Leonardo Bittencourt (29) fiebert dem Wiederbeginn der Fußball-Bundesliga besonders entgegen. Zum Auftakt gastiert er mit Werder Bremen beim 1. FC Köln, für den er von 2015 bis 2018 spielte. Tobias Carspecken sprach mit dem Deutsch-Brasilianer.
Ex-FC-Spieler Leonardo Bittencourt im Interview„Besser hätten wir es nicht erwischen können“

Fühlt sich wohl an der Weser: Leonardo Bittencourt steht seit der Saison 2019/20 in Bremen unter Vertrag. In 95 Pflichtspielen für Werder gelangen ihm 16 Tore und neun Vorlagen.
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Herr Bittencourt, wie groß ist Ihre Vorfreude nach der ungewohnt langen Winterpause?
Die Vorfreude könnte größer kaum sein. Und das Geile daran ist, dass es direkt vor ausverkauftem Haus an einem Samstagabend in Köln losgeht. Die Stimmung wird – wie immer in Köln – großartig sein. Besser hätten wir es nicht erwischen können.
Wie hat sich die zweimonatige Winterpause angefühlt?
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Wie eine Sommerpause – nur zur falschen Jahreszeit. Das war sehr ungewohnt, weil wir noch relativ viel Kraft hatten, um weiterspielen zu können. Deshalb haben die Füße diesmal früher angefangen zu kribbeln.
Wie verlief die Vorbereitung?
Sehr gut. Wir haben gut gearbeitet, hatten gute Bedingungen und auch genügend freie Tage, um mal abschalten zu können. Wir sind gut vorbereitet.
Fühlen sich Spiele gegen den FC besonders für Sie an?
Ich hatte gute Jahre beim FC. Das Gesicht der Mannschaft hat sich seitdem zwar stark verändert. Wenn man aber in Müngersdorf durch die Katakomben raus aufs Spielfeld geht, ist das noch immer etwas ganz Besonderes.
Was für ein Spiel erwarten Sie?
Es wird ein Spiel auf Augenhöhe, das für beide Mannschaften sehr wichtig ist. Köln spielt sehr intensiv und lauffreudig. Darauf müssen wir vorbereitet sein.
Wie schätzen Sie die Lage beim FC ein, nach drei Niederlagen in Folge und dem Abrutschen in den Abstiegskampf?
Das Schöne an der langen Pause ist, dass niemand mehr davon redet, was vorher passiert ist. Wir haben auch unsere letzten beiden Spiele verloren – doch das fühlt sich jetzt gar nicht mehr so an. Alle können bei null anfangen. Um zu wissen, wo man steht, müssen erst ein paar Spiele absolviert werden.
Welchen Anteil haben Sie am Wechsel Ihres früheren Mitspielers Davie Selke zum FC?
Davie hat mich nach meiner Meinung zur Stadt und zum Verein gefragt. Grundsätzlich konnte ich ihm ausschließlich Positives berichten, weil ich eine schöne Zeit in Köln hatte. Ich denke, dass das mit ihm und dem FC gut passen kann.
Mit 21 Punkten nach 15 Spielen hat sich Werder als Aufsteiger sehr gut in der Bundesliga zurechtgefunden. Haben Sie das für möglich gehalten?
Ich weiß, welche Qualität in unserer Mannschaft steckt – aber auch, dass das mit viel Arbeit verbunden ist. Wir haben uns in der Hinrunde sehr erwachsen verkauft, auch wenn viele unserer Spieler auf diesem Niveau noch nicht gespielt hatten. Dennoch können wir uns weiter verbessern, das ist auch das Ziel.
Wie erleben Sie Trainer Ole Werner?
Er zeichnet sich durch Ruhe, Klarheit und Gelassenheit aus. Er ist ein Trainer, der die Spieler und auch sich selbst weiterentwickeln möchte. Wir ziehen alle an einem Strang und haben ein klares Ziel vor Augen. Daher passt das gut.
Bleibt der Ligaerhalt das Ziel?
Unser Ziel muss es weiterhin sein, schnellstmöglich 40 Punkte zu holen. In der Rückrunde wird es nochmal schwieriger werden als in der Hinrunde. Vielleicht wurden wir ein Stück weit unterschätzt. Das wird jetzt nicht mehr vorkommen.
Derzeit ist der fragliche Verbleib von WM-Teilnehmer Niclas Füllkrug das bestimmende Thema in Bremen. Wie geht das Team damit um?
Grundsätzlich sind wir alle gelassen. Wir wissen von keinen Verhandlungen. Wir hören nur, was passieren könnte. Deshalb gehen wir eigentlich davon aus, dass er im Winter hierbleibt. Was dann in der nächsten Transferperiode im Sommer passiert, weiß man sowieso nicht.
Wie ist Ihr Eindruck?
Wir wissen, wie wohl sich Fülle in Bremen fühlt und wie er arbeitet. Er verhält sich nicht wie ein Spieler, der weg möchte. Sondern wie jemand, der der Mannschaft weiterhelfen möchte. Aber: Im Fußball weiß man nie, manchmal kann es ganz schnell gehen. Ich gehe jedoch davon aus, dass Fülle gegen Köln spielen wird (schmunzelt).
Fürchten Sie sich vor einem Füllkrug-Abgang?
Wenn es dazu kommen sollte, wäre das natürlich ein Verlust. Wir alle wollen, dass Fülle bei uns bleibt. Als Mitspieler können wir das jedoch nicht beeinflussen.

