Bundesliga-AbstiegskampfBochum-Spiel ist eine Chance für den 1. FC Köln

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Jan Thielmann 1. FC Köln, applaudiert Richtung Fans.

Glücklich sieht anders aus: Eric Martel (mit Maske) und Jan Thielmann nach dem 1:1 des 1. FC Köln, beim FC Augsburg.

Der 1. FC Köln steht am Samstag gegen den VfL Bochum vor seinem bislang wichtigsten Bundesligaspiel dieser Saison.

Jeff Chabot und Timo Hübers sahen nicht wirklich glücklich aus, als sie am Ostersonntag nach dem 1:1beim FC Augsburg auf dem Weg in die Kabine ihre Ansichten miteinander austauschten. Das Innenverteidiger-Paar des 1. FC Köln ging dabei drei, vier Meter versetzt hintereinander und war offensichtlich nicht einer Meinung. Chabot widersprach Hübers jedenfalls bei der Bewertung der Leistung.

Gegenstand der Diskussionen war zu diesem Zeitpunkt der Gegentreffer zum 0:1, der einmal mehr aufzeigte, dass es den Kölnern im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga an entscheidenden Parametern mangelt. Nach einem Einwurf von Augsburgs Rechtsverteidiger Kevin Mbabu in den FC-Strafraum kamen erst Chabot und dann Hübers nicht in den Zweikampf mit ihren Gegenspielern Phillip Tietz und Ruben Vargas. Dann stand Denis Huseinbasic zu weit weg von Torschütze Arne Maier. Das alles in der höchsten Gefahrenzone vor dem eigenen Tor und nach erst 18 Spielminuten.

Wer die Klasse halten will, muss in jedem Moment zumindest voll auf Sendung sein. Und zudem das Gefühl entwickeln, dass es etwas zu gewinnen gibt und nicht immer nur etwas zu verlieren. Abgesehen von der nötigen Zweikampfhärte und einer Laufleistung von 108 Kilometern mit Luft nach oben fiel in Augsburg vor allem erneut der Mangel an Mut auf, der sich in fehlender Präzision wiederspiegelte. „Wir hatten extrem viele Ballverluste. Irgendwann war der ein oder andere dann auch froh, wenn er den Ball nicht mehr gekriegt hat“, analysierte Christian Keller. Der FC-Sportchef lieferte die Erklärung gleich hinterher: „Wenn der Gegner so drückt, permanent einer hinten dran ist, es wieder und wieder kracht und   man nicht mehr die größte Sicherheit hat, will man den Ball auch nicht mehr.“

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Luca Waldschmidt als belebendes Offensiv-Element

Was es wiederum schwer macht, Gescheites für die eigene Offensive zu kreieren. Erst als Luca Waldschmidt für den völlig ausgepumpten Davie Selke nach 82 Minuten auf den Platz kam, ging bei den Kölnern wieder etwas nach vorne: „Luca hat direkt gezeigt, dass er sich traut den Ball zu haben. Er war kaum drin, da haben wir es wieder geschafft, uns zu lösen. Er wollte den Ball und hat sich damit in offene Spielsituationen gebracht“, beschrieb Keller. So entstand in der Nachspielzeit auch noch eine sehr gute Möglichkeit für den FC, als Waldschmidt sich freispielte und aus 16 Metern zentral zum Abschluss kam. Die Augsburger konnten den Schuss des Kölners mit dem schwächeren rechten Fuß aber blocken.

So kann es und so muss es gehen, denn eines ist klar: Wenn am kommenden Samstag (15.30 Uhr/Sky) der VfL Bochum nach Müngersdorf kommt, ist ein Sieg für die Geißböcke Pflicht. Das Team von Trainer Timo Schultz kann den Rückstand auf Bochum und Tabellenplatz 15 mit einem Dreier im direkten Duell auf vier Punkte verkürzen und hätte sechs Spieltage vor Saisonende sogar wieder eine realistische Chance auf den direkten Klassenerhalt.

Zumal der VfL aktuell in einem Negativtrend festklebt. Nach dem Heimsieg gegen Bayern München blieb das Team von Trainer Thomas Letsch zuletzt fünf Mal sieglos und holte nur einen Punkt. Zuletzt gab es in Mainz ein 0:2 und gegen Schlusslicht Darmstadt reichte am Ostersonntag selbst ein 2:0-Vorsprung nicht zum Erfolg. Der VfL verspürt großen Druck, zumal er als schwächstes Auswärtsteam der Liga mit nur einem Sieg in dieser Saison (2:1 in Darmstadt) nach Köln reist.

Wenn wir auswärts weiter unentschieden spielen und zu Hause immer gewinnen, dann kann ich damit leben.
Christian Keller, Sportchef 1. FC Köln

So kommt der 28. Runde der Saison 2023/24 am Wochenende eine vorentscheidende Rolle zu. Neben der Partie im ausverkauften Rheinenergiestadion treffen sich nämlich auch der 1. FSV Mainz 05 und der SV Darmstadt. Die letzten Vier des Klassements stehen sich also direkt gegenüber. Sollten der VfL und Mainz gewinnen, wird der Abstieg des FC und der Darmstädter immer wahrscheinlicher.

Die Kölner müssen das Spiel am Samstag deshalb als Chance verstehen und mit dieser Einstellung ihren Heimkomplex ablegen. Während die Geißböcke unter Timo Schultz auswärts in fünf Partien noch ungeschlagen sind, haben sie in Müngersdorf vier von fünf Begegnungen verloren. „Wenn wir auswärts weiter unentschieden spielen und zu Hause immer gewinnen, dann kann ich damit leben“, machte Christian Keller mit Blick auf die Heimspiele gegen Bochum, Darmstadt, Freiburg und Union Berlin eine neue Rechnung auf.

Danach käme der FC auf 15 Punkte aus den letzten sieben Spielen und stünde nach dem 34. Spieltag bei 34 Zählern. Was durchaus reichen könnte zum direkten Klassenerhalt, mit großer Wahrscheinlichkeit aber zumindest für die Relegation.

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