Fifa-Urteil zur Transfersperre1. FC Köln kündigt Berufung beim CAS an

Lesezeit 3 Minuten
1.FC Köln U19 vs. Bayer Leverkusen U19, A Junioren Bundesliga West, Jubel nach dem Tor zum 2:0 um Jaka Cuber Potocnik 1. FC Köln, 04.03.2023, Bild: *** Sport 1 FC Köln U19 vs Bayer Leverkusen U19, A Junioren Bundesliga West, cheering after the goal to 2 0 around Jaka Cuber Potocnik 1 FC Köln , 04 03 2023, picture

Der Transferstreit um den Kölner U19-Stürmer Jaka Cuber Potocnik hat seinen Höhepunkt erreicht. Im Januar 2022 war das Offensiv-Juwel von Olimpija Ljubljana in den FC-Nachwuchs gewechselt.

Als Reaktion auf die Transfersperre über zwei Perioden, kündigte der 1. FC Köln an, beim Internationalen Sportgerichtshof Berufung einzulegen.

Alles schien am Mittwoch seinen gewohnten Gang zu nehmen im Grüngürtel. Die Mannschaft des 1. FC Köln trieb am Vormittag die Vorbereitung auf das anstehende Derby gegen Borussia Mönchengladbach voran (Sonntag, 15.30 Uhr), und im Anschluss standen Trainer Steffen Baumgart und seine Spieler gut gelaunt für Autogramm- und Fotowünsche der Trainingskiebitze zur Verfügung.

Am Nachmittag veränderte sich die Gemütslage in der Clubzentrale des Bundesligisten jedoch schlagartig. Ein Urteil aus Zürich, abgesendet vom Fußball-Weltverband, ließ das Geißbockheim in seinen Grundfesten erzittern. Die Fifa hat den FC dazu verdonnert, in den nächsten beiden Transferperioden  – also die komplette Saison 2023/24 – keine Spieler verpflichten zu dürfen. Auf die schockierende Nachricht folgten Stunden des Wartens. Am Abend kündigte der FC schließlich an, beim Internationalen Sportgerichtshof CAS in Berufung zu gehen. Ziel sei es, bis zum endgültigen Urteil eine Aussetzung der Strafe zu erwirken.

Das Fifa Football Tribunal hat in seinem Urteil vom 1. Februar 2023 dennoch entschieden, dass Potocnik seinen Arbeitsvertrag mit Olimpija Ljubljana ohne Rechtsgrund gekündigt habe. Zudem sei es dem FC nicht gelungen, die Vermutung zu widerlegen, dass er als neuer Club den Spieler zum Vertragsbruch angestiftet habe.
Stellungnahme des 1. FC Köln

Hintergrund des Hammer-Urteils ist der seit mehr als einem Jahr schwelende Transferstreit um Jaka Cuber Potocnik (17). Das europaweit umworbene Sturm-Juwel war im Januar 2022 ablösefrei von NK Olimpija Ljubljana in den Kölner Nachwuchs gewechselt. Zuvor hatte Potocnik seinen bis 2024 laufenden U17-Vertrag vorzeitig gekündigt. Grund seien „zahlreiche Vertragsverletzungen“ des slowenischen Erstligisten gewesen, wie der FC am Mittwochabend mitteilte. Ljubljana warf Potocnic wiederum einen „rechtswidrigen Bruch seines Arbeitsvertrages“ vor und behauptete, dass der FC den damals 16-Jährigen zum Wechsel angestiftet habe.

Daraufhin reichten die Slowenen Klage bei der Fifa ein. „Dagegen hat sich der 1. FC Köln in einer umfassenden Klageerwiderung verteidigt und insbesondere zahlreiche Nachweise vorgelegt, die eine Anstiftung zum Vertragsbruch widerlegen“, erklärte der FC. Und weiter: „Das Fifa Football Tribunal hat in seinem Urteil vom 1. Februar 2023 dennoch entschieden, dass Potocnik seinen Arbeitsvertrag mit Olimpija Ljubljana ohne Rechtsgrund gekündigt habe. Zudem sei es dem FC nicht gelungen, die Vermutung zu widerlegen, dass er als neuer Club den Spieler zum Vertragsbruch angestiftet habe.“

Als die Kölner im Januar 2022 Jaka Cuber Potocnik verpflichteten, bildeten Alexander Wehrle und Philipp Türoff die Geschäftsführung des FC. Nach der Entlassung von Sportchef Horst Heldt im Mai 2021 verantwortete Jörg Jakobs den sportlichen Bereich übergangsweise. Der amtierende Sportchef Christian Keller stieß erst im April 2022 dazu.

Obwohl es sich um keinen Transfer für die Profi-Mannschaft handelte, betrifft die Sperre den gesamten Club. Das Urteil hätte katastrophale Folgen für die Kaderplanung aller FC-Teams. Allein bei den Lizenzspielern laufen im Sommer sieben Verträge aus. Mittelfeld-Ass Ellyes Skhiri will den Club verlassen. Zudem ist die Zukunft von Kapitän Jonas Hector ungewiss. Es braucht also Ersatz. In Linksverteidiger Leart Paqarada (FC St. Pauli) hatten die Kölner Ende Januar einen ersten Zugang verpflichtet. Was aus ihm nun wird, erscheint fraglich.

Das Urteil sieht außerdem vor, dass Potocnik (unter Mithilfe des FC) 51.750 Euro Schadenersatz an seinen Ex-Club zahlen muss. Ursprünglich forderten die Slowenen sogar 2,5 Millionen Euro Ablöse und etwa 70.000 Euro Schadenersatz vom FC.

Zudem wurde Potocnik mit einer viermonatigen Spielsperre belegt.Für die U19 der Geißböcke bedeutet dies eine herbe Schwächung in der entscheidenden Phase der Titelvergabe. Potocnik, ein technisch versierter Rechtsfuß mit einem Gardemaß von 1,89 Metern, erzielte in der gerade beendeten Hauptrunde der U19-Bundesliga West in 13 Spielen 13 Tore. Nun muss die Kölner U19 ausgerechnet im Halbfinale des DFB-Pokals am Sonntag (11 Uhr) daheim gegen Hertha BSC sowie in der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft auf ihre Torversicherung verzichten.

Nachtmodus
Rundschau abonnieren