Nach 25 Jahren schließt „Lebens-Art“ in Windeck-Schladern. Die ehemaligen Betreiber sagen Danke – und im alten Haus beginnt ein neues Kapitel.
Das Haus bleibt ein Ort der BegegnungNach 25 Jahren: Aus für „Lebens-Art“ in Windeck

Martina Semmler und Frank Schrötter haben das Geschäft 2001 eröffnet.
Copyright: Sylvia Schmidt
Wohlwollend gemeinte Unkenrufe aus dem privaten Umfeld bildeten vor 25 Jahren die „Begleitmusik“ als Martina Semmler und Frank Schrötter sich entschlossen, ohne Vorkenntnisse etwas Schönes zu erschaffen. Für ihr Vorhaben kauften sie die ehemalige Bäckerei Lenz an der Waldbröler Straße 9 in Windeck-Schladern. Sie wollten im Dorf etwas fürs Dorf tun. Im Juni 2001 eröffneten sie ihr Geschäft „Lebens-Art“, gefüllt mit schönen Dingen. Hier sollte Jung und Alt etwas für sich finden. „Vom ersten Tag bis heute sind die Kunden gekommen und uns treu geblieben,“ bedanken sich nun Martina Semmler und Corinna Latz, die 2016 als Geschäftspartnerin eingestiegen ist. Am Sonntag, 27. September endet das Kapitel „Lebens-Art“.
Käufer wollen die Seele des Hauses erhalten
„Seit Wilhelm Lenz das Haus im Jahr 1889 gebaut hatte, war die Bäckerei immer ein Haus der Begegnung. Die alte Bronzebrezel hängt noch an der Türe zum Laden“. Martina Semmler ist besonders froh, dass sie mit Daniela Schulze und ihrem Mann Jörg Riederer Käufer gefunden hat, deren Pläne dem Haus zwar eine neue Bestimmung geben, aber es wird ein Ort für Begegnung bleiben.

In der ehemaligen Bäckerei mit dem Geschäft Lebens-Art wird nach Umbauarbeiten im kommenden Jahr neues Leben einziehen.
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Vor einem Vierteljahrhundert lag das Geschäftsleben im Ort fast vollständig am Boden. „Wir setzen einen Brunnen in die Wüste“, vertraute Frank Schrötter indes auf die gemeinsamen Fähigkeiten. Er war Zimmermann von Beruf, Martina Semmler Sozialpädagogin. „Ich habe nie vorher einen Mann mit so viel Sinn für Schönheit getroffen, wir haben uns unglaublich gut ergänzt“, erzählt sie. „Frank konnte groß denken und mit seinen Handwerkerhänden viel filigraner arbeiten als ich.“
Lebens-Art zog zahlreiche Stammkunden auch von weit her an
Sie verkaufen alte aufgearbeitete Möbel, Geschirr, Dekorationen, Kleidung, Schmuck, Weine und mehr. Vor dem Geschäft erblüht bald wöchentlich ein neues Blumen- und Pflanzenmeer als üppiger Hingucker. Aus diesem Grund darf sonntags für einige Stunden geöffnet werden. Die Kunden spüren die Liebe und das Herzblut und kommen bald auch von weit her. Lebens-Art entwickelt sich im Nu zum Magnet. Schrötter baut einige Jahre später einen Pavillon im Stil der 50er Jahre an.
Dort zieht Eis Thomas ein, auch hier ist die gemütliche Terrasse immer gut besucht. In der Zwischenzeit heiraten Schrötter und Semmler und bauen ein zweites Unternehmen auf. Sie kaufen einen Zirkuswagen und nach und nach Häuser, die sie zu Schmuckstücken sanieren und als Ferienhäuser vermieten. Die Arbeit wird so umfangreich, dass Schrötter sich 2016 aus dem Geschäft herauszieht und sich auf die Häuser konzentriert.

Am Sonntag, 27. September ab 14 Uhr, verabschieden sich Martina Semmler (Mitte) und Corinna Latz (r.) mit Kuchen und Sekt. Danach wird die neue Eigentümerin Daniela Schulze (l.) das Haus zu einem neuen Ort der Begegnung umbauen.
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Corinna Latz gehört zum Team und sie und Martina Semmler harmonieren wunderbar. Sie steigt als Teilhaberin ein. Freundlichkeit, Herzenswärme, eine gute Auswahl passender Mitarbeiter und grenzenloses Vertrauen in die Ehrlichkeit der Kundschaft, die sich im verträumten Ambiente unbewacht bewegen darf, sind die Zutaten für einen blühenden Ort im Ort. Lebens-Art wird in Erinnerung bleiben. An Weihnachten war es nirgends schöner geschmückt als bei Martina und Corinna.
Es ist ein unglaubliches Glück, das zu machen, was man machen möchte und jeden Tag gerne zur Arbeit zu gehen
Vor vier Jahren ist Frank Schrötter nach langer, schwerer Erkrankung verstorben. „Ich bin jetzt 65 Jahre alt und möchte kürzertreten und mich auf die Ferienhäuser konzentrieren“, so Martina Semmler. Mit ihrer Geschäftspartnerin hat sie sich beraten, beide kamen zum Entschluss das Geschäft mit dem Verkauf des Hauses nicht weiterzuführen. „Es ist ein unglaubliches Glück, das zu machen, was man machen möchte und jeden Tag gerne zur Arbeit zu gehen“, bedanken sie sich bei ihrem treuen Team und den Kunden. Corinna Latz hat bereits eine neue Stelle angetreten.
In die alte Bäckerei soll eine psychotherapeutische Praxis
Die neue Eigentümerin, die Psychotherapeutin Daniela Schulze, hat in der Kaiserstraße in Waldbröl ihre Praxis. Seit Jahren sucht sie nach neuen Wegen, die ihr und ihren Klienten mehr Entwicklungsraum bieten als das Krankenkassenwesen es zulässt. „Was die Kasse übernimmt, entfernt sich immer weiter von der mentalen Gesundheit. Mein Ziel ist es, Menschen soweit zu begleiten, dass sie selbst ihre Konflikte lösen können. Ich werde eine zweite Praxis in der alten Bäckerei eröffnen“, stellt sie ihre vorläufigen Pläne vor.

Die Psychotherapeutin Daniela Schulze und ihr Mann Dr. Jörg Riederer sind die neuen Eigentümer der ehemaligen Bäckerei Lenz.
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Das Haus hat auf drei Etagen 270 Quadratmeter Wohnfläche, eine große Terrasse, einen wunderschönen Garten und ist gut an die Bahn angebunden. Die einstige Backstube im hinteren Teil des Hauses soll ein großer Gruppenraum werden, wo sie selbst und auch andere Seminare und Workshops anbieten können. Mit ihrem Mann Jörg Riederer, der eine Hausarztpraxis in Waldbröl hat, arbeitet sie derzeit noch an der passenden Nutzung der weiteren Räume und findet: „Das Leben an sich ist schon eine Hausnummer, deshalb liegt mir an einem niedrigschwelligen Angebot. Nach Lebens-Art, möchte ich in den Mittelpunkt stellen: Was ist Lebens-Wert?“