Vor dem Spiel in StuttgartDer 1. FC Köln hat einen neuen heimlichen Chef

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Jeff Chabot kehrt nach seiner Gelbsperre zurück in die Innenverteidigung.

Jeff Chabot kehrt nach seiner Gelbsperre zurück in die Innenverteidigung.

Der 1. FC Köln spielt in der Bundesliga am Samstag in Stuttgart. Ein zuletzt gesperrter Spieler ist wieder dabei.

In der Analyse der bitteren 0:1-Heimniederlage des 1. FC Köln vor einer Woche gegen Werder Bremen dürfte ein Aspekt in der öffentlichen Wahrnehmung zu kurz gekommen sein. Die Abwesenheit von Jeff Chabot, der am 21. Spieltag beim 1:1 der Kölner in Hoffenheim seine fünfte Gelbe Karte gesehen hatte und gegen Werder gesperrt fehlte, war von außen betrachtet ein relativ normaler Vorgang. Sicher fehlten die Kopfball- und Zweikampfstärke des Innenverteidigers, doch Luca Kilian hatte seine Sache als Ersatz des erkrankten Timo Hübers in Hoffenheim schon ordentlich erledigt. Also würde auch Chabot für ein Spiel mal ersetzt werden können.

Vor dem schweren Auswärtsspiel der Geißböcke am Samstag (15.30 Uhr/Sky) beim Tabellendritten VfB Stuttgart machte FC-Cheftrainer Timo Schultz aber deutlich, dass seinem Team beim 0:1 gegen Werder weit mehr als nur der Innenverteidiger Chabot gefehlt hat. „Die sportliche Bedeutung von Jeff für unser Team kann jeder sehen. Er ist bei uns hinten komplett gesetzt. Jeff ist extrem zweikampfstark, aber eben auch ein Spieler, der auf dem Platz und in der Kabine für Stimmung sorgt“, nannte Schultz Qualitäten seines Abwehrchefs, die der Öffentlichkeit noch nicht so bekannt sind: „Er ist bei uns so etwas wie der heimliche Chef. Von der Körpersprache her und wie er auftritt. Ich bin froh, dass er wieder da ist. Er tut der Mannschaft gut und wird auf jeden Fall wieder von Anfang an spielen.“

Achse Hübers/Chabot ist extrem wichtig

Die Achse Hübers und Chabot spielt in der Herangehensweise des FC-Cheftrainers eine große Rolle. Schultz betont immer wieder, dass eine kompakte Defensive für ihn im schweren Kampf um den Klassenerhalt oberste Priorität besitzt und ein „zu null“ nun mal die Wahrscheinlichkeit erhöht auch zu punkten. Bei der Betrachtung der beiden schmerzhaften Gegentore in Hoffenheim und gegen Bremen, die die Kölner am Ende mindestens drei Punkte gekostet haben, darf festgehalten werden, dass sie mit Chabot und Hübers auf dem Platz wahrscheinlicher nicht gefallen wären.

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Die Entwicklung des 26-jährigen Chabot zum „heimlichen Chef“ der Kölner überrascht, macht aber Hoffnung. Angesichts des langfristigen Ausfalls von Davie Selke und Mark Uth und der anhaltenden Formschwäche von Kapitän Florian Kainz brauchen die Kölner nach den Abgängen von Ellyes Skhiri und Jonas Hector Spieler, die in Führungspositionen hineinwachsen. Es gehört zu den großen Problemen dieser Saison, dass es an Hierarchien mangelt. Es gibt keine Spieler, an denen sich die anderen in schwierigen Zeiten aufrichten können.

Der VfB spielt einen tollen Fußball und tritt dabei als Mannschaft, gerade gegen den Ball, toll auf.
Timo Schultz, Trainer 1. FC Köln

Chabot, der sich nach anfänglichen Problemen unter Steffen Baumgart in der vergangenen Saison zu einem der herausragenden Innenverteidiger der Bundesliga gemausert hat, wird in Stuttgart diese Rolle gemeinsam mit Hübers wieder ausfüllen können und versuchen, der starken VfB-Offensive um den Ex-Kölner Serhou Guirassy Paroli zu bieten. „Die Tabellenplatzierung sagt einiges aus. Der VfB spielt einen tollen Fußball und tritt dabei als Mannschaft, gerade gegen den Ball, super auf. Alle arbeiten extrem kompakt und offensiv nach vorne“, zollte Timo Schultz dem kommenden Gegner seinen Respekt.

Die Marschroute des 46-Jährigen lautet aber trotz aller defensiven Herangehensweise, mutiger in der Offensive zu agieren: „Wir müssen defensiv kompakt stehen und unsere Ballbesitzphasen haben. Wir müssen sie in die Situation bringen, dass sie uns hinterherlaufen. Wir waren in jedem Spiel, seitdem ich hier bin, auf Augenhöhe mit dem Gegner. Wenn wir am Limit sind, können wir jeden schlagen.“

Alidou hat bis Mittwoch nicht trainiert

Neben Mark Uth und Luca Waldschmidt fehlt den Kölnern auch weiter Davie Selke. Immerhin trainiert der mit fünf Treffern beste FC-Torschütze dieser Saison wieder auf dem Platz. Deshalb hegt Schultz die Hoffnung, dass der 29-Jährige noch vor der Länderspielpause ab dem 18. März wieder einsatzfähig ist.

Ein großes Fragezeichen steht für das Spiel in Stuttgart noch hinter dem Einsatz von Faride Alidou. Der offensive Außenspieler war nach seinen beiden Toren gegen Wolfsburg (1:1) und Frankfurt (2:0) erkrankt und fehlte gegen Bremen. Ein weiterer, möglicher Grund für die fehlende Offensivkraft der Kölner am vergangenen Freitag. Alidou konnte bislang in dieser Woche noch nicht trainieren. „Für das Wochenende wird es eine 50:50-Entscheidung“, bewertete Timo Schultz die Einsatzchancen seines Angreifers.

Sollte er nicht fit werden, könnte Youngster Justin Diehl erstmals in der Kölner Startelf stehen. Der 19-Jährige wusste nach seiner Einwechslung gegen Bremen einmal mehr zu überzeugen. „Ich habe viele Überlegungen, möchte aber nicht zu viel verändern“, sagte Trainer Schultz. Außer natürlich, dass sein heimlicher Chef wieder dabei ist.

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