Abo

5:2 gegen Hertha BSC FC knackt die 40 Punkte-Marke

4 min
1.FC Köln vs. Hertha BSC Berlin, 32. Spieltag, 12.05.2023, 20.30 Uhr, Jubel nach dem Tor zum 4:2 durch Timo Hübers (links, 1. FC Köln), Bild: Herbert Bucco

Jubel nach dem Tor zum 4:2 durch Timo Hübers (links, 1. FC Köln), 

Der 1. FC Köln hat im 100. Bundesliga-Spiel von Trainer Steffen Baumgart einen 5:2-Heimsieg gegen Hertha BSC gefeiert.

Der 1. FC Köln hat seinen Heimfluch auf spektakuläre Weise beendet. Nach fünf sieglosen Spielen vor eigenem Publikum in Folge landete die Mannschaft von Trainer Steffen Baumgart zum Auftakt des 32. Spieltags der Fußball-Bundesliga einen begeisternden 5:2 (3:2)-Erfolg gegen Hertha BSC Berlin.

Während der FC um den überragenden Doppeltorschützen Timo Hübers eine Woche nach dem vorzeitigen Klassenerhalt mit dem Überschreiten der 40-Punkte-Marke sein nächstes Saisonziel erreichte, ist das Schlusslicht aus der Hauptstadt kaum noch vor dem Abstieg in die Zweite Liga zu retten. „Es war ein sehr unterhaltsames Spiel in beide Richtungen. Da war alles drin. Von uns war es eine Superleistung“, sagte Hübers.

Für Baumgart gab es nach dem Derbysieg in Leverkusen keinen Grund, großartige Veränderungen an der Startelf vorzunehmen. Deshalb beließ es der FC-Coach in seinem 100. Bundesligaspiel an der Seitenlinie bei zwei Umstellungen, die jeweils zu erwarten waren. Eric Martel kehrte nach abgesessener Gelb-Sperre in das defensive Mittelfeld zurück. Für ihn rückte Dejan Ljubicic wieder vor auf die halbrechte Position. Zudem wurde Rechtsverteidiger Benno Schmitz (fünfte Gelbe Karte) durch Kingsley Schindler ersetzt. Einen weiteren Denkzettel kassierte derweil Sargis Adamyan, der erneut nicht mal in den Kader berufen wurde.

Das Spiel war gerade einmal acht Minuten alt, als Davie Selke seinem Ex-Club und sich selbst weh tat. Martel durfte vom rechten Strafraumeck unbedrängt flanken und servierte den Ball perfekt an den zweiten Pfosten. Dort sprang Derby-Held Selke höher als Filip Uremovic und nickte per Aufsetzer ins linke untere Eck ein.

Selke trifft gegen seinen Ex-Club

Die spannende Frage, ob Selke den Torerfolg gegen seine ehemaligen Kollegen bejubelt hätte, blieb unbeantwortet, weil er in der Luft mit Uremovic aneinandergerasselt war und wie der Berliner Innenverteidiger vor Schmerzen am Boden liegen blieb. Während bei Uremovic sofort feststand, dass er nicht mehr spielfähig war, konnte Selke zunächst noch weitermachen. Eine Viertelstunde später waren die Schwindelgefühle des 28-Jährigen jedoch so stark, dass auch er das Feld verlassen musste. Für ihn kam Steffen Tigges.

Zu diesem Zeitpunkt stand es 1:1. Lucas Tousart verwandelte einen Nachschuss, nachdem Schmitz-Vertreter Schindler im eigenen Strafraum von Marco Richter schwindelig gespielt worden war (18.). Ab diesem Moment entwickelte sich das Duell zwischen der ungefährlichsten Rückrunden-Offensive und der anfälligsten Rückrunden-Defensive zu einem rasanten Schlagabtausch. Erst verpasste Schindler aus kurzer Distanz die erneute Kölner Führung (25.).

Dann sah die FC-Abwehr zum zweiten Mal schlecht aus. Marton Dardai setzte mit einem langen Ball Dodi Lukebakio in Szene, der den ungewohnt fahrigen Jonas Hector zu einfach aussteigen ließ. Stevan Jovetic vollstreckte ins rechte untere Eck (33.). Doch die Berliner Freude währte gerade mal sechs Minuten. Florian Kainz schlug von der linken Außenbahn einen seiner brandgefährlichen Standards, den Timo Hübers per Kopf ins lange Eck zum 2:2 verlängerte.

FC dreht das Spiel in Halbzeit eins

Nur weitere vier Minuten später hatte der FC die Partie komplett gedreht. Mit einem Bilderbuchkonter, der dem verrückten ersten Durchgang das i-Tüpfelchen aufsetzte. Die Gäste waren weit aufgerückt, als der FC über die linke Seite zum Gegenangriff ansetzte. Tigges trug den Ball zu Linton Maina, der quer in den Strafraum auf Ellyes Skhiri weiterspielte. Der Tunesier traf in seinem vorletzten FC-Heimspiel noch abgefälscht zum 3:2-Pausenstand (43.). Kainz verpasste sogar noch das 4:2 (45.+2).

Ich weiß selber nicht genau, wie ich es gemacht habe.
Timo Hübers, FC-Doppelpacker zu seinem Hackentreffer

Im zweiten Durchgang ging das Spektakel weiter. Jan Thielmann, der für den gelb-rot-gefährdeten Martel in die Partie gekommen war, flankte auf Tigges, der am spektakulär parierenden Oliver Christensen scheiterte (51.). Dann brachte Thielmann die Kugel nach einem sensationellen Lauf über das gesamte Spielfeld selbst nicht an Christensen vorbei (58.). Spätestens, als Hübers eine weitere Ecke an den Innenpfosten köpfte (60.), hätte der FC deutlicher führen müssen. Stattdessen verhinderte Marvin Schwäbe gegen Jessic Ngankam den 3:3-Ausgleich (63.).

Es passte ins Bild dieses famosen Kölner Fußballabends, dass die Partie durch ein Kunsttor des FC-Abwehrchefs entschieden wurde. Eine Hereingabe von Maina verlängerte Hübers mit der rechten Hacke ins lange Eck. „Ich weiß selber nicht genau, wie ich es gemacht habe. Ich muss lange zurückdenken, dass ich mal einen Doppelpack gemacht habe. Vielleicht in der A-Jugend, ich weiß es nicht“, sagte Hübers.

Als der eingewechselte Denis Huseinbasic gegen defensiv komplett auseinanderbrechende Berliner auch noch zum 5:2-Endstand nachlegte (81.), waren die Feierlichkeiten auf den Rängen längst im Gange.


Spielstatistik

1. FC Köln: Schwäbe – Schindler (70. Kilian), Hübers, Chabot, Hector – Martel (46. Thielmann), Skhiri – Ljubicic, Kainz (70. Huseinbasic), Maina (84. Lemperle) – Selke (24. Tigges). – Hertha BSC: Christensen – Kenny, Uremovic (12. Rogel), Kempf, Plattenhardt (61. Mittelstädt) – Tousart, Dardai (61. Serdar) – Lukebakio (80. Ejuke), Jovetic, Richter – Niederlechner (61. Ngankam). Tore: 1:0 Selke (8.), 1:1 Tousart (18.), 2:2 Hübers (39.), 3:2 Skhiri (43.), 4:2 Hübers (69.), 5:2 Huseinbasic (81.). – Gelb: Martel, Hübers/Lukebakio, Dardai, Mittelstädt, Rogel, Serdar, Ngamkam, Richter. – Schiedsrichter: Jablonski (Bremen). – Zuschauer: 50000.