Köln – Der Sturm der Entrüstung ist ausgeblieben. Mitglieder und Dauerkarteninhaber des 1. FC Köln haben mit großem Verständnis auf die Entscheidung ihres Vereins reagiert, dass ab dem zweiten Heimspiel in der neuen Bundesliga-Saison nur noch geimpfte und genesene Anhänger Zutritt zum Rhein-Energie-Stadion erhalten.
Als Reaktion auf den am Freitag bekannt gewordenen Beschluss zur baldigen Umstellung auf die 2G-Regel kündigten bislang lediglich 71 der insgesamt 113.000 Mitglieder ihren Austritt aus dem FC an. Spruchreif ist ihr Abschied allerdings noch nicht. Bei den 25.500 Inhabern eines Jahrestickets war dem Verein am Dienstag noch kein einziger Rückzieher bekannt. Das erklärte Alexander Wehrle im Gespräch mit der Rundschau.
In der Bundesliga keine Einigkeit über Stadionbesuche
„Das Feedback, das wir bekommen, ist überwiegend positiv – insbesondere aus dem Bereich der Fanclubs und der aktiven Fanszene“, stellte der FC-Geschäftsführer zufrieden fest. Um die Zahlen in ein Verhältnis zu setzen, verriet Wehrle, was im Postfach der Geißböcke los ist, wenn es sportlich wieder einmal brennt: „Wenn wir einen Trainer entlassen, verzeichnen wir zwischen 250 und 500 Austritte von Mitgliedern. Es bewegt sich derzeit also alles im Rahmen. Dennoch treten wir mit jedem, der sich beschwert, nochmal persönlich in den Dialog.“
Es gibt aber auch andere Stimmen. Wie in der Politik herrscht innerhalb der Bundesliga keine komplette Einigkeit. So hat sich die TSG Hoffenheim gegen die Einführung der 2G-Regel positioniert (siehe unten stehender Bericht). „Jeder bewertet sein Hausrecht anders. Das gilt es zu akzeptieren“, sagte Wehrle. Der FC-Geschäftsführer, der zugleich Präsidiumsmitglied der Deutschen Fußball Liga (DFL) ist, hofft jedoch auf einen gemeinsamen Konsens: „Grundsätzlich ist es immer gut, wenn alle an einem Strang ziehen.“
Impfstation beim Saisonauftakt gegen Herta BSC Berlin
Die AfD-Fraktion Nordrhein-Westfalen goss derweil zusätzliches Öl in die nicht nur unter Fußballfans hitzig geführte Diskussion. „Bei der Spaltung der Gesellschaft marschiert der 1. FC Köln in allervorderster Reihe“, kritisierte die Partei auf ihren Sozialen Kanälen. Dazu veröffentlichte sie ein Foto leerer Schalensitze, versehen mit dem Kommentar: „1. FC Köln verhängt Stadionverbot für Ungeimpfte! Heute treuer Fan <–> morgen Aussätziger!“ Am Geißbockheim nahm man den Angriff lediglich „zur Kenntnis. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen“, erklärte Wehrle.
Die Konzentration des 46-Jährigen gilt vielmehr dem Kampf gegen die einsetzende Impfmüdigkeit. Zum Saisonauftakt am Sonntag (17.30 Uhr) gegen Hertha BSC Berlin wird auf der Jahnwiese und der Stadionvorwiese jeweils eine Impfstation aufgebaut. Überraschungsboxen, in denen FC-Sponsoren mit Merchandising-Produkten locken, sollen einen zusätzlichen Impfanreiz schaffen. Obgleich Wehrle betont: „Eigentlich wäre es schöner, wenn sich Menschen aus Überzeugung impfen lassen.“
FC plant gegen Hertha BSC mit 16.500 Zuschauern
Der FC-Geschäftsführer hatte kürzlich noch einmal unterstrichen, wie wichtig eine hohe Impfquote auch für den Profisport sei. „Impfen ist aus unserer Sicht der entscheidende Faktor auf dem Weg zurück zu einer veränderten Normalität mit Corona. Wir benötigen Lösungen für unsere Gesellschaft, denn wir befürchten, dass der komplette professionelle Sport in Deutschland ohne eine signifikante Impfquote große Schwierigkeiten bekommen würde.“
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Der FC plant gegen Hertha BSC mit 16.500 Zuschauern. Verteilt werden die Tickets unter Dauerkarteninhabern. Zum Auftakt stellt der FC noch 1.000 Karten an Fans mit fehlendem Impfschutz bereit. Sie müssen einen negativen Testnachweis erbringen. Ab dem zweiten Heimspiel am 28. August gegen den VfL Bochum gelten mit der Umstellung auf die 2G-Regel schärfere Maßnahmen. Wie viele Zuschauer dann erlaubt sein werden, steht fest, wenn die neue Corona-Verordnung bekanntgegeben wird. Die aktuelle Version gilt bis zum 19. August.


