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Interview

Youth League-Spiel des 1. FC Köln
„Eine Riesenbühne für Spieler und Verein“

4 min
Markus Halfmann sitzt auf der Tribüne.

Markus Halfmann

Die FC-Akademie und ihr Leiter Markus Halfmann fiebern dem Youth League-Spiel gegen Inter Mailand entgegen. Ein Gespräch mit dem neuen Akademie-Leiter Markus Halfmann

Die Nachwuchsabteilung des 1. FC Köln steht vor dem größten Spiel ihrer Geschichte: 50.000 Zuschauer werden am Mittwoch das Achtelfinale in der Uefa Youth League gegen Inter Mailand sehen. Daniel Mertens hat vor diesem Höhepunkt mit dem neuen Akademie-Leiter Markus Halfmann gesprochen.

Herr Halfmann, wie groß ist die Vorfreude auf das Spiel gegen Inter Mailand?

Sehr groß. Dass unsere Fans das Stadion ausverkauft haben, ist eine Riesensache. Da ist die Vorfreude natürlich bei allen ziemlich groß.

Was bedeutet eine solche Kulisse für die Strahlkraft des 1. FC Köln, gerade im Nachwuchsbereich?

Das ist überragend. Es ist eine Riesenbühne für die Spieler, für uns als Akademie und für den Verein. Es geht darum, ein tolles Event abzuliefern und Werbung für uns zu machen. Uns ging es nicht um zusätzliche Zuschauer-Einnahmen, deswegen haben wir die Eintrittspreise auch bewusst niedrig angesetzt.

Wie wirken sich die Deutsche Meisterschaft aus dem Vorjahr und der aktuelle Europa-Höhenflug im Kampf um die besten Talente aus?

Das hat natürlich eine Wirkung. Wir sind inzwischen eine sehr renommierte Adresse, was Talentförderung angeht. Das sind aber nicht nur die Erfolge, die die U19 erzielt, sondern auch die Anzahl der Debüts, die bei den Profis stattfinden. Ich denke, das hat unsere Anziehungskraft erhöht. Ich kann aber auch sagen, dass wir bereits sehr gute Mannschaften in der Akademie haben und deswegen im kommenden Sommer auch keine 20 oder 30 neuen Spieler holen müssen. Deswegen können wir mit einem hohen Anspruch die Auswahl der nächsten Talente angehen und da ist unser gutes Standing hilfreich.

Wie ist die Stimmung in der Geschäftsstelle vor dem Akademie-Highlight?

Wir freuen uns total drauf. Es werden logischerweise alle anwesend sein. An dem Abend wird kein Training stattfinden, wir kommen mit allen Mannschaften ins Stadion. Die Eltern sind eingeladen. Und wir erhalten Unterstützung aus den Abteilungen, die solche Veranstaltungen im Zwei-Wochen-Rhythmus durchführen und deswegen routiniert sind.

Wie nehmen Sie die Spieler der U19 aktuell wahr?

Man merkt, dass die Jungs eine hohe Eigenmotivation mitbringen, konzentriert sind und fleißig arbeiten. Jeder hat das Highlight vor Augen. Jeder brennt in den Trainingseinheiten darauf, sich zu beweisen, um dabei zu sein. Es ist eine sehr konzentrierte und professionelle Atmosphäre, was unsere Trainer natürlich sehr freut.

Wie schätzen Sie die Chancen auf ein Weiterkommen ein?

Das kann man seriös kaum beantworten. Inter Mailand hat eine starke U19-Mannschaft. Aber es gibt viele Unbekannten. Mit welchem Kader reisen sie an? Auch dort gibt es Spieler, die sich nahe an der Profi-Mannschaft bewegen. Wie reagieren beide Mannschaften auf eine solche Atmosphäre im Stadion? Welche Dynamik gibt es im Spielverlauf? Wie reagieren unsere Fans? Wir haben aber auf jeden Fall gute Chancen und machen uns nicht kleiner, als wir sind. Wir sind der deutsche Meister und haben 50.000 Leute im Rücken. Ob das am Ende reicht, wird sich zeigen.

Mit Fynn Schenten gibt es aktuell einen Spieler, der aus dem U19-Jahrgang herausragt und zum Bundesliga-Kader gehört. Wie begleiten Sie einen solchen Spieler bei seinem Aufstieg?

Wahrscheinlich muss man einen Spieler in solchen Phasen weniger begleiten als in Phasen mit schweren Verletzungen, oder wenn er sich mal nicht so zeigen kann. Ihm geht es aktuell sehr gut. Sascha Bigalke begleitet als unser Fokusspieler-Entwickler alle Talente eng. Er steht nach wie vor mit Fynn im Austausch. Ansonsten sind die Cheftrainer die wichtigsten Ansprechpartner, also aktuell Lukas Kwasniok und, wenn Fynn zum Youth-League-Kader stößt, Stefan Ruthenbeck.

Mit Fynn Schenten und Youssoupha Niang haben zwei weitere Talente ihre Bilder in der Hall of Fame jener Spieler in der Akademie aufgehängt, die das Debüt im Profi-Kader geschafft haben. Es dürfte allmählich eng werden?

Wir renovieren hier gerade. Der Platz geht uns nicht aus. Wir haben kürzlich bei Fynn und Youss mit allen Mitarbeitern zusammengestanden, das war eine große Runde. Es sind eine ganze Reihe von Trainern, die mit den Jungs gearbeitet haben. Dazu kommen Athletiktrainer, Physiotherapeuten, bis hin zum Fahrdienst. Das macht klar, wie viele Leute ihren Anteil daran haben. Man sieht von außen immer nur die letzten Schritte der Jungs, die auch die entscheidenden sind. Aber es gibt einen großen Vorlauf.

Wie fällt Ihr persönliches Zwischenfazit nach Ihrem ersten halben Jahr im neuen Amt als Leiter der FC-Akademie?

Es ist vor allem ein intensives Gefühl, weil so viele Dinge gleichzeitig passieren. Gerade sind wir auch mitten in der Vorbereitung auf die neue Saison. Hier geht es um viele Personalfragen, die unsere Mitarbeiter und Spieler betreffen. Da sind die Tage sehr voll. Wir sind aber eine gut geölte Maschinerie, es läuft sehr rund. Die sportlichen Erfolge helfen uns, sie tragen uns durch den Alltag.

Welche Ziele und Projekte würden Sie gerne kurz- und mittelfristig realisieren?

Da geht es unter anderem um das Thema Infrastruktur. Wir brauchen dringend mehr Platz für den Trainings- und Spielbetrieb unserer Teams. Das betrifft auch unsere weibliche Akademie. Wenn man hier über die Flure geht, ist zu erkennen, dass sich beim Umbau des Geißbockheims schon einiges bewegt. Hinzu kommen Themen wie unsere Neuausrichtung im Kinderfußball. Und natürlich geht es auch viel um die Verträge von Spielern, denen wir ein hohes Potenzial zuschreiben. Da bin ich sehr eingebunden. Es wird bestimmt nicht langweilig werden.