Der 1. FC Köln hat sich beim 1:1 in Wolfsburg einen wichtigen Punkt im Abstiegskampf der Bundesliga erkämpft und auch durch die Leistung von Faride Alidou neue Hoffnung geschöpft.
1:1 in WolfsburgAlidous Leistung zeigt Weg für den 1. FC Köln auf

Befreiender Torjubel: Faride Alidou (2.v.r.) trifft zur Führung des 1. FC Köln und lässt sich von Dejan Ljubicic, Jeff Chabot und Denis Huseinbasic (r.) feiern.
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Faride Alidou wollte nicht sprechen. Nicht vor den TV-Kameras und auch nicht in der Mixed Zone bei den Medienvertretern aus dem heimischen Köln. Gut möglich, dass der 22-jährige Offensivspieler des 1. FC Köln sich in der öffentlichen Wahrnehmung bislang nicht gerecht behandelt gefühlt hat. Also sprach die Leihgabe von Eintracht Frankfurt in der VW-Arena nur mit den klubinternen Medien, obwohl es nach seinem ersten Bundesligator beim 1:1 (1:1) des FC gegen den VfL Wolfsburg sicher viele Fragen gegeben hätte. Fragen, die Alidou nicht nur hätte beantworten, sondern dabei auch einiges hätte klarstellen können.
Der Deutsch-Togolese spielt seit dieser Saison für die Geißböcke. Als Leihgabe aus Frankfurt, wo er für die Eintracht in seinem ersten Bundesliga-Jahr 15 Spiele bestritt und bei fünf Champions League-Einsätzen ein Tor erzielte. Seine Bundesliga-Tor-Premiere feierte der schnelle Flügelstürmer aber erst bei seinem zwölften Spiel für den FC — und auszugehen war davon eigentlich nicht. Zumindest von außen betrachtet.
Keine Entwicklung unter Baumgart
Alidou hatte vor dem Spiel in Wolfsburg bislang nur einmal beim 0:3 bei Bayer Leverkusen in der Kölner Startelf gestanden. Seine durchschnittliche Einsatzzeit beträgt 23 Minuten pro Spiel. Der gebürtige Hamburger und beim HSV ausgebildete Angreifer blieb dabei eigentlich immer den Beweis schuldig, dass er die erhoffte Verstärkung für die FC-Offensive sein kann. Unter „Bessermacher“ Steffen Baumgart gab es bei Alidou jedenfalls keine erkennbare Entwicklung.
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Seine Startelf-Nominierung in Wolfsburg kam nach seinen bisherigen Leistungen für viele überraschend. Der neue FC-Trainer Timo Schultz hat aber die intensivste Sicht auf seine Spieler und dabei einen anderen Eindruck von Alidou gewonnen. „Seit ich hier bin, trainiert Faride auffällig. Er hat sich den Einsatz verdient, er bringt ein gutes Paket mit und hat sich heute mit einem sehr schönen Tor für seinen Aufwand belohnt“, erklärte Schultz seine Entscheidung und freute sich, dass einer seiner Jungs, „die Leistung aus dem Training im Spiel bestätigen konnte“.
Alidou hatte in der 38. Minute der vorher 15 Minuten lang unterbrochenen Begegnung (siehe Bericht unten) auf der rechten Seite einen Freistoß herausgeholt und anschließend den Standard von Kapitän Florian Kainz nach einer unfreiwilligen Verlängerung von VfL-Verteidiger Joakim Maehle per Kopf aus neun Metern wunderbar zum Kölner 1:0 ins linke, obere Eck gesetzt. Insgesamt lieferte der Stürmer eine engagierte Leistung mit vielen Ballaktionen und guter Defensivarbeit ab.
Das ist nicht der Weg für Faride, sondern für alle, die im Moment vielleicht etwas hinten dran sind.
„Faride hat immer wieder Aktionen, bei denen er zielstrebig zum Tor kommt. Leider aber auch immer wieder welche, bei denen er sich verdribbelt oder zu viele Haken macht. Aber da arbeiten wir dran“, bewertete Schultz Alidous Leistung.
Ein Auftritt der Mut macht, dass im Kölner Kader doch mehr steckt, als allgemein angenommen wird. Alidou könnte eine Art Vorbild sein, dass am Geißbockheim neue Zeiten angebrochen sind. Timo Schultz glaubt jedenfalls fest daran und gab seine Einschätzung auch gerne zum Besten: „Das ist nicht nur der Weg für Faride, sondern für alle, die im Moment vielleicht ein bisschen hinten dran sind.“
Alidous erstes Bundesliga-Tor reichte allerdings nicht zum erhofften und gegen kriselnde Wolfsburger auch durchaus möglichen Sieg. Nur zwei Minuten nach der Führung fingen sich die Kölner durch Kevin Paredes den Ausgleich. „Wir haben in der Trainingswoche die Phase nach geschossenen Toren explizit angesprochen, dass das die gefährlichsten Minuten sind. Das hätten wir vielleicht lieber nicht gemacht“, scherzte Schultz etwas mit der sich selbst erfüllenden Prophezeiung: „Wir müssen nach einer Führung klarer sein. Beim Gegentor waren wir leider nicht wach genug.“
Rückstand auf Platz 15 wächst an
Das 1:1 bedeutete am Ende zwar nur einen Punkt, die Entwicklung des FC unter dem neuen Trainer macht aber Hoffnung. „In unserem Plan sind viele Dinge aufgegangen, fußballerisch war das sehr in Ordnung“, befand Florian Kainz. „Diese Leistung sollte Auftrieb geben und das nötige Selbstvertrauen“, sagte der Sportliche Leiter Thomas Kessler.
Auch Marvin Schwäbe, der den Punkt mit einer Glanztat gegen Paredes (89.) festhielt, glaubt an eine positive Entwicklung: „Mit jeder Woche, mit jedem Training kriegen wir die Idee des Trainers ein bisschen mehr und besser auf die Platte. Für unsere gute Leistung war der Punkt aber zu wenig.“
Die Tabelle nach dem 19. Spieltag gibt dem FC-Torwart recht. Die Geißböcke sind zwar an Mainz vorbei auf Relegationsplatz 16 gesprungen, der Abstand auf Union Berlin und Platz 15 ist bei einem Spiel mehr auf Kölner Seite allerdings am Sonntag auf fünf Zähler angewachsen. Es müssen Dreier her, am besten schon kommenden Samstag gegen Eintracht Frankfurt — und mehr Auftritte wie den von Faride Alidou in Wolfsburg.
