Carolin Weitzel, seit 2020 die erste Bürgermeisterin in der Stadtgeschichte, tritt erneut für die CDU an — Als Herausforderer geht Thommy Mewes (Grüne) ins Rennen.
Kommunalwahl 2025In Erftstadt kommt es zum Zweikampf um das Bürgermeisteramt

Im September wird sich entscheiden, wer das Rathaus in Liblar am Holzdamm in den kommenden fünf Jahre leitet.
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Im Rennen um das Bürgermeisteramt in Erftstadt kommt es bei der Kommunalwahl am 14. September zu einem Zweikampf: Für die CDU tritt Carolin Weitzel an, die eine zweite Amtszeit anstrebt. Herausforderer Thommy Mewes geht für Bündnis 90/Die Grünen ins Rennen. Damit fällt das Angebot für die Wählerinnen und Wähler deutlich kleiner aus als bei der vergangenen Wahl 2020. Sie haben nun lediglich zwei Namen auf dem Wahlzettel stehen.
Vor fünf Jahren sah das noch anders aus. Damals hatte die Wahl Erftstadt bundesweite Aufmerksamkeit beschert. Fünf Frauen waren angetreten, um Bürgermeisterin zu werden. Zwei spannende Wahlabende hatte es gebraucht, bis die Siegerin feststand. Siegerin (!) – ein Novum in Erftstadt. Denn mit Weitzel war in Erftstadt in den vergangenen fünf Jahren erstmals eine Frau an der Spitze der Verwaltung in der 56-jährigen Geschichte der Stadt. Neben der Christdemokratin waren die Technische Beigeordnete Monika Hallstein (parteilos, von der SPD nominiert), Gabriele Molitor (FDP), Stephanie Bethmann (Grüne) und Rebecca Ewald (Einzelbewerberin) angetreten. In der Stichwahl waren es am Ende 900 Stimmen, die Weitzel von Hallstein trennten.
Grünen-Kandidat Mewes hatte keinen parteiinternen Mitbewerber
Mit Thommy Mewes wagte sich bereits Anfang des vergangenen Jahres der erste Kandidat für die Wahl am 14. September aus der Deckung. Im April 2024 haben die Erftstädter Grünen den 55-Jährigen als Bürgermeisterkandidaten nominiert. Er erhielt 21 Ja-Stimmen, eine Nein-Stimme bei drei Enthaltungen. Einen Gegenkandidaten hatte der IT-Manager, der bei einem international agierenden Unternehmen arbeitet, nicht. Mewes ist erst seit Ende 2021 Mitglied der Partei.
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Der Bürgermeisterkandidat der Grünen setzt im Wahlkampf nach eigenen Angaben auf Transparenz, Ehrlichkeit und Bürgernähe. In seinem Format „Triff Thommy“ besucht er die Menschen in Erftstadt und tauscht sich mit ihnen aus. Auch feste Termine zum Austausch an verschiedenen Orten in der Stadt gibt es bis zum Tag der Wahl. Die geplante Erhöhung der Grundsteuer B im Jahr 2026 kritisierte Mewes zuletzt entschieden. 2026 soll die Grundsteuer zwar nicht drastisch auf 980 Punkte steigen, wie es zunächst im Gespräch war. Eine Steigerung auf 930 Punkte ist dennoch vorgesehen.
Mewes kritisiert, dass diese Erhöhung nie eine Laune des Rates gewesen sei, sie sei Chefsache im Rathaus gewesen. Diese Krise sei das Ergebnis einer Finanzpolitik, die jahrelang verschoben, schöngerechnet und Prioritäten vermieden habe. In seiner Nominierungsrede skizzierte der Bürgermeisterkandidat der Grünen drei große Themen. Er will die Lebensqualität durch die Förderung von Mobilität, Barrierefreiheit, bezahlbaren Wohnen und den Ausbau von Kultur- und Freizeitangeboten steigern. Die finanzielle Stabilität will Mewes durch den Ausbau von neuen Gewerbeflächen sichern. Und drittens will er mit mehr Personal und die Verwaltung agiler, digitaler und arbeitsfähiger gestalten.

Thommy Mewes von den Grünen will in Erftstadt Bürgermeister werden.
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Amtsinhaberin Weitzel wurde vom Vorstand der CDU Erftstadt im vergangenen November einstimmig als Kandidatin vorgeschlagen, ein Signal für Geschlossenheit und Vertrauen. Die CDU setzt damit nach eigenen Angaben auf Kontinuität und Stabilität. Die Christdemokraten nominierten die 45-jährige Diplom-Verwaltungswirtin im Frühjahr dieses Jahres als Kandidatin. 91,25 Prozent hatten sich hinter die amtierende Bürgermeisterin gestellt. Sie blieb die einzige Bewerberin.
In ihrer Amtszeit ebnete Weitzel den Weg für Erftstadt als Hochschulstadt. Das sei von Anfang an ihr Ziel gewesen, schon als sie vor fünf Jahren kandidiert habe, wie sie bei der Unterzeichnung der Zielvereinbarung zur Maßnahme „Wohnen am Campus“ angab. Derweil laufen die Arbeiten für die Ansiedlung der Hochschule des Bundes, 2026 soll der Bau des Reallabors der TH Köln starten.

Carolin Weitzel (CDU) strebt eine zweite Amtszeit als Erftstädter Bürgermeisterin an.
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Herausforderungen, die die Christdemokratin in den vergangenen fünf Jahren meisterte, waren die Corona-Pandemie und die Folgen der Flutkatastrophe. Weitzels Agenda zufolge sollen die Ergebnisse des Hochwasserschutzkonzeptes bald vorliegen, Maßnahmen sollen schnellstmöglich umgesetzt werden. Weitere Punkte sind etwa die Modernisierung von Kindergärten und Schulen und bezahlbarer Wohnraum, auch für die ältere Generation. Den Haushaltsentwurf für die Jahre 2024/25 hat die Kommunalaufsicht im vergangenen Jahr abgelehnt. Erftstadt musste erneut ein Haushaltssicherungskonzept aufstellen. Auf „steigende Einnahmen, die zu einer weiteren Stabilisierung unserer Finanzen beitragen werden“ setzt Weitzel in ihrer Agenda „mit der erfolgreichen Entwicklung Erftstadts zum Hochschulstandort“.
In Sachen Wirtschaft setzt sie zudem auf die Erweiterung des Wirtschaftsparks in Lechenich und den neuen Industrie- und Wirtschaftsstandort „Ville-Park“, den Erftstadt und Hürth entwickeln. Wie spannend der Wahlabend am 14. September wird, bleibt abzuwarten. Klar ist aber: Der Vertrauensbonus, den Amtsinhaber genießen, ist nicht zu unterschätzen. Das hat sich schon vielerorts gezeigt.
2020 holte die CDU in Erftstadt die meisten Stimmen
Bei der Kommunalwahl 2020 blieb die CDU mit 37,7 Prozent der Stimmen stärkste Fraktion im Stadtrat. Die SPD holte 21,4 Prozent, verlor aber noch vor der konstituierenden Ratssitzung ein Mandat. Der langjährige Vorsitzende Bernd Bohlen hatte der Fraktion den Rücken gekehrt. Anfang 2022 gründeten Bohlen und die ehemalige Grünen-Fraktionschefin Marion Sand die Fraktion Aufbruch'22. Die SPD hatte statt neun nur noch acht Fraktionsmitglieder, genau so viele wie die Grünen, die 19,1 Prozent holten. Die Liberalen erhielten 11,9 Prozent der Wählerstimmen. Neu im Erftstädter Rat war die Fraktion Die Linke mit zwei Stadtverordneten, die Freien Wähler stellten drei Mandatsträger. (eva)