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1. FC Köln gegen Union„Letzte Quäntchen Abschlussglück“ fehlte

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Trainer Steffen Baumgart von FC Köln pfeift seinem Team zu.

Nicht nur die hohe Anzahl an guten bis sehr guten Torchancen sprach für den Aufwärtstrend, sondern auch die Tatsache, dass Baumgart erst in der 84. Minute das erste Mal wechselte.

Die miserablen Platzverhältnisse und die vielen Torchancen waren die bestimmenden Themen nach dem 0:0 des 1. FC Köln beim Tabellendritten Union Berlin. 

Steffen Baumgart kennt sich aus an der Alten Försterei. Zwischen 2002 und 2004 hat der Trainer des 1. FC Köln das Trikot des 1. FC Union Berlin getragen und in dieser Zeit für sich und seine Familie eine Heimat in Köpenick gefunden.

Als der 51-Jährige am Samstag nach dem beachtlichen 0:0 der Geißböcke beim Tabellendritten der Fußball-Bundesliga nach dem neu verlegten Rasen im Union-Stadion gefragt wurde, packte er sein Wissen über den südöstlichsten Stadtteil der Hauptstadt aus: „Im Moment ist es schwierig, wenn man hier einen Rasen verlegt. Er hat unter den aktuellen Bedingungen Probleme anzuwachsen. Du kriegst keine Feuchtigkeit rein, deswegen war er für alle gleich stumpf.“

Baumgart beeindruckt mit Fachwissen über verlegten Rasen

Baumgarts Fachwissen beeindruckte besonders sein Gegenüber: „Steffen, du weißt ja fast mehr als ich. Wahnsinn, wie gut du informierst bist“, reagierte Urs Fischer, seit fünf Jahren Trainer von „Eisern“ Union und bestens mit allem vertraut. Die unterhaltsame Diskussion um das erst zwei Tage vor dem Spiel neu verlegte und noch nicht angewachsene Grün passte ganz zum Auftritt von Baumgarts Kölner.

Der neu verlegte Rasen war eine Katastrophe zum Fußballspielen.
FC-Abwehrchef Timo Hübers

Die Gäste hatten sich auf alles, was ihnen an diesem Samstag begegnen konnte, bestens vorbereitet: Die Art, wie das seit Februar 2022 in der Alten Försterei unbesiegte Union seinen Gegnern üblicherweise den Schneid abkauft, die besondere Atmosphäre des mit 22.012 Zuschauern ausverkauften Stadions und schließlich auch noch den schwer zu bespielenden Untergrund. „Der neu verlegte Rasen war eine Katastrophe zum Fußballspielen“, fand nicht nur FC-Abwehrchef Timo Hübers.

Zumal das Geläuf eher dem Spiel der Berliner mit langen hohen Bällen hinter die gegnerische Kette entgegenkam. „Der Ball war bei diesen Platzbedingungen ja noch mehr in der Luft“, erklärte Hübers. Die Kölner benötigten gute 15 Minuten, um sich auch noch auf die einzige Unbekannte dieses Nachmittags einzustellen und legten dann einen Auftritt hin, der sie im achten Anlauf dem ersten Bundesliga-Sieg gegen Union sehr nahebrachte.

Letztes Abschlussglück fehlt: 1. FC Köln ohne Tore

Dejan Ljubicic (19.), Linton Maina (50.), Eric Martel (51.), Florian Kainz (59./75.) und Jonas Hector (66.) hatten genug gute Gelegenheiten, den FC für seinen mutigen und konzentrierten Auftritt auch zu belohnen. „Sehr schade“, fand Thomas Kessler. Die Enttäuschung war dem Sportlichen Leiter des FC deutlich anzusehen. Weil das laut Hübers „letzte Quäntchen Abschlussglück“ fehlte und Union-Keeper Frederik Rönnow einen Sahnetag erwischt hatte, blieb der FC aber zum dritten Mal in Folge ohne Tor.

„Wir müssen uns alles hart erarbeiten und heute hat sicher in der ein oder anderen Situation die nötige Ruhe vor dem Tor gefehlt“, urteilte Steffen Baumgart. Unzufrieden war der FC-Trainer aber keineswegs, denn die Abläufe passten im Vergleich zu den Niederlagen gegen Wolfsburg und Stuttgart wieder besser. Nicht nur die hohe Anzahl an guten bis sehr guten Torchancen sprach für den Aufwärtstrend, sondern auch die Tatsache, dass Baumgart erst in der 84. Minute das erste Mal wechselte.

Normalerweise bringt er schon ab der 60. Minute neue Kräfte. „Unser Spiel hat funktioniert und die Jungs waren frisch, das haben die Werte gezeigt“, erklärte der Coach. Das Kölner Spiel erinnerte in vielen Momenten an die starken Leistungen zu Beginn des Jahres mit fünf ungeschlagenen Partien in Serie.

Wir haben uns auf intensive Zweikämpfe eingestellt, brauchten gute Absprachen in der Innenverteidigung und wussten, dass die zweiten Bälle wichtig werden.
FC-Abwehrchef Timo Hübers

Was vor allem daran gelegen haben dürfte, dass der FC im 4:2:3:1-System mit den omnipräsenten und laufstarken Eric Martel (12,44 km) und Ellyes Skhiri (12,84 km) als Sechsern vor der Viererkette aufmerksam und aggressiv verteidigte. „Die Taktik war zweitrangig. Wir haben uns auf intensive Zweikämpfe eingestellt, brauchten gute Absprachen in der Innenverteidigung und wussten, dass die zweiten Bälle wichtig werden“, erklärte Hübers.

So beantwortete Thomas Kessler die Frage, ob er eine richtig klare Chance von Union gesehen habe, nur mit dem Hinweis, dass die Eisernen „immer gefährliche Situationen kreieren“. Das war am Samstag nicht anders, nur dass die Kölner am Ende der Aktionen jeden gefährlichen Torschuss zu verhindern wussten. Wie Dejan Ljubicic (27.) und Jeff Chabot (79.), die den weiten, harten Weg gingen, um jeweils den schnellen Sheraldo Becker noch blocken zu können. „Das hat den Wert eines Tores, denn wenn wir hier in Rückstand geraten, wird es schwer zurückzukommen“, lobte Kessler.

FC holt ersten Punkt in der Alten Försterei

Die Null stand aber. So stieg der FC stolz mit dem ersten Bundesliga-Punkt in der Alten Försterei in den Mannschaftsbus und reiste vor dem Heimspiel gegen den VfL Bochum (Freitag, 20.30 Uhr) mit dem Gefühl zurück nach Köln, dass der Glaube an Bewährtes und die eigenen Stärken unerschütterlich bleiben sollte. Steffen Baumgart fehlte übrigens an Bord wie auch am Sonntag beim Auslaufen am Geißbockheim.

Der Trainer blieb übers Wochenende in Köpenick, um nach längerer Zeit zu Hause mal wieder nach dem Rechten zu schauen. Sein Wissen auffrischen kann nie schaden, auch wenn man sich auskennt.


Schüttelfrost bei Selke

Nächster gesundheitlicher Rückschlag für Davie Selke. Eigentlich sollte der Winterzugang des FC bei Union Berlin in der Startelf auflaufen. In der Nacht vor dem Spiel bekam der Stürmer dann aber Schüttelfrost und musste von Steffen Tigges ersetzt werden. Wir haben entschieden, dass er nicht startet. Es wurde auch im Laufe des Tages nicht besser. Wir haben eine Verantwortung dem Spieler gegenüber“, erklärte Thomas Kesser als Sportlicher Leiter des FC.