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1. FC KölnSteffen Tigges – ein Stürmer in der Anpassung

4 min
Steffen Tigges sieht frustriert in die Ferne

Steffen Tigges steckt mit seinem 1. FC Köln in einer Krise

Der frühere Außenbahnspieler Steffen Tigges hat seine Rolle als Mittelstürmer noch nicht voll verinnerlicht. Der FC könnte seine Tore aktuell dringend gebrauchen. 

Im Leben eines Stürmers gibt es sicherlich angenehmere Situationen, um an den Ort zurückzukehren, wo alles begann. Wenn Steffen Tigges am Samstagabend (18.30 Uhr, DAZN) mit dem 1. FC Köln bei seinem ersten Bundesligaclub Borussia Dortmund antritt, schleppt der 24-Jährige eine lange Torlosserie mit sich herum.

789 Minuten ist es nun schon her, dass letztmals ein Angreifer einen Treffer für die Geißböcke erzielt hat. Inzwischen strahlt sich das Problem auf die gesamte Mannschaft aus. Seit vier Spielen wartet die Elf von Trainer Steffen Baumgart auf ihr nächstes Tor. Eine derart lange Durststrecke hat es noch nicht gegeben unter der Verantwortung des Offensiv-Fanatikers Baumgart.

FC steckt wieder im Abstiegskampf

Steffen Tigges kennt die Zahlen. „Es wird natürlich viel darüber geschrieben“, weiß der Mittelstürmer, dem nach der 7:1-Gala am 21. Januar gegen Bremen (zwei Tore, eine Vorlage) selbst kaum noch etwas gelungen ist. Seitdem verharrt er bei fünf Saisontoren. Tigges versucht, all die Statistiken so gut es geht „auszublenden“, wie er nach dem Training am Dienstag verriet. „Wenn man die Zahlen jeden Tag liest, kriegt man irgendwann nur schlechte Laune.“ Die Situation ist schließlich schon belastend genug. „Es ist nervig, weil wir das natürlich alle ändern wollen“, sagt Tigges über die Kölner Torflaute.

Uns fallen im Moment die kleinen Fehler derbe auf die Füße
Steffen Tigges

Sie hat zur Folge, dass der FC aus den jüngsten vier Spielen gerade mal einen Punkt holte. Bei nur noch sieben Zählern Vorsprung auf den Relegationsplatz steckt Baumgarts Team wieder im Abstiegskampf. „Es geht schnell. Wenn du vier Spiele in Folge nicht gewinnst, rutscht du schnell unten rein. Wir müssen schleunigst den Bock umstoßen“, fordert Tigges.

Tigges wird erst in der U23 zum Mittelstürmer

Dafür erforderlich ist eine deutliche Leistungssteigerung. „Wir sind in den letzten Spielen nicht immer an die 100 Prozent herangekommen, die es in der Bundesliga braucht“, zeigt sich Steffen Tigges selbstkritisch im Umgang mit den jüngsten Darbietungen des FC und erklärt: „Uns fallen im Moment die kleinen Fehler derbe auf die Füße. Und aus den vielen guten Sachen schlagen wir kein Kapital.“ Zu den „vielen guten Sachen“ zählt grundsätzlich das auf Flanken ausgelegte Kölner Angriffsspiel.

Mit 319 Hereingaben (durchschnittlich 13 pro Spiel) setzt auch in dieser Saison keine andere Bundesliga-Mannschaft so sehr auf Flanken wie der FC. Was im Gegensatz zur vergangenen Spielzeit jedoch fehlt, ist der Ertrag. „Im Moment fallen uns die Bälle nicht so vor die Füße. Daran arbeiten wir aber, das ist eine Aufgabe für alle Mannschaftsteile“, sagt Tigges, der die Offensivmisere wie folgt skizziert: „In den ersten Spielen der Rückrunde hat die Besetzung im Strafraum nicht so gepasst. Entweder waren zu wenige Leute in der Box. Oder die Bälle wurden von außen falsch reingespielt.“

Bei der Problembehebung nimmt er sich mit in die Pflicht: „Wir Stürmer müssen daran arbeiten, dort zu stehen, wo der Ball auch hinkommt.“ Was eine besondere Herausforderung darstellt für den früheren linken Außenbahnspieler, der erst bei der U23 von Borussia Dortmund zum Stürmer umgeschult wurde – und seine neue Position offenbar noch nicht vollständig angenommen hat.

„Man hat in der Hinrunde gesehen, dass ich viel versuche habe, für die Mannschaft zu arbeiten und dann in der Mitte schon mal gefehlt habe“, beschreibt Steffen Tigges. „Deswegen muss ich auch noch mehr die Abläufe reinbekommen und sie verinnerlichen.“ Der 1,94-Meter-Mann spricht von einer „Anpassungsphase, in der ich versuche, vom Trainer und auch von Davie Selke alles mitzunehmen“.

Platzt der Knoten gegen formstarke Dortmunder?

Dabei wird auch viel mit Videomaterial gearbeitet. „Wir analysieren die Szenen jede Woche“, berichtet Tigges. Wichtig sei eine ausgewogene Mischung. „Man darf sich das nicht zerdenken. Man muss die gewisse Leichtigkeit, die der Trainer immer wieder einfordert, auch auf den Platz bringen. Dann funktioniert das auch wieder“, meint Tigges, der von einem baldigen Ende der Torlosserie ausgeht: „Wir versuchen, im Training die Abläufe einzuüben. Das hat im letzten Jahr gut geklappt. Von daher glaube ich, dass wir relativ schnell wieder dahinkommen, Tore zu erzielen.“

Ausgerechnet jetzt geht es zum Tabellenzweiten Borussia Dortmund, der in seinen jüngsten vier Heimspielen nie mehr als ein Tor kassierte. „Eine schwierige Aufgabe“, sagt Steffen Tigges. „Sie stehen sehr kompakt und haben vieles verbessert.“

Dennoch ist die Vorfreude beim ehemaligen BVB-Profi groß: „Ich freue mich darauf, alte Bekannte wiederzusehen und in Dortmund zu sein. Es wird ein richtig guter Rahmen für ein hoffentlich richtig gutes Fußballspiel. Wir wollen verhindern, dass Euphorie aufkommt und der BVB sich entfaltet.“ Damit die Kölner Torlosserie nicht auch in der folgenden Länderspielpause Thema ist.