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BundesligaDer 1. FC Köln geht mit Niederlage in WM-Pause

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Boateng ist im Ballbesitz, Kainz neben ihm, Thielmann hinter ihm. Thielmann schubst Boateng, dieser hält sich am Shirt von Kainz fest. Sie befinden sich am Spielfeldrand, im Hintergrund sieht man die Zuschauertribünen.

Kevin Prince Boateng (Hertha) und Jan Thielmann (Koeln) und Florian Kainz (Koeln) kämpfen um den Ball.

Der 1. FC Köln geht mit einer Niederlage in die WM-Pause. Für Trainer Baumgart ist der Abstiegskampf eröffnet.

68 Tage sind eine lange Zeit. Dem 1. FC Köln wird es wohl noch länger und vor allem quälend vorkommen, bevor er nach der WM-Pause am 21. Januar 2023 mit dem Heimspiel gegen Werder Bremen den Spielbetrieb in der Fußball-Bundesliga wieder aufnehmen darf. Nach der 0:2 (0:0)-Niederlage bei Hertha BSC Berlin und dem fünften sieglosen Spiel in Folge stecken die auf dem Zahnfleisch gehenden Geißböcke nämlich mittendrin im Abstiegskampf der Saison 2022/23. Das Team von Trainer Steffen Baumgart geht als 13. der Tabelle in die Pause und hat nur noch drei Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz, den seit Samstag der VfB Stuttgart einnimmt, und vier auf den VfL Bochum auf Rang 17. „Wir stecken im Abstiegskampf. Alles andere wäre Augenwischerei“, räumte Baumgart nach dem Spiel ohne zu zögern ein.

Der Coach konnte im letzten Pflichtspiel des Jahres 2022 seine aktuell nominell beste Elf zum Anpfiff auf den Rasen ins Olympiastadion schicken. Sowohl Abwehrchef Timo Hübers als auch der im Derby gegen Leverkusen angeschlagene ausgewechselte Rechtsverteidiger Benno Schmitz liefen also auf. Im Sturmzentrum vertraute der FC-Coach wie gegen Bayer 04 auf Sargis Adamyan. Steffen Tigges musste zunächst auf der Bank Platz nehmen.

  1. Hertha BSC: Christensen - Kenny, Rogel, Kempf, Plattenhardt (24. Mittelstädt) - Sunjic, Tousart - Boetius (84. Serdar) - Lukebakio (69. Ejuke), Kanga (84. Selke), Marco Richter (84. Boateng)
  2. 1. FC Köln: Schwäbe - Schmitz (50. K. Schindler), Hübers, Kilian, Hector - Skhiri, Martel (70. S. Tigges) - Duda (56. Huseinbasic), Kainz - Adamjan (56. Thielmann), Maina
  3. Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)
  4. Zuschauer: 60.827
  5. Tore: 1:0 Kanga (9.), 2:0 Marco Richter (54.)
  6. Gelbe Karten: Kempf, Rogel, Lukebakio/ Skhiri.

Mit dem FC und der Hertha trafen am Samstag zwei aktuelle Sorgenkinder der Fußball-Bundesliga aufeinander. Die Kölner reisten mit vier sieglosen Spielen im Gepäck in die Hauptstadt. Die Gastgeber hatten vier ihrer jüngsten fünf Partien verloren und gingen mit sechs Zählern Rückstand auf den FC von Relegationsplatz 16 aus in den 15. Spieltag. Eine Ausgangslage, die dem Duell eine zusätzliche Bedeutung verlieh.

Die Kölner kamen eigentlich ordentlich in das Spiel und fingen sich trotzdem wieder ein frühes Gegentor. Bei einem Einwurf der Herthaner sah sich Benno Schmitz mit zwei Gegenspielern konfrontiert, weil Eric Martel sich ins Zentrum orientierte. So durfte Marvin Plattenhardt ungehindert auf den Kopf von Wilfriede Kanga flanken, der im Rücken von Luca Kilian aus fünf Metern leicht zum 1:0 kam (9.). Vier Minuten später musste FC-Keeper Marvin Schwäbe gegen Dodi Lukebakio das 0:2 verhindern.

Was dann passierte, ließ Steffen Baumgart und alle Kölner verzweifeln. Linton Maina brach rechts durch und fand Sargis Adamyan drei Meter zentral vor dem leeren Tor fand. Die FC-Fans jubelten schon, doch der Armenier brachte das physikalisch unmögliche Kunststück fertig den Ball über die Latte zu setzen. Aus FC-Sicht der Fehlschuss des Jahres (15.). „Ich kann es schwer erklären. Der Ball springt etwas auf und ich treffe ihn nicht richtig. Ich dachte, das kann doch nicht sein. Die Chance hat nichts mit Glück zu tun, die muss einfach rein“, sagte der untröstliche 29-Jährige mit brüchiger Stimme und räumte ein, dass ihm aktuell das nötige Selbstbewusstsein fehle.

Die Geißböcke machten trotz Adamyanas fußballerischem Unfall aber weiter das Spiel und wieder war es der unglückliche Sommer-Neuzugang aus Hoffenheim, der die Kölner ungläubig auf Spielfeld blicken ließ. Nach einer Ecke zögerte der Angreifer einen Tick zu lange, sodass Hertha-Keeper Oliver Christensen den Schuss aus kürzester Entfernung noch abwehren konnte (23.). Der FC-Chancenwucher nahm dann groteske Züge an, als Maina allein auf Christensen zulief, den Ball aber mit links rechts neben den Pfosten setzte (25.). Normalerweise rächen sich solche Unzulänglichkeiten, doch Kanga traf bei der zweiten Berliner Möglichkeit in Hälfte bedrängt von Timo Hübers eins nur das Außennetz (28.). Der FC blieb das insgesamt spielbestimmende Team und durfte dann in der Nachspielzeit jubeln. Maina bewahrte beim Abschluss ausnahmsweise mal die Ruhe, stand aber bei der Flanke von Schmitz aber im Abseits. Der 0:1-Pausenrückstand der Baumgart-Elf zur Pause war einfach nur unfassbar. „Was soll ich groß sagen, die erste Chance von Hertha ist gleich drin und wir haben drei Riesen, die wir nicht nutzen.“

Es war alles gegen die Kölner gelaufen und daran änderte sich in Hälfte zwei nichts. Wie schon beim 1:2 gegen Leverkusen musste Schmitz nach einem Zweikampf angeschlagen vom Feld und Kingsley Schindler musste die rechte Abwehrseite übernehmen (50.). Und wie im Derby fiel danach ein Gegentor. Schindler ging trotz der Erfahrung von Mittwoch viel zu lethargisch in einen Zweikampf gegen Lukebakio. Der Berliner konnte bis zum Kölner Fünfer durchlaufen und flanken. Marvin Schwäbe wehrte den Ball mit dem Fuß zwar ab, aber genau vor die Füße von Marco Richter, der konsequent zum 2:0 abschloss (54.).

Baumgart wechselte danach noch insgesamt vier Mal, aber seine Mannschaft war geschlagen. Die Kölner versuchten zwar alles, ihnen fehlte aber die nötige Kraft und auch der Glaube, um noch einmal zurückkommen zu können. „Die Jungs sind komplett durch. Es war deutlich zu sehen, dass die körperliche und mentale Frische nicht mehr da waren“, erklärte der Trainer. Auch deshalb musste Marvin Schwäbe auf der anderen Seite gegen die Kopfbälle von Marc-Oliver Kempf (81.) und Lucas Tousart (87.) zweimal alles aufbieten, um ein weiteres Gegentor zu verhindern. „Wir waren bei den Gegentoren nicht wach genug und haben unsere Situationen nicht genutzt. Dann verliert man solche Spiele. Die Hinrunde ist aber noch nicht vorbei. Wir haben noch zwei Spiele, um auf die 20 Punkte zu kommen und dann möglichst früh die 40 Zähler haben, die wir uns von Anfang an zum Ziel gesetzt haben. Wir sind nach dieser Niederlage natürlich enttäuscht. Ich denke die Pause kommt für unsere Mannschaft zum richtigen Zeitpunkt“, erklärte Thomas Kessler. Der Sportliche Leiter des FC geht trotz der jüngsten Negativserie mit nur zwei eigenen Toren in fünf Spielen zuversichtlich in die Pause: „Zu einer Entwicklung gehören auch kleine Rückschläge. Wir werden jetzt die Zeit nutzen, um durchschnaufen und dann an unseren Themen arbeiten. Ich bin überzeugt, dass wir im neuen Jahr, wenn wir wieder frischer sind, wieder richtig angreifen können.“