Sprachkurs in Pulheim-StommelnUkrainerinnen lernen gemeinsam Deutsch

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Gemeinsam lernen die Ukrainerinnen die die fremde Sprache.

Pulheim-Stommeln – Wo ist der Schlüssel? Wo finde ich eine Jeans? Und wie viel kostet ein Eis? Oksana, Marina und die anderen Geflüchteten aus der Ukraine haben viele Fragen. Seit Mai sind sie nun in Deutschland. In einem Land, in das sie vor dem Krieg in ihrer Heimat geflüchtet sind und von dem sie früher nicht allzu viel wussten.

Beate Wallraff, Vorsitzende der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Stommeln, hatte sich nach Ausbruch des Krieges Ende Februar an die Ehrenamtskoordinatorin der Stadt Pulheim, Katrin Ulbricht, gewandt. Ihre Idee, in den Räumen der Awo Deutschkurse für Geflüchtete anzubieten, kam gut an. Schnell fanden sich Ehrenamtlerinnen, die Unterricht erteilen wollten, Katrin Ulbricht brachte sie mit Beate Wallraff für das gemeinsame Projekt zusammen.

Hohe Motivation spürbar

Seit Mai gibt es bei der Awo nun wöchentlich eine Deutschstunde, die für die Ukrainer mittlerweile viel mehr als ein Sprachkurs geworden ist. Hier treffen sie einander, tauschen sich aus, lachen, teilen ihren Kummer und lernen gemeinsam viel über das Leben in Deutschland. „Auch Freundschaften sind hier schon entstanden“, erzählt Vera und lächelt Marina, die im Kurs neben ihr sitzt, an. Die Motivation ist groß, das spürt man deutlich. Als Vera in einem improvisierten Verkaufsgespräch fast akzentfrei sagt: „Guten Tag, haben Sie ein Sonderangebot?“, klatschen alle begeistert. Beate Wallraff bestätigt: „Manche fragen auch am Ende des Unterrichts: Kann ich nicht mehr Hausaufgaben machen?“

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Oksana (links) und Marina macht das Lernen Spaß.

Akkusativ- und Dativsätze zu lernen ist das eine, die Ukrainerinnen wollen sich, so gut es geht, hier integrieren. Aber sie alle hoffen auf ein baldiges Ende des Krieges und darauf, ihre Angehörigen in der Heimat wieder in die Arme schließen zu können.

„Ich bin mit meiner Tochter Victoria seit fünf Monaten in Stommeln“, sagt Oksana (43). „Mein Ehemann, mein Bruder und alle anderen Angehörigen sind in der Ukraine geblieben. Ich hoffe jeden Tag, aber ich habe große Angst um sie.“ Die 35-jährige Marina aus der Westukraine ist ganz allein hier, sie wohnt in Stommeln bei einer Gastfamilie. Ihre Tochter sei nach Polen geflüchtet, sagt sie. „Ich mache das Beste aus der Situation, aber ich mache mir auch große Sorgen.“ Dann lächelt sie. Die Zuversicht will sie nicht verlieren.

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Alle Kursteilnehmer können sich mittlerweile ganz gut auf Deutsch verständigen. „Gelegentlich gehen wir auch gemeinsam in die Bücherei, ins Eiscafé oder in ein Geschäft“, erzählt Beate Wallraff.

Zur Zeit leben rund 4000  Geflüchtete aus der Ukraine im Rhein-Erft-Kreis, die Entwicklung ist dynamisch. Viele gehen trotz des Krieges wieder zurück in die Heimat. „Für Ukrainer, die hier bleiben, werden verpflichtende Integrationskurse über die VHS angeboten“, erklärt Katrin Ulbricht. „Die ehrenamtlichen Deutschkurse, wie hier bei der Awo, sind bis dahin eine wertvolle Überbrückung. Ehrenamtler, die uns dabei unterstützen wollen, sind herzlich willkommen.“ Nach eineinhalb Stunden ist der Deutschkurs beendet. „Das war sehr schön“, ruft Oksana lachend in die Runde. „Bis nächste Woche.“

Der Einsteiger-Deutschkurs für Geflüchtete aus der Ukraine findet dienstags, 10 bis 11.30 Uhr, im Awo-Treff Stommeln, Hauptstraße 59, statt. Anmeldung bei Katrin Ulbricht, 02238/808415, oder per Mail.

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