Volkstrauertag seit 1952Rhein-Berg gedenkt Opfern von Krieg und Gewalt

Lesezeit 3 Minuten
Zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag

Zentrale Gedenkfeier zum Volkstrauertag

Auch Kinder und Jugendliche machen sich Gedanken über Krieg und Tod. Sie wurden in die Veranstaltungen zum Volkstrauertag eingebunden. 

Bewusstsein schaffen für das, was in der Vergangenheit geschehen ist und was uns ganz aktuell wieder beschäftigt. Darum geht es beim Volkstrauertag, der als staatlicher Gedenktag seit 1952 immer zwei Sonntage vor dem ersten Advent begangen wird, um an die Opfer von Gewalt und Krieg zu gedenken. So auch an verschiedenen Orten im Rheinisch-Bergischen-Kreis.

Ob Rösrath, Overath oder Kürten, wo die zentrale Gedenkfeier stattfand, überall beschäftigten sich die Besucher mit dem Thema, das durch die Kriege in der Ukraine sowie Nahost so nah an die nachfolgenden Generationen nach dem zweiten Weltkrieg gerückt ist wie nie zuvor.

Freiwillige Feuerwehr als Kranzträger in Overath

In Kürten begann die Feier mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Johann Baptist, im Anschluss folgte die Kranzniederlegung auf dem „Alten Friedhof“. In Rösrath besuchte Staatssekretär Lorenz Bahr die Veranstaltung als Gastredner, in Overath beteiligte sich die Freiwillige Feuerwehr als Kranzträger und übernahm die Ehrenwache. Auch auf dem städtischen Friedhof Bensberg, am Ehrenmal, wurde der Toten gedacht.

Nachdem die Geschwister Volkhard und Reingard Hartwig das Zeremoniell mit Trompetenklängen feierlich eröffnet hatten, richtete Pfarrer Christoph Breer von der Evangelischen Kirche zum Heilsbrunnen seine Ansprache an die Besucher und berichtete von seinem Besuch im Westjordanland vergangenes Jahr. „Ein Kollege warnte mich damals schon, er sagte, wenn du dich mit dem Nahen Osten befasst, dann musst du aufpassen, dass du nicht das Leid der einen gegen das Leid der anderen ausspielst“, erinnert er sich. Und auch an den 7. Oktober in diesem Jahr, an dem er die Worte des Kollegen begriff.

Auch Kinder und Jugendliche beschäftigen die Kriege

Gott wolle nicht, dass der Stärkere den Schwächeren in den Staub drücke oder der Schwächere den Starken überrasche. Und als Land, von dem zwei Weltkriege ausgegangen seien, ohne dass es einen Angriff gegeben habe, seien wir nicht in der Position, anderen Ratschläge zu geben, wie sie sich nach einem Angriff verteidigen sollen.

Während die Fackeln im Boden flackerten und ein Regenschauer über Bensberg niederging, verlasen Breers Konfirmanden ihre Fürbitten. Für sie alle war es der erste Volkstrauertag, den sie miterlebten und sie fanden die Grundidee gut. „Man macht sich Sorgen wegen der Kriege“, gaben die Zwölfjährigen zu. „Es ist gut, dass man an die Toten vorheriger Kriege gedacht hat und sich dafür in der Gemeinschaft versammelt“, nahmen sie am Ende mit.

Konfirmanden werden in Bensberg mit einbezogen

Breer findet es wichtig, die Konfirmanden einzubeziehen. „Die jungen Leute sind verantwortlich für das, was in der Zukunft geschieht und können nur dann Werte leben, wenn sie ihnen jemand beigebracht hat“, fasste er zusammen und nannte die zehn Gebote ein „Menschlichkeitserbe“, dessen Richtlinien nicht nur religiöse Menschen ansprächen. „Das Zusammenleben funktioniert nur, wenn Grundvereinbarungen herrschen“, so der Pfarrer.

Nach dem stillen Gedenken vor den Trauerkränzen und unter ersten Sonnenstrahlen, die sich durch die Wolkendecke bohrten, trat der stellvertretende Bürgermeister Josef Willnecker vor die Besucher und baute seine Worte auf ein Zitat Otfried Preußlers auf: „Die Kraft des Mutes liegt in der Fähigkeit, auch in den dunkelsten Stunden das Licht der Hoffnung zu sehen und unbeirrt voranzuschreiten“, und nahm den Autor, der durch optimistische und humorvolle Kinderbücher bekannt sei, als Paradebeispiel.

Denn in russischer Gefangenschaft und als Spätheimkehrer habe es ihn viel Mut gekostet, wieder ganz von vorne anzufangen. Mut, den die Menschen auch heute inmitten der aktuellen Kriegsgeschehnisse wieder brauchten und dessen sie sich bedienen sollten.

Auch ihm liegt am Herzen, die jüngeren Generationen miteinzubeziehen. „Es soll ihnen ins Bewusstsein kommen, dass wir nicht in Frieden leben“, so Willnecker. Gleichzeitig bedauerte er die Abwesenheit von Bundeswehr und Volksbund auf der Veranstaltung, vor allem in diesen Zeiten, wie er findet.

Nachtmodus
Rundschau abonnieren