Vor dem Spiel am Samstag steht der 1. FC Köln nicht mehr so gut da, wie erhofft. Doch ein Sieg könnte einen echten Sprung in der Tabelle bedeuten. Ein gutes Gefühl, das 60 Tage halten könnte.
Bundesliga gegen Hertha BSC1. FC Köln will am Samstag die 20 Punkte knacken

Wieder auf dem Trainingsplatz, aber kein Startelfkandidat: Der am Oberschenkel bandagierte FC-Abwehrchef Timo Hübers (l.).
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Die Tabelle lügt nicht. Sie mag die Gründe für das sportliche Abschneiden verschweigen, beschreibt aber exakt, in welcher Lage sich eine Mannschaft befindet. Der 1. FC Köln stand in der Hinrunde der Fußball-Bundesliga lange Zeit gut da, für seine Möglichkeiten sogar sehr gut. Vor dem letzten Spiel des Jahres am Samstag (15.30 Uhr/Sky) bei Hertha BSC, sind die Geißböcke aber so weit abgerutscht, dass sich für das letzte Spiel des Jahres die Frage stellt, mit welchem Gefühl sie in die zweimonatige WM-Pause gehen werden.
Mit einem Sieg könnte das Team von Trainer Steffen Baumgart nicht nur den Vorsprung auf den Tabellen 16. aus der Hauptstadt auf neun Punkte vergrößern, es ist auch ein größerer Sprung nach oben im Ranking möglich. Im Falle einer Niederlage wären es nur noch drei Punkte auf die Hertha und die Abstiegszone käme bedrohlich nahe. Es gibt Angenehmeres, als ein solches Szenario 68 Tage lang mit sich rumzuschleppen.
FC-Trainer Steffen Baumgart glaubt an seine Mannschaft
Baumgart hat dies sicher im Blick, nervös macht es ihn aber keineswegs. Er glaubt trotz aller Schwierigkeiten an sein Team und ist von dessen Leistungsstärke fest überzeugt. Hätte es einen Beweis gebraucht, lieferten ihn seine Spieler am Mittwoch im Derby gegen Leverkusen – trotz der unglücklichen 1:2-Niederlage: „Wir setzen uns Ziele und wollen vor der Pause noch Punkte holen. Ich sehe uns in der Lage, in Berlin ein gutes Spiel zu zeigen und mit Punkten nach Hause zu fahren.“
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Weil der FC-Trainer immer damit rechnet, dass ein Fußballspiel nicht vorherzusehen ist, und er die Hertha für stärker hält, als es der Tabellenstand vermuten lässt, kalkuliert er einen Misserfolg mit ein. Ein solcher würde ihm mit Blick auf die restlichen 19 Spieltage aber auch keine größeren Sorgen bereiten: „Wenn die Mannschaft so weiter arbeitet und spielt, wird es nicht auf dieses Spiel ankommen und wir werden erfolgreich sein.“
Baumgart: Der FC blickt auf ein hartes Pensum zurück
Zumal der Kader nach der WM-Pause nicht nur wieder komplett, sondern auch ausgeruhter und vorbereitet in die Spiele gehen kann. „Wir haben ein Halbjahr erlebt, was wir so bisher noch nicht hatten. Das Pensum war schon sehr hoch“, sagte Baumgart. Er machte keinen Hehl daraus, dass ihn die durch die Winter-WM in Katar produzierte Terminhatz mit Conference League und Bundesliga nicht gerade glücklich mache: „Der FC war vor fünf Jahren ja auch im Europapokal, aber das Pensum damals ist mit dem in diesem Jahr null vergleichbar. Es gibt gefühlt keine Ruhephasen mehr und dann wird so eine künstliche Pause geschaffen. Das passiert, wenn nicht die gefragt werden, die damit zu tun haben, sondern andere es aus dem Büro heraus entschieden, die kein Gefühl mehr dafür haben, was wir Fußballer machen“, übte der 50-Jährige deutliche Kritik an der WM-Vergabe nach Katar.
Mit den 17 Punkten ist der Trainer angesichts der Umstände nicht unzufrieden, aber auch nicht ganz glücklich: „Wir stehen nicht so schlecht da. Wir haben aber schon viel liegenlassen und könnten besser dastehen. Statt im oberen, was möglich gewesen wäre, halten wir uns im unteren Tabellendrittel auf. Ein Sieg in Berlin wäre wichtig .“
Der FC reist mit einer Serie von vier sieglosen Spielen, in denen er nur zwei Tore erzielt hat, ins Olympiastadion. Gerade gegen Leverkusen gab es ausreichend klare Chancen. In der Offensive waren aber weder Sargis Adamyan noch der eingewechselte Steffen Tigges in der Lage, sie zu nutzen. Während Adamyan wohl zunächst wieder auf der Bank sitzen wird, dürften Tigges und auch der Ex-Herthaner Ondrej Duda in die Anfangsformation zurückkehren.
Abwehrchef Timo Hübers stand nach seinem Pferdekuss beim 0:2 in Freiburg am Freitag zwar wieder auf den Trainingsplatz, als Startelfkandidat sieht ihn Steffen Baumgart „aber eher nicht“. Fraglich bleibt der Einsatz von Benno Schmitz (Sprunggelenk). Sollte der Rechtsverteidiger ausfallen, stünde Derby-Unglücksrabe Kingsley Schindler bereit. „Ich kann mich auf beide verlassen“, sagte Baumgart und erklärte den Grund für mögliche personelle Veränderungen allein auf Basis der extrem hohen Belastung der vergangenen Wochen: „Es geht um Frische, denn Anpassungsprobleme haben wir nicht, egal wer reinkommt.“
Voraussichtliche Aufstellungen: Hertha BSC: Christensen; Kenny, Rogel, Kempf, Plattenhardt; Sunjic , Tousart, Serdar; Lukebakio, Kanga, Ejuke. - 1. FC Köln: Schwäbe; Schindler, Kilian, Soldo, Hector; Skhiri, Martel; Duda, Kainz; Maina, Tigges.

