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0:2-DerbyniederlageDer nächste Hoffnungsträger für den 1. FC Köln

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Gefahr vor dem Leverkusener Tor:  Sargis Adamyan (rechts) zieht per Seitfallzieher gegen Josip Stanisic ab.

Gefahr vor dem Leverkusener Tor:  Sargis Adamyan (r.) zieht per Seitfallzieher gegen Josip Stanisic ab. 

Der 1. FC Köln bleibt nach dem 0:2 gegen Leverkusen auf dem Relegationsplatz und hat acht Punkte Rückstand auf Rang 15. Es gibt aber einen neuen Hoffnungsträger.

Sargis Adamyan ließ die Szene noch einmal vor seinem geistigen Auge ablaufen. Der von Faride Alidou eingesetzte Rasmus Carstensen hatte in der 51. Minute des Derbys zwischen dem 1. FC Köln und Bayer 04 Leverkusen mit seiner Flanke von rechts den FC-Angreifer gefunden. „Der Ball kommt super, ich wollte ihn gegen die Laufrichtung des Torhüters schießen. Leider geht er dann gegen den Innenpfosten und raus“, beschrieb der 30-Jährige seinen spektakulären Seitfallzieher.

Es wäre der 1:1-Ausgleich für die abstiegsbedrohten Kölner gewesen — und zwar in Unterzahl gegen den souveränen Tabellenführer.“ Wir können das 1:1 durch Sargis Adamyan machen, dann hätte ich hier im Stadion gerne die Restspielzeit gesehen. Das wären schöne 30 Minuten geworden“, trauerte auch FC-Trainer Timo Schultz dem fehlenden Spielglück hinterher. Nicht zum ersten Mal in der Zeit, in der der 46-Jährige die sportlichen Geschicke bei den Geißböcken leitet.

Kein Elfmeter für Adamyan

Zu diesem Thema passte auch die zweite Szene, an der Adamyan direkt beteiligt war (44.). Der Armenier wollte eine Alidou-Flanke auf das Leverkusener Tor köpfen, als ihm Alejandro Grimaldo von hinten in den Rücken sprang. „Die Aktion war überhaupt nicht auf den Ball gerichtet“, fand FC-Innenverteidiger Timo Hübers. „Ich bin mitten in der Aktion und ich habe schon etwas gespürt“, berichtete Adamyan.

Stieler habe ihm aber mitgeteilt, dass es für einen Elfmeter nicht ausreichen würde und auch Video-Assistent Günter Perl sah von einer Intervention ab. Timo Schultz hätte natürlich nichts dagegen gehabt, einen Elfmeter zu bekommen, zumal den Kölnern auch in den Partien in Wolfsburg (1:1) und gegen Bremen (0:1) Strafstöße verweigert worden waren.

Der Ball guckt vorher nicht auf die Tabellensituation.
Timo Hübers, Innenverteidiger 1. FC Köln

„Das Glück muss man sich erarbeiten, aber wir arbeiten eine Menge“, wünschte sich der Kölner Trainer eine Belohnung. Dem FC wird wohl nichts viel anderes übrig bleiben, als hart und fleißig weiterzuarbeiten. Das merkte auch Timo Hübers an: „Der Ball guckt vorher nicht auf die Tabellensituation“, wollte der 27-Jährige jedenfalls nichts von höheren Mächten wissen.

Sargis Adamyan hätte also an diesem Sonntagnachmittag der nächste Kölner Derbyheld werden können. Die Tatsache an sich kommt schon überraschend, denn es war der erste Startelfeinsatz des unter Schultz-Vorgänger Steffen Baumgart in Ungnade gefallenen Angreifers, der im Sommer 2022 als Königstransfer von der TSG 1899 Hoffenheim gekommen war. Kam er in seinem ersten Kölner Jahr noch auf 24 Einsätze in der Bundesliga (viermal Startelf, ein Tor, drei Assists) steht er in der Saison 2023/24 bei elf Spielen. Das Derby war seine erste Partie von Beginn an.

„Sargis hatte einen holprigen Start, seitdem ich hier bin. Er war verletzt und hat dann langsam reingefunden“, sagte Schultz. Schon beim 1:1 in Stuttgart habe Adamyan als Joker gute Aktionen gehabt und diese im Training weiter bestätigt. Der FC-Trainer sieht in seinem Offensivspieler einen Ankerstürmer mit Torriecher. Also genau das, was die Kölner angesichts ihrer erst 16 Saisontore in 24 Spielen benötigen.

Florian Kainz ist im Derby außen vor

Adamyan ist nach Faride Alidou der zweite Angreifer, den Schultz aus der Versenkung gehoben hat und wird damit vor den letzten zehn Spielen der Saison zum nächsten Hoffnungsträger im Kampf um den Klassenerhalt. „Fußball ist schnelllebig. Da muss man von Woche zu Woche schauen“, sagte Adamyan und fand, dass er seine Sache angesichts der langen Startelf-Pause „vernünftig“ gemacht habe.

Auch aufgrund der Sperre von Jan Thielmann dürfte Adamyan für das Derby in Mönchengladbach als Stürmer gesetzt sein. Im Gegensatz zu Florian Kainz. Der FC-Kapitän saß gegen Bayer 04 nur auf der Bank und wurde nach Thielmanns Platzverweis auch nicht mehr eingewechselt. „Ich bin mit ihm die ganze Woche über in der Kommunikation. Es gab auch schon vor Stuttgart Gedankenspiele, dass wir noch mehr auf Tempo setzen, wenn wir eher abwartend agieren. Dass er hintenraus nicht mehr auf den Platz kam, war eigentlich anders geplant“, erklärte Timo Schultz seine „sportliche Entscheidung“ und stimmte eine Lobeshymne auf den Österreicher an: „Er wird trotzdem ein ganz entscheidender Spieler für uns bleiben und ist mein verlängerter Arm auf dem Platz. Er kann für uns ein Unterschiedsspieler sein.“

Genau wie Davie Selke, der trotz überstandener Fußverletzung nicht im Kölner Kader stand: „Er hat noch keine volle Trainingseinheit mitgemacht und war über sechs Wochen raus“, wollte Schultz kein Risiko eingehen. „Das war so mit ihm abgesprochen, dass er jetzt noch mal eine ganze Woche trainieren kann und dann gegen Gladbach mehr als nur eine Alternative für uns ist.“ Der nächste Hoffnungsträger ist also im Anmarsch und auch nötig, denn der FC verpasste gegen den Bundesliga-Spitzenreiter aufgrund von Thielmanns Übereifer gegen Granit Xhaka und fehlendem Glück, erneut etwas Zählbares mitzunehmen.