Nach KarnevalVolle Praxen, Kinder auf der Intensivstation – So trifft die Krankheitswelle Rhein-Sieg

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Medikamente und ein Fieberthermometer liegen auf einem Nachttisch.

Viele junge Menschen frequentieren nach den Karnevalstagen die Arztpraxen in der Region.

Nach Karneval gab es in dieser Woche einen regelrechten Ansturm auf die Arztpraxen. Auch in der Kinderklinik ist die Krankheitswelle deutlich spürbar.

Wenn plötzlich die Nase läuft, die Glieder schmerzen und Fieber ausbricht, dann grüßt noch einmal der Karneval von seiner etwas weniger jecken Seite. „Die Arztpraxen sind in dieser Woche übergequollen“, sagt Dr. Jacqueline Hiepler, Vorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Rhein-Sieg-Kreis. Viele junge Menschen frequentierten derzeit die Arztpraxen. „Das ist ganz natürlich, die Leute wollen wieder feiern gehen“, sagt die Hennefer Ärztin.

In ihrer Praxis habe sie es mit einem „Potpourri der Infektionskrankheiten“ zu tun. Durch den Feiertag an Rosenmontag habe sich die Situation zugespitzt, der Ansturm habe tagelang kein Ende gefunden. Dabei meinte es das milde Wetter gut mit den Jecken. „Wir hatten großes Glück, dass es nicht noch nässer und kälter war, sonst wäre es sicher noch schlimmer geworden“, schätzt Hiepler. Viele Patienten riefen zwar mittlerweile für eine Krankschreibung an oder nutzten die Videosprechstunde. Sobald es aber um die Frage gehe, ob ein Antibiotikum nötig sei, sei ein Besuch in der Praxis unumgänglich.

In der Asklepios-Klinik Sankt Augustin liegen Kinder mit Influenza auf der Intensivstation

Um sich selbst zu schützen, trügen ihre Kolleginnen am Empfang wieder eine Maske. „Ich mache das ganz von der Situation abhängig, trage die Maske aber auch regelmäßig“, sagt die KV-Vorsitzende. Gerade die jungen Menschen, das ist Hiepler wichtig, müssten lernen, die Viren auszuhalten. „Das tut uns auch gut, wenn sich das Immunsystem verteidigen kann.“

Auch in der Asklepios-Kinderklinik in Sankt Augustin macht sich eine Grippewelle bemerkbar. „Wir haben sogar Fälle auf der Intensivstation“, berichtet Dr. Tobias Hannes, Leiter der Notfallversorgung. Kinder im Alter von wenigen Monaten bis hin zu Jugendlichen seien betroffen.

Im Vergleich mit dem vorigen Jahr könne ein Anstieg beobachtet werden. Auf der Intensivstation müssten die jungen Grippe-Patienten zum Teil künstlich beatmet werden. Es gebe auch eitrige Entzündungen im Umfeld der Lunge. Diese müssten durch eine Drainage abgeleitet werden. Todesfälle habe es jedoch nicht gegeben. „Trotz der stärkeren Belegung auf der Intensivstation können alle geplanten Operationen ausgeführt werden“, betont Hannes. Die Bettenkapazität reiche noch.   Ähnlich sieht es jenseits der Kreisgrenze beim Klinikum Oberberg aus. Am Standort Gummersbach werden derzeit etliche Influenza-Fälle behandelt, einige davon auf der Intensivstation. Laut Sprecherin Angela Altz sind die Betroffenen zumeist älter, „sie haben Vorerkrankungen oder ein geschwächtes Immunsystem“.

Krankheitswelle im Rhein-Sieg-Kreis: Situation in den Apotheken ist noch ruhig

In den Apotheken ist die Situation derzeit noch verhältnismäßig ruhig. „Es hat Jahre gegeben, da war es außergewöhnlich nach den Karnevalstagen – so ist es momentan nicht“, sagt Ulrike Jüngel-Sandner, Inhaberin der Augustinus-Apotheke und Sprecherin der Apotheken im rechtsrheinischen Rhein-Sieg-Kreis. Nach den Karnevalstagen sei ein gewisser Schub üblich. „So ist es gerade auch, viele sind erkältet, einige kommen mit Influenza, andere haben sich mit Corona infiziert.“

Ähnlich sieht es in der Rathausapotheke im Huma-Einkaufszentrum aus. „Immer wieder kommen Leute zu uns, die sich während der Karnevalstage angesteckt haben – wir können damit aber noch gut umgehen“, sagt Inhaber Florian Wehrenpfennig.

Dass gerade mehr los ist, ist auch nach ihrer Erfahrung im Anschluss an die Karnevalstage recht normal. Vielleicht sei es aber auch noch etwas früh – „mal sehen, was in der nächsten Woche los ist“.

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