Wieder Fehler, wieder ein anderer: Kingsley Schindler macht beim 1:2 des FC im Derby gegen Leverkusen keine gute Figur. Wir blicken auf die Spielmomente zurück, in denen er vom Helden zum Unglücksraben wurde.
1. FC KölnWie Kingsley Schindler beim Derby zum Unglücksrabe wurde

Der Moment, der das Derby veränderte: Kingsley Schindler (l., Nr. 17) dreht sich bei Nadiem Amiris (r., Nr. 11) Freistoß weg und fälscht den Ball unhaltbar für FC-Keeper Marvin Schwäbe mit dem Rücken zum 1:1-Ausgleich ab.
Copyright: IMAGO/Nordphoto
Kingsley Schindler hätte nur allzu gerne auf die Erfahrung verzichtet, wie es sich anfühlt, vom Derbyhelden zum Derby-Unglücksraben zu werden. Am 13. März dieses Jahres hatte Schindler den 1. FC Köln in der Leverkusener BayArena mit einem spektakulären Treffer zum 1:0-Sieg bei Bayer 04 geführt und sich zu recht feiern lassen. Am Mittwochabend schlich der 29-Jährige in Müngersdorf dagegen aus dem Stadion und war untröstlich. Er zeichnete nach seiner Einwechslung für den angeschlagenen Rechtsverteidiger Benno Schmitz für beide Gegentreffern verantwortlich und suchte die Schuld für die unverdiente 1:2 (1:0)-Heimniederlage der Geißböcke zunächst natürlich bei sich selbst.
Die Kölner hatten vor Schindler-Doppelunglück den ohnehin schwächelnden Luxuskader des Werksclubs komplett beherrscht und durch das erste Bundesliga-Tor von Schmitz nach einer halben Stunde mehr als verdient geführt. Das Team von Trainer Steffen Baumgart lag in allen relevanten Spielstatistiken vorne, lief unglaubliche 126,15 Kilometer, spielte 560 Pässe und verzeichnete 19:10-Torabschlüsse. Wobei sich an dieser Bilanz nicht annähernd die höchst unterschiedliche Qualität der jeweiligen Torchancen festmachen lässt.
Die Chancen zum zweiten Tor vertan
Das größte Manko des groß aufspielenden FC an diesem Abend war, dass er Schmitz’ Traumtor keinen zweiten Treffer folgen lassen konnte. Die Chancen waren da. Während Sargis Adamyan und Linton Maina vor dem gegnerischen Tor zum wiederholten Mal die nötige Ruhe fehlte, hatte Jonas Hector Pech. Bayers starker Keeper Lukas Hradecky lenkte des 20-Meter-Schuss des FC-Kapitäns mit einer unglaublichen Parade gerade so noch an die Latte (49.).
„Ich habe noch nie ein Spiel so unverdient verloren. Wir waren die deutlich bessere Mannschaft“, haderte Thomas Kessler mit der Abwesenheit des Glücks. Ein Gefühl, mit dem der Sportliche Leiter des FC beileibe nicht alleine da stand. „Es ist ärgerlich, dass wir nach so einem Spiel und so einer Leistung als Verlierer vom Platz gehen“, sagte Baumgart enttäuscht. Auch Marvin Schwäbe kam zu keinem anderen Schluss: „Wir hatten das Spiel komplett unter Kontrolle. Am Ende sind es zwei Situationen, die uns das Spiel kaputt machen“, erklärte der Torwart.
Schindler steht zu weit hinten und sieht den Ball zu spät
Womit die Rede auf Kingsley Schindler kommen muss. In der 65. Minute fälschte der gebürtige Hamburger einen harmlosen Freistoß von Nadiem Amiri unhaltbar für Schwäbe ab. Schindler wäre vorzuhalten, dass er sich vor dem Ball wegdrehte und ihn deshalb so unglücklich an den Rücken bekam. Zudem vertraut der FC normalerweise auf eine Sechs-Mann-Mauer, Schindler war womöglich als siebter Spieler gar nicht an der für ihn vorgesehenen Stelle postiert. „Er steht einen Meter hinter deren Sichtschutz und sieht den Ball auch sehr spät. Wenn er gerade stehen bleibt, kriegt er den Ball vielleicht auf die Brust“, mutmaßte Schwäbe, der aber gar nicht über Fehler Einzelner reden wollte.
Hätte er aber – etwa über den Videoassistenten im Kölner Keller. TV-Bilder zeigen nämlich, dass Leverkusens Robert Andrich sich als Sichtschutz direkt vor der Kölner Mauer postiert hatte und dabei nie und nimmer den regelkonformen Abstand von einem Meter einhielt. Werder Bremens Mitchell Weiser befand sich vergangene Saison im Derby gegen den HSV in Andrichs Rolle, so dass einem Freistoßtor von Marvin Duksch die Anerkennung verwehrt werden musste. Weiser beteuerte hinterher, dass er „die Regel gar nicht kenne“, was vielen am Mittwoch in Köln offensichtlich genauso ging. Der Ausgleich der erschreckend harmlosen Leverkusener drehte das Spiel. Als Schindler es sechs Minuten nach dem 1:1 versäumte, in Bayers Hälfte an der Außenlinie Moussa Diaby durch ein taktisches Foul aufzuhalten, nahm das Unheil seinen Lauf. Der schnelle Franzose konnte Jeremy Frimpong in Szene setzen und selbst zu einem Sprint an allen Kölnern vorbei ansetzen, an dessen Ende das Siegtor stand. Wieder waren es vermeidbare Fehler, die Punkte kosteten und wieder war es ein anderer Spieler, dem sie unterliefen.
Der Blick auf die Tabelle nach dem 14. Spieltag zeigt, dass Diabys 2:1 die Kölner nach nur einem Punkt aus den jüngsten vier Bundesligapartien in eine prekäre Situation manövriert hat. „Ziel ist es, bis zur WM-Pause noch drei Punkte zu holen. Dann haben wir in Anbetracht der Umstände eine bislang gute Runde gespielt“, formulierte Christian Keller. Dem FC bleibt nach der bitteren Derbypleite für diese Forderung des Sportchefs nur das Spiel am Samstag bei Hertha BSC. Im Falle einer weiteren Niederlage hätten die Kölner ihren Vorsprung auf die Abstiegsplätze fast aufgebraucht und würden mit ungutem Gefühl in die zweimonatige Pause gehen.

