiger mit dem Pedelec verunglückt seien (+ 20).

Rund die Hälfte der Unfälle von Pedelecfahrenden sei von diesen selbst verschuldet, betonte Landrat Stephan Santelmann. „Vielfach unterschätzen Pedelecfahrer die Geschwindigkeit ihrer Fahrzeuge völlig“, erläuterte der Erste Polizeihauptkommissar Schliwitzki und warb dafür, dass auch durch das Tragen eines Helms viele schwere Verletzungen bei Zweiradunfällen hätten vermeiden werden können, auch wenn es in Deutschland nach wie vor keine Helmpflicht für Pedelec- oder Fahrradfahrende gebe.

Landrat Santelmann appellierte an alle Verkehrsteilnehmenden, „anderen Menschen Raum für ihre Verkehrsteilnahme zu gewähren“ den Straßenraum „gemeinsam aufmerksam zu nutzen“. Und dazu gehöre auch, die „eigene Geschwindigkeit den Verkehrsverhältnissen anzupassen“, so Santelmann.

Motorradunfälle in Rhein-Berg

Nach wie vor ein Anziehungspunkt sind bestimmte Strecken im Kreisgebiet für auswärtige Motorradfahrer. „Die Zahl der verunglückten Motorradfahrer liegt wieder auf dem gleichen Niveau wie vor Corona“, sagt Verkehrsdienst-Leiter Thomas Schliwitzki. Im zurückliegenden Jahr zählte die Kreispolizei 175 Verkehrsunfälle, an denen Motorradfahrende beteiligt waren. Ein Fahrer wurde getötet (Vorjahr: zwei), 31 Kradfahrer wurden schwer (– 2), 54 leicht verletzt (+ 10).

„Da konzentrieren wir uns weiterhin mit Präventions- und Kontrollmaßnahmen drauf“, so Schliwitzki. „Durch diese kontinuierliche Arbeit haben wir es sicherlich auch geschafft, landesweit nicht unter den Top 10 der Polizeibehörden zu liegen, bei denen dieses Thema ein großes Problem ist.“

60 der 175 Motorradunfälle ereigneten sich außerhalb geschlossener Ortschaften. In mehr als einem Drittel (38 Prozent) der Fälle war dabei laut Landrat Santelmann nicht angepasste Geschwindigkeit die Unfallursache. Weitere häufige Ursachen bei Unfällen von beziehungsweise mit Motorradfahrenden sind laut Kreispolizei ein zu geringer Sicherheitsabstand, die Missachtung von Vorfahrtsregel oder Fehler beim Abbiegen.

E-Scooter in Rhein-Berg

Entgegen dem Trend in zahlreichen nordrhein-westfälischen Großstädten gebe es mit kleinen Tretrollern mit Motorantrieb und Lenkstange, sogenannten „E-Scooter“ in Rhein-Berg kein „großes herausragendes Problem“, so Verkehrsdienstleiter Schliwitzki. „Wir haben hier auch keine Verleihstationen, sodass wir auch keine E-Scooter wild im Verkehrsraum rumstehen haben“, erläuterte Schliwitzki.

18 Personen zwischen 16 und 64 Jahren seien im vergangenen Jahr mit E-Scootern in Rhein-Berg verunglückt, alkoholisiert gewesen sei von diesen lediglich einer, der allerdings drei Promille Alkohol im Blut gehabt habe, so Schliwitzki. Häufigste Unfallursache sei die Kollision mit Pkw gewesen, deren Fahrer den Elektrofahrzeugführer „entweder nicht gesehen oder dessen Geschwindigkeit unterschätzt habe“, so die Polizei. Sieben E-Scooter-Fahrer seien ohne Fremdeinwirkung verunglückt.

Fußgänger in Rhein-Berg

Auffällig, so der Leiter des Verkehrsdienstes bei der Kreispolizei, sei bei der Auswertung der Unfallursachen im zurückliegenden Jahr, dass die Zahl der Unfälle, die durch falsches Verhalten von Fußgängern verursacht worden sei, sich fast verdoppelt habe: von 13 auf 24. Vor allem zahlreiche Kinder seien daran beteiligt. „Plötzliches Überqueren der Fahrbahn, ohne auf den Verkehr zu achten, war hier die Hauptursache“, so die Polizeibilanz. „Einen Unfallschwerpunkt in Bereich von Schulen allerdings gebe es nicht“, betonte die Abteilungsleiterin Polizei und der Direktion Verkehr, Birgit Buchholz. „Da haben wir keine Unfallauffälligkeiten“, bestätigte der Leiter des Verkehrsdienstes, „das sind in der Regel Freizeitunfälle“. Sicher dürfte auch ein Teil auf „Ablenkung durch Handy oder Kopfhörer“ zurückzuführen sein.

Illegale Rennen in Rhein-Berg

Eine etablierte Szene in diesem Delikt wie in Köln, Dortmund, Düsseldorf oder Essen gibt es laut Polizei in Rhein-Berg nicht. Gleichwohl bleibe es natürlich auch in Rhein-Berg bei der Null-Toleranz-Strategie.

13 illegale Rennen, allesamt Einzelrennen, registrierte die Polizei im vergangene Jahr, in zwei Fällen kam es zu Unfällen, weil einmal ein Autofahrer, einmal ein Motorradfahrer die höchstmögliche Geschwindigkeit aus seinem Fahrzeug habe herauszuholen versuchen. Vier Führerscheine zog die Polizei ein, stelle fünf Mobiltelefone und neun Fahrzeuge sicher.


Aus den südlichen Rhein-Berg-Kommunen

  1. Bergisch Gladbach 3244 von kreisweit 7610 Verkehrsunfällen ereigneten sich in der Kreisstadt. 411 Menschen wurden d verletzt, einer getötet. Die Zahl der verunglückten Senioren nimmt seit Jahren zu: 87 waren es 2022. Jeder dritte davon fuhr Auto,, 20 Prozent waren Fußgänger. Deutlich unter dem Kreistrend liegen die Zahlen der verunglückten Jugendlichen (19) und jungen Erwachsenen (33).
  2. Kürten 377 Verkehrsunfälle erfasste die Kreispolizei in der Gemeinde Kürten. 73 Menschen wurden verletzt, einer getötet. Eine Verdoppelung der verunglückten Senioren von sieben auf 14 markiert laut Polizei den bisherigen Höchstwert in dieser Gruppe. Weiterhin niedrig sind die Zahlen der in der Gemeinde Kürten verunglückten Kinder (4) und Jugendlichen (2).
  3. Odenthal 286 Verkehrsunfälle (– 21) erfasste die Kreispolizei in der Gemeinde Odenthal. 49 Menschen wurden dabei verletzt, einer getötet. Leicht gestiegen sind lediglich die Zahlen der verunglückten Kinder (von zwei auf drei) und jungen Erwachsenen (von elf auf 13). Stark zurückgegangen ist neben der Gesamtzahl der Unfälle (siehe oben) die Zahl der verunglückten Senioren: von zwölf auf vier.
  4. Overath 747 Verkehrsunfälle zählte die Kreispolizei im Overather Stadtgebiet. 88 Menschen wurden dabei verletzt, keiner getötet. Stark gestiegen ist die Zahl der verunglückten jungen Erwachsenen (von fünf auf 21). Unfallursache Nummer 1: zu hohes Tempo. Einen langjährigen Tiefstand erreicht mit 42 die Zahl der im Vorjahr verunglückten Erwachsenen (– 25). Verunglückte Senioren:10 (–8)
  5. Rösrath 664 Verkehrsunfälle zählte die Kreispolizei im Rösrather Stadtgebiet. 87 Menschen wurden verletzt, keiner getötet. Seit Jahren hoch ist die Zahl der verunglückten Kinder, mit 11 lag die Zahl 2022 kreisweit an trauriger zweiter Stelle nach Bergisch Gladbach (33) Stark zurückgegangen – von 33 auf acht – ist die Zahl der verunglückten Senioren in Rösrath. In fünf Fällen waren Fehler anderer die Ursache.
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