Serie „Muss das so sein?“Was für unsere Sicherheit auf der Straße getan wird
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Rund um Hauptbahnhof und Dom sind seit 2017 Videokameras in Betrieb. Die Polizei kann dadurch unmittelbar reagieren.
Copyright: Benjamin Horn
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In dieser Serie haken wir nach: Was ist das Problem und wie könnte es gelöst werden?
In der heutigen Folge geht es um verstärkte Polizeipräsenz und Videoüberwachung.
Was diese und weitere Maßnahmen wo bewirken, lesen Sie hier.
Köln/Bonn – Mehr Polizeipräsenz auf Straßen und Plätzen wünschte sich Jennifer Chmielewski aus Bonn vor einem halben Jahr wohl stellvertretend für viele Menschen im Raum Köln/Bonn. Sechs Monate nach unserer Thema-Seite zur Sicherheit in der Region haben wir die junge Frau noch einmal befragt und auch bei den Behörden nachgehakt, insbesondere zu den Erfahrungen und dem möglichen Ausbau der Videoüberwachung.
Die 23-Jährige beschleicht auch heute noch ein mulmiges Gefühl, wenn sie in Bonn unterwegs ist – zumindest an manchen Orten und zu gewissen Uhrzeiten. Ein solcher Bereich sei das Areal rund um den Hofgarten an der Universität Bonn. Daran könne auch die gesteigerte Polizeipräsenz nichts ändern. Gerade in den späten Abendstunden könne sie das Unsicherheitsgefühl nicht ausblenden, sagt die junge Frau. Dass sich mehr Polizisten im und am Hofgarten aufhalten, ist nicht nur ein subjektives Gefühl, sagt Robert Scholten. Der Pressesprecher der Bonner Polizei bestätigt auf Nachfrage der Rundschau, dass der Hofgarten seit 2018 verstärkt in den Fokus der Beamten gerückt sei.
Anlass waren viele, auch gewalttätige Zwischenfälle und Drogenkriminalität rund um die Uni-Wiese. Seit Monaten gibt es bei der Bonner Polizei die Ermittlungsgruppe „Hofgarten“, die intervenierend und präventiv agiere. Zudem gebe es bereits seit 1992 die „Gemeinsame Anlaufstelle von Polizei und Ordnungsamt in der Bonner Innenstadt“, kurz GABI. Die erhöhte Präsenz mache sich auch in der Statistik bemerkbar, so Scholten: „Die erfassten Rauschgiftdelikte haben sich von 86 auf 165 innerhalb eines Jahres fast verdoppelt.“
Eine Videobeobachtung des Geländes ist laut Scholten aus mehreren Gründen schwierig umsetzbar. „Das Areal ist sehr weitläufig und die vielen Bäume machen es unmöglich jeden Fleck zu beobachten“, sagt er. Zudem sei das auch eine Frage des Personals. „Hinzu kommt, dass die Kameras nicht so installiert sein sollten, dass sie sofort wahrzunehmen sind“, sagt der Pressesprecher.
Überwachungskameras am Vorplatz des Kölner Hauptbahnhof
Copyright: Benjamin Horn
Weil die Videobeobachtung aktuell kein Thema ist, nutzt die Stadt andere Möglichkeiten, das Sicherheitsgefühl im Hofgarten zu erhöhen. In den vergangenen Monaten wurde das Beleuchtungskonzept überarbeitet und Sitzgelegenheiten näher an die Lampen montiert. „Außerdem soll es bald neue Mülleimer geben. Die sind oft ein Depot für Drogenhändler. Die neuen Mülleimer sollen dafür nicht mehr so leicht nutzbar sein“, erklärt Scholten.
In Köln schon länger im Einsatz
Während in Bonn die Videoüberwachung noch kein Thema ist, wird sie in Köln bereits seit längerer Zeit umgesetzt. Seit Mitte März 2017 laufen rund um Hauptbahnhof, Dom und die Partymeile an den Ringen 44 Kameras rund um die Uhr. „Es wird nicht nur aufgezeichnet, sondern die Beamten können sofort reagieren, wenn etwas passiert“, erklärt Polizeisprecher Georg Jung. 2017 seien auf 85 Aufnahmen Straftaten erkennbar gewesen. Seit zwei Jahren gibt es in Köln zudem das Präsenzkonzept. Auch das habe sich bewährt. „Wir wollten wieder mehr Polizisten auf die Straße bekommen, das ist uns gelungen“, sagt der Polizeisprecher.
Der Rückgang der Straftaten im vergangenen Jahr um 6,2 Prozent auf 136 858 Fälle (niedrigster Wert seit 2010) sei auch auf das Konzept zurückzuführen. Daher bestehe überhaupt kein Anlass, etwas an dieser Taktik zu ändern. Die geplante Ausweitung der Videoüberwachung auf den Ebertplatz, Neumarkt, Breslauer Platz und Wiener Platz hängt weiter in der Schwebe. Grund ist eine im Juli 2018 beim Verwaltungsgericht Köln eingereichte Klage gegen die komplette Videoüberwachung in Köln. Allerdings ist bis heute kein Termin für die Verhandlung anberaumt.