Der 1. FC Köln ist durch das 0:2 in Augsburg und die Punktgewinne der Konkurrenz im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga mächtig unter Druck geraten.
1. FC KölnDie Luft wird immer dünner

Sinnbild für die Enttäuschung im Lager des 1. FC Köln: Said El Mala, der angeschlagen nur 30 Minuten spielen konnte.
Copyright: IMAGO/Sven Simon
Tom Krauß überkam in der Enttäuschung eine Vorahnung: „Man sieht, dass die Teams unten auch mal gegen die Großen gewinnen können. Diese Mannschaften schlafen nicht“, sagte der Sechser des 1. FC Köln nach dem 0:2 (0:0) am Freitagabend beim FC Augsburg. Der erneut unnötigen und entsprechend schmerzhaften Niederlage gegen das Team der Stunde in der Fußball-Bundesliga folgte am Samstag der von Krauß angekündigte Gau für die Geißböcke. St. Pauli überraschte mit einem 1:0 in Hoffenheim, und der ohnehin aufstrebende 1. FSV Mainz 05 holte einen Punkt in Leverkusen.
Weil sich auch Werder Bremen mit dem 2:0 über den designierten Absteiger 1. FC Heidenheim seiner Negativserie von 13 sieglosen Spielen entledigte, und Borussia Mönchengladbach Union Berlin mit 1:0 bezang, steht der FC als großer Verlierer des 24. Spieltags da. Der Vorsprung auf Relegationsplatz 16 und Werder beträgt nur noch zwei Zähler und der erste Abstiegsplatz, den nun der VfL Wolfsburg (0:4 in Stuttgart) besetzt, ist auch nur noch vier Punkte entfernt. Im Geißbockheim klingeln die Alarmglocken.
Wir sind keine Menschen, die mit geschlossenen Augen durchs Leben laufen.
Und das nicht nur, weil die Konkurrenten im sich zuspitzenden Abstiegskampf punkten. Der FC hat aus seinen letzten 15 Spielen nur zwei Dreier geholt, wartet seit fünf Monaten auf einen Auswärtssieg und leistete sich in Augsburg eine seiner schwächsten Saisonleistungen, obwohl es nach dem 2:2 gegen Hoffenheim große Hoffnung auf einen Befreiungsschlag im Kölner Lager gegeben hatte.
Entsprechend bedient war Trainer Lukas Kwasniok, dessen ohnehin schon wacklige Position nun noch intensiver diskutiert werden wird. „Uns war vor der Saison klar, dass es nur um den Klassenerhalt geht. Die Situation ist herausfordernd. Wir sind keine Menschen, die mit geschlossenen Augen durchs Leben laufen, sondern wir haben sie offen und wissen, dass wir für 35 Punkte in der Zukunft Spiele gewinnen müssen“, sagte der FC-Coach und verkündete anschließend Durchhalteparolen: „Ich trage die Überzeugung in mir. Der FC Augsburg stand vor ein paar Wochen auch noch anders da und jetzt haben sie aus ihren letzten sechs Spielen fünf gewonnen. Zum damaligen Zeitpunkt hat niemand daran geglaubt, dass das passiert.“
Kwasniok hätte auch das Beispiel St. Pauli bemühen können, der drei seiner jüngsten vier Partien gewonnen hat. Dem FC ist es nicht gelungen, seinen beiden jüngsten Siegen gegen Mainz (2:1) und Wolfsburg (1:0) eine Serie folgen zu lassen. „Es ist die Kunst, weiterzumachen, wenn es dir mal nicht so gut geht, daran zu glauben, die Mannschaft mitzunehmen und weiterzuarbeiten, zu analysieren, nach innen konsequent miteinander zu sprechen und nach außen mit Leistung zu überzeugen“, erläuterte der FC-Trainer, während ihm Sportdirektor Thomas Kessler mit versteinerter Miene und verschränkten Armen lauschte.
FC hat in Augsburg 54 Prozent Ballbesitz
Die Leistung in Augsburg war alles andere als überzeugend. Kwasniok hatte auf ein 0:0 geschielt, sich für die Sicherheitsvariante entschieden und auf einen Einsatz von Youngster Cenny Neumann hinten rechts verzichtet. Allzweckwaffe Jakub Kaminski musste aushelfen, gab sein Bestes, war aber einmal mehr verschenkt und fehlte in der Offensivabteilung. Zudem konnte Said El Mala nach seinen Muskelproblemen unter der Woche nur eine halbe Stunde spielen. Kwasniok musste den 19-Jährigen nach den leidlichen Erfahrungen in dieser Saison mit Muskelverletzungen vor Schlimmerem schützen. „Said konnte im Training keinen Sprint anziehen. Ich war froh, dass er überhaupt spielen konnte“, sagte der 44-Jährige.
Auch deshalb ging nach vorne für die Kölner außer Eric Martels Lattenkopfball nach einem Eckball (38.) trotz 54 Prozent Ballbesitz nicht viel. „Wir waren sehr statisch, haben wenig mit Ball kreieren können. Wir müssen uns ganz klar ankreiden, dass wir offensiv viel zu wenig gemacht haben. Und wenn das nicht klappt, muss die Null hinten stehen“, nahm Tom Krauß kein Blatt vor den Mund.
Die Null stand am Ende mal wieder nicht, weil die Kölner in Person von Marius Bülter eine Situation schlampig verteidigten. Bülter passte bei einer Verlagerung nicht auf und leistete dem von der Mittellinie startenden Noahkai Banks bis zur Torauslinie lediglich Begleitschutz.
Der Auftrag ist, den Topspiel-Fluch zu brechen.
Dass Rodrigo Ribeiro die Hereingabe des 19-Jährigen mit der Hacke hochwertig zum 1:0 veredelte (55.), passte genauso ins Bild der aktuellen FC-Situation, wie die Szene in der vierten Minute der Nachspielzeit, als Keven Schlotterbeck einen Kopfball von Cenk Özkacar auf der Torlinie abwehrte und im Gegenzug das 2:0 durch Alexis Claude-Maurice fiel (90.+5). FC-Keeper Marvin Schwäbe war beim Eckball mit im gegnerischen Strafraum. „Uns fehlt das Quäntchen“, klagte Kwasniok, dem in Augsburg acht Spieler fehlten.
Vor den schweren Aufgaben am nächsten Samstag zuhause gegen Dortmund und die Woche darauf in Hamburg kehren wohl nur Alessio Castro-Montes und Linton Maina zurück. „Die Tatsache, dass wir mit 24 Punkten über dem Strich stehen, zeigt, dass nicht alles bodenlos ist. Wir sind in der Verlosung dabei. Es wird aber Zeit, einen Großen zu schlagen. Wir wollen gegen Dortmund unseren ersten Sieg an einem Samstagabend brechen. Der Auftrag ist, den Topspiel-Fluch zu brechen“, gab sich Kwasniok kämpferisch und fand einen Mitstreiter in Tom Krauß: „Wir müssen auch mal gegen die Großen gewinnen und nächste Woche auf jeden Fall liefern.“
