Anfang 2023 hatten Tierschützer den Skandal aufgedeckt. Der Kreis schloss den Betrieb umgehend. Im Oktober startet in Köln der Prozess.
Vier Männer angeklagtProzess um Tierquälerei auf Hürther Schlachthof beginnt

Aufnahmen wie diese schockierten Anfang 2023 die Öffentlichkeit. Sie sollen die Verstöße gegen das Tierschutzgesetz in einem Hürther Schlachthof dokumentieren.
Copyright: Aninova
Es waren Aufnahmen, die an Grausamkeit kaum zu überbieten waren: Rindern, Schafen und einer Ziege werden bei vollem Bewusstsein mit einem Messer die Kehle durchtrennt. Andere Tiere werden geschlagen und getreten; ein Mann treibt ein Rind mit Einsatz einer Mistgabel in den Schlachthof. Mit einer Seilwinde wird ein anderes von einem Transporter gezogen.
Ebenfalls zu sehen: Schlachttiere, die durch einen Bolzenschuss betäubt werden sollten, sind noch bei Bewusstsein, bevor sie geschlachtet werden – sie wedeln mit dem Schwanz und bewegen ihre Füße.
Die Tierquälerei in dem Schlachthof ist kaum in Worte zu fassen, es ist sicherlich mit das Schlimmste, was ich jemals gesehen habe
„Die Zustände in dem Betrieb gleichen einem Horrorfilm“, sagte Jan Peifer Anfang 2023. „Die Tierquälerei in dem Schlachthof ist kaum in Worte zu fassen, es ist sicherlich mit das Schlimmste, was ich jemals gesehen habe.“ Peifer ist Vorstandsvorsitzender des Tierschutzvereins Aninova (vormals Deutsches Tierschutzbüro) in Sankt Augustin bei Bonn.
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Hürth: Tierschutzverein Aninova deckt Fälle von Tierquälerei auf
Er und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter haben vor mehr als zweieinhalb Jahren einen der mutmaßlich schwersten Fälle von Tierquälerei aufgedeckt, die es im Rhein-Erft-Kreis jemals gegeben hat. Das den Tierschützern zugespielte Videomaterial aus dem Schlachthof in Hürth-Fischenich hat bundesweit für Aufsehen gesorgt, unter anderem berichtete die ARD über die massiven Verstöße gegen das Tierschutzgesetz. Zuvor hatte das Kreisveterinäramt den Betrieb geschlossen und dem Betreiber und seinen Mitarbeitern den Sachkundenachweis entzogen.
Bald drei Jahre nach Bekanntwerden des Skandals müssen sich ab Ende Oktober vier Männer vor dem Amtsgericht Köln verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihnen in 37 dokumentierten Fällen massive Verstöße gegen das Tierschutzgesetz vor. Ursprünglich hatte die Staatsanwaltschaft den aus Belgien stammenden Schlachthof-Betreiber und vier seiner Mitarbeiter angeklagt. „Gegen den Betreiber wurde die Eröffnung des Hauptverfahrens mangels hinreichenden Tatverdachts abgelehnt“, teilte ein Amtsgerichtssprecher mit. Die Staatsanwaltschaft hatte im September 2024 ihre Ermittlungen abgeschlossen, erst jetzt hat das Amtsgericht die Anklage zugelassen.
Aus Sicht von Aninova ist es schwer nachvollziehbar, dass ausgerechnet dem mutmaßlich Hauptverantwortlichen keine juristischen Konsequenzen drohen sollen. Ihm hatte die Staatsanwaltschaft vorgeworfen, dass er in 74 Fällen Schafe ohne die rechtlich vorgeschriebene Fleisch- und Tierbeschau schlachten ließ und verkauft hat. Vier Mitarbeitern hatte sie massive Verstöße gegen das Tierschutzgesetz und Tierquälerei zur Last gelegt.

Die Tierschutzorganisation Aninova aus Sankt Augustin deckt Fälle von Tierquälerei und Missstände in Betrieben deutschlandweit auf. Jan Peifer ist ihr Vorstandsvorsitzender.
Copyright: Aninova
Darunter fällt das Schlachten ohne jegliche Betäubung – Schächten ist in Deutschland verboten. Die Tiere haben dadurch unvorstellbare Qualen erlitten. Den Mitarbeitern des Schlachthof-Betreibers droht bei einer Verurteilung Geld- oder Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren.
Ich erwarte ein klares Signal: Tierquälerei darf nicht ohne Konsequenzen bleiben
Davon unabhängig erwartet Peifer „vom Prozess vor dem Amtsgericht Köln ein klares Signal: Tierquälerei darf nicht ohne Konsequenzen bleiben. Solche Fälle zeigen erneut, warum wir uns für eine vegane Lebensweise einsetzen – nur so können Tiere wirklich geschützt werden.“
Illegales Schächten in Hürth soll Millionenumsatz gebracht haben
Nach Peifers Recherchen machte der Betreiber aus der Eifel ein lukratives Geschäft: Aus dessen Umfeld habe er erfahren, dass dieser pro Jahr zwischen 1,5 und zwei Millionen Euro Umsatz mit dem Schlachthof gemacht haben soll. Peifer: „Wenn das stimmt, dann ist das sehr beachtlich und aus meiner Sicht nur damit zu erklären, dass er kranke und verletzte Tiere preiswert aufgekauft, dann im eigenen Schlachthof geschlachtet und das Fleisch teuer verkauft hat“, sagte Peifer 2023 nach Bekanntwerden des Skandals.

Auf diesem ehemaligen Schlachthof in Hürth wurden Tiere gequält.
Copyright: Aninova
Die Vorfälle in Hürth hatten auch die Politik beschäftigt. Ein halbes Jahr nach der Aufdeckung der Tierquälerei hatte diese Redaktion über Funde von Tierkadavern im Umfeld berichtet. Dies rief die SPD-Kreistagsfraktion auf den Plan. Die Kadaverfunde seien beunruhigend und zeigten, dass es offensichtlich immer noch unreglementierte Schlachtungen im Kreis gebe, sagte Fraktionschef Dierk Timm: „Die aktuellen Kadaverfunde zeigen auch, dass solche Schlachtungen alleine mit behördlicher Überwachung nicht verhindert werden können. Ohne Hinweise aus einer aufmerksamen Bevölkerung geht es nicht.“
Es ist mitunter ein mühsames Unterfangen für die Tierschützer. Schon 2021 habe es Hinweise auf den Hürther Schlachthof gegeben, sagte Peifer. Im Zuge der Stilllegung eines anderen Schlachthofs in Brühl – dort waren Tiere illegal geschächtet worden – hatten sich Bürger ans Tierschutzbüro und die Kreisverwaltung in Bergheim gewandt, und das gleich dutzendfach.
Der Hauptverhandlungstermin findet am 24. Oktober um 10.30 Uhr im Amtsgericht Köln, Luxemburger Straße 101, statt.