Bayer 04 Leverkusen ist gleich zum Bundesliga-Auftakt den hohen Erwartungen mit einem 3:2 gegen RB Leipzig gerecht geworden.
3:2 gegen LeipzigLeverkusen setzt gleich ein Statement

Jeremie Frimpong freut sich mit Arthur (r.) über Leverkusens Treffer zum 1:0 gegen RB Leipzig.
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Sekunden zuvor hatte er die BayArena erstmals an diesem tropisch heißen August-Nachmittag in Ekstase versetzt. Als seine Mitspieler nach der Jubelarie schon wieder in Richtung eigene Spielfeld-Hälfte unterwegs waren und die Profis von RB Leipzig ihren Anstoß vorbereiteten, hatte Jeremie Frimpong noch etwas Wichtiges zu erledigen.
Der Torschütze zum 1:0 lief schnurstracks zur Auswechselbank und dort in die Arme von Arthur. Der Stammspieler und sein seit Sommer bei Bayer 04 Leverkusen aufstrebender Vertreter, strahlten um die Wette und versanken kurz in eine innige Umarmung.
„Das ist bestimmt nicht bei jedem so“, ordnete Simon Rolfes die Szene nach dem fulminanten 3:2 (2:1)-Heimsieg gegen den Pokalsieger aus Sachsen ein. Wohl wissend, dass seine beiden Flügelflitzer um den gleichen Platz im Team konkurrieren, hob der Geschäftsführer den „guten Teamspirit“ heraus. Das erste Ausrufezeichen der neuen Bundesliga-Saison konnte die Werkself nur solidarisch und mit gemeinsamem Fokus auf den Erfolg setzen. Gepaart mit Xabi Alonsos klugen Schachzügen vor und während des Spiels, ist Bayer 04 die aktuell heißeste Aktie der Bundesliga 2023/24.
Alonso überrascht mit Dreierkette
Aus seinem Viererketten-System vom 8:0-Pokalerfolg in Ottensen hatte der spanische Chefcoach eine 3:4:2:1-Formation gemacht und düpierte die Leipziger eine Woche nach deren Supercup-Sieg gegen den FC Bayern. Mit Jonathan Tah, Odilon Kossounou und Edmond Tapsoba kontrollierten die Hausherren das zentral angelegte Offensivspiel der Sachsen. Dass RB-Coach Marco Rose nach dem 3:0-Triumph im Supercub bei Bayern München keine Wechsel vornahm, überraschte nicht. Genauso wenig, wie die Spielanlage: „Wir haben erwartet, dass es ein bisschen Ruhe im Aufbau gibt“, verriet Jonas Hofmann.
Als einer von vier Neuzugängen in der Startelf hatte der Ex-Gladbacher Jonathan Tahs Kopfballtreffer mit seinem Eckstoß vorbereitet und Teil von Bayers dominantem Ballbesitzspiel. „Da haben wir gute Lösungen gefunden, auch wenn wir gepresst wurden“, befand der 31-Jährige. Um gegnerische Drucksituationen aufzulösen, war zudem Granit Xhaka ein wichtiger Faktor. Sieben Jahre und drei Monate nach seinem letzten Bundesliga-Spiel (damals für Gladbach) wirkte der Ex-Kapitän von Arsenal London als großer Stabilisator im Zentrum.
Sonderlob für Neuzugang Victor Boniface
Ein Sonderlob verdiente sich auch Victor Boniface. Der neue Stürmer aus Belgien behauptete sich oft gegen mehrere RB-Verteidiger. „Die Bälle da zu halten, ist enorm wichtig für unsere Spielentwicklung“, stellte Rolfes klar. Der Geschäftsführer hätte dem 22-Jährigen ein eigenes Tor gegönnt, konnte aber auch mit dessen Flachpass auf Frimpong vor dem 1:0 gut leben (24.). Zwei Minuten nach Tahs erfolgreichem Kopfball zum 2:0 (35.), hätte Boniface beinahe das dritte Tor nachgelegt, köpfte aber zu zentral.
Instabil wirkte die Werkself nur bei David Raums Eckstoß und Dani Olmos Kopfball zum 1:2 (40.). Gleich nach der Pause hatte Florian Wirtz das 3:1 auf dem Fuß, scheiterte aber an Keeper Blaswich (48.). Eine gute Viertelstunde später traf Bayers neue Nummer 10 aber mit einem glücklich übers eigene Standbein angesetzten Heber unter die Latte (64.).
Gut, dass ihm nichts Schlimmes passiert ist.
Nach dem 3:1 kehrte im weiten Rund gespenstische Ruhe ein. Da ein Zuschauer beim Torjubel vom Zaun der Nordkurve gestürzt war und medizinisch versorgt werden musste, gab es 20 Minuten keinen Support. „Gut, dass ihm nichts Schlimmes passiert ist“, sprach Jonas Hofmann über die leichte Gehirnerschütterung und Platzwunde des Fans und ergänzte: „es war dann aber ein anderes Spiel, ein bisschen hat es an Corona zurückerinnert.“
Ohne akustischen Support verlor die Alonso-Elf die Spannung und ihre komfortable Führung. Nach Lois Opendas Kopfballtreffer zum 2:3 (71.) hatte der Belgier auch das 3:3 auf dem Fuß, beförderte Frimpongs unfreiwillige Vorlage aus der Drehung aber an den Pfosten statt ins leere Tor (74.). Da sich sein Kumpel bei dieser Aktion am Hals verletzt hatte, musste Arthur für Frimpong einspringen. Und der 20-jährige Brasilianer verteidigte die ersten drei Bundesliga-Punkte leidenschaftlich. „Alle, die fürs Team arbeiten und sich verbessern wollen, werden ihre Spielzeiten bekommen“, hielt Simon Rolfes abschließend fest, „das ist wichtig für eine erfolgreiche Saison.“
Stanisic könnte kommen
Bayern Münchens Josip Stanisic steht Medienberichten zufolge vor einem Wechsel zu Bayer Leverkusen. Wie die „Süddeutsche Zeitung“ und „Sky Sport News“ berichteten, soll der 23 Jahre alte Abwehrspieler an die Rheinländer verliehen werden. Leverkusens Sportchef Simon Rolfes bestätigte den Transfer nicht direkt, sprach aber von der grundsätzlichen Suche auf der Position. „Es ist kein Geheimnis, dass wir hinten noch was machen wollen“, antwortete Rolfes auf die Frage nach Stanisic. „Wer es dann wird, werdet ihr erfahren.“ Er könne erst etwas bestätigen, „wenn es final ist“. Der Verein sei „guter Dinge“, die Suche nach einer Verstärkung abzuschließen, so Rolfes. (dpa)
