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Analyse zur Niederlage gegen 1. FC KölnEin Akt der Selbstzerstörung

4 min
Dragovic FC Leverkusen

Schiedsrichter Manuel Gräfe zeigt Leverkusens Aleksandar Dragovic die Gelb-Rote Karte.

  1. Bayer 04 Leverkusen hat sich die 0:2-Derbyniederlage selbst eingebrockt.
  2. Die kam nicht nur einer Sensation, sondern einem Akt der Selbstzerstörung gleich.
  3. Eine Analyse.

Köln – Peter Bosz hatte genug. Wirklich genug. Der Trainer von Bayer 04 Leverkusen schnappte sich an der Seitenlinie den Ball, schaute grimmig in Richtung Schiedsrichter Manuel Gräfe und machte klar, dass dieser unglückselige Nachmittag für ihn und seine Mannschaft ein Ende finden musste, bevor die Nachspielzeit abgelaufen war. Gräfe, der sechs Minuten draufgelegt hatte, verstand und pfiff im Jubelorkan der Fans des 1. FC Köln ab. Die 0:2-Derbyniederlage, die sich Bayer 04 beim Tabellenletzten der Fußball-Bundesliga eingebrockt hatte, kam nicht nur einer Sensation sondern einem Akt der Selbstzerstörung gleich.

„Wir waren schlecht. Wir müssen nicht zum Schiedsrichter, nicht auf den Platz, nicht auf den Gegner gucken. Sondern nur auf uns selbst“, erklärte Bosz höchst unzufrieden: „Wir haben eine Mannschaft, die richtig gut Fußball spielen kann, das haben wir aber hier nicht gemacht.“

Nach den beiden 2:1-Siegen in München und gegen Schalke erlebten die Leverkusener nicht nur einen Rückfall in Zeiten des eigenen Hochmuts, die Jungs von Peter Bosz hatten auch vor dem Spiel nicht richtig zugehört: „Zwei Dinge haben wir besprochen, die wir nicht machen dürfen: dumme Fouls und provozieren lassen. Beides haben wir gemacht“, schimpfte Bayer-Sportvorstand Rudi Völler. Bei allem Respekt vor den Kölner Möglichkeiten ein Fußballspiel gewinnen zu können, sei Bayer voll auf die Masche des FC reingefallen und hätte sich neben der rätselhaften Abstinenz ihrer spielerischer Klasse auch maximal „unclever“ angestellt: „Elf gegen elf geht das 0:0 aus und alle sagen, es gab schon schönere Derbys“, spielte Völler auf die beiden Platzverweise gegen sein Team an.

Rekorde

Toller Rekord für Kai Havertz: Im Derby gegen den 1. FC Köln absolvierte der Nationalspieler schon sein 100. Bundesligaspiel für Bayer 04 Leverkusen und ist damit im Alter von 20 Jahren und 186 Tagen der jüngste Erstliga-Profi, der diese Marke erreicht hat. Zuvor hielt Timo Werner (aktuell RB Leipzig) diesen Rekord.

Trauriger Rekord für die Werkself: Die Platzverweise gegen Aleksandar Dragovic und Leon Bailey waren die Nummern 76 und 77 in der 1379 Spiele alten Bundesliga-Historie (41. Saison) von Bayer 04. Kein anderer Bundesliga-Club sah öfter „Rot“, obwohl zehn Vereine zum Teil deutlich mehr Spiele absolviert haben (z.B. Bayern München mit 1855 oder der 1. FC Köln mit 1609). Großen Anteil am Leverkusener Negativrekord hat übrigens Jens Nowotny, der neben Luis Gustavo (Bayern und Wolfsburg) der Bundesligaspieler mit den meisten Platzverweisen (8) ist. (sam)

Die Gelb-Rote Karte gegen Innenverteidiger Aleksandar Dragovic (62.) fußte allerdings auf einer Fehlentscheidung von Manuel Gräfe. Obwohl das Foul von Kölns Dominick Drexler kam, kassierte Dragovic Gelb (42.). „Ich habe nur den Ball gespielt. Das hat der Schiedsrichter später auch gesagt, er hat sich entschuldigt“, berichtete der Österreicher. Trotz der ungerechtfertigten Verwarnung war Dragovic vorbelastet. Und wer vorbelastet ist, darf sich eben ein zweites Foul wie das rüde Einsteigen gegen Jhon Cordoba nicht leisten.

Die einfache Leverkusener Unterzahl ebnete Köln den Weg zu Cordobas 1:0 (73.). Erst die doppelte ab der 77. Minute machte es dem FC aber möglich, die Sensation zu landen. Der eingewechselte Leon Bailey hatte Kingsley Ehizibue bei einem Gerangel ins Gesicht gelangt und sah zum zweiten Mal in dieser Saison nach einer Tätlichkeit glatt Rot. „Zu zehnt ist es schwer, zu Neunt unmöglich. Das war ein Bärendienst und dumm. Ich erwarte eine Entschuldigung“, sagte Kapitän Lars Bender in Richtung des undisziplinierten Jamaikaners. Bailey hat offensichtlich trotz seines begnadeten Talents ein tiefer sitzendes Problem und benötigt Hilfe. Schon nach seinem Revanchefoul am zehnten Spieltag in der Nachspielzeit gegen Gladbachs Patrick Hermann hatten Leverkusens Offizielle nur den Kopf geschüttelt: „Bei ihm fehlen wir etwas die Worte“, wusste selbst Rudi Völler nicht weiter.

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So schlug sich die Werkself selbst: „Das war eigene Blödheit. Die zwei Rote Karten stellen das Spiel auf den Kopf. Das war die einzige Möglichkeit, wie Köln uns schlagen kann“, haderte Kai Havertz. Der Jubilar räumte weitere Unzulänglichkeiten ein: „Wir haben zu lange den Ball gehalten, waren nicht kreativ und nicht klar im Kopf.“

Anstatt also in der Tabelle oben dran zu bleiben, erlebte Bayer ausgerechnet im Derby einen unerwarteten Rückschlag. „Das war keine Müdigkeit wegen des Juve-Spiels. Vielleicht haben wir gedacht, dass es einfach so geht und machen uns deshalb die Vorrunde kaputt“, meckerte Torwart Lukas Hradecky. Na ja, zwei Spiele gibt es noch und die schnelle Möglichkeit, das selbst zerstörte wieder aufzubauen: „Am Mittwoch geht es Gott sei Dank schon gegen Hertha weiter“, tröstete sich Rudi Völler.