13 Punkte Vorsprung für LeverkusenTitelgewinn ist nur noch eine Frage des Zeitpunkts

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Wieder spätes Glück. Leverkusens Patrik Schick bejubelt seinen 2:1-Siegtreffer in der Nachspielzeit gegen die TSG Hoffenheim.

Wieder spätes Glück. Leverkusens Patrik Schick bejubelt seinen 2:1-Siegtreffer in der Nachspielzeit gegen die TSG Hoffenheim.

Bayer 04 Leverkusen steht vor dem Gewinn seiner ersten Deutschen Meisterschaft. Der Werksclub benötigt nur noch drei Siege.

Es gehört sich eigentlich nicht, Glückwünsche auszusprechen, bevor sie definitiv ihre Berechtigung haben. Bei Thomas Tuchel saß der Stachel der Enttäuschung am Samstagabend nach der 0:2-Heimpleite gegen Borussia Dortmund aber wohl so tief, dass der Trainer des noch amtierendes Meisters FC Bayern München Bayer 04 Leverkusen schon mal vorab gratulierte.

Bei 13 Punkten Vorsprung der Werkself und sieben ausstehenden Spielen der Bundesliga-Saison 2023/24 wollte niemand Tuchel widersprechen. Außer natürlich Xabi Alonso: „Es ist wieder ein Spiel weniger und unsere Situation ist noch besser. Aber wir haben noch ein Stück zu gehen“, erklärte der Leverkusener Erfolgstrainer direkt nach dem mitreißenden 2:1-Heimsieg seiner Mannschaft gegen die TSG Hoffenheim und damit sogar noch vor dem nächsten Aussetzer der Bayern am Samstagabend.

1. FC Köln kann Bayer 04 zum Meister machen

Weit zu gehen ist es nicht mehr für Bayer 04, das mit 73 Punkten schon nach 27 Spieltagen einen neuen Bundesliga-Vereinsrekord aufgestellt hat. Drei Siege benötigt der Werksclub noch, um den ersten Meistertitel seiner Clubgeschichte perfekt zu machen.   Es wäre also am 30. Spieltag so weit sein, wenn   die Alonso-Elf in Dortmund antritt.

  Sollten die Bayern auch kommendes Wochenende in Heidenheim patzen, könnte es sogar schon am 29. Spieltag geschehen. Ausgerechnet der 1. FC Köln kann seinen ungeliebten Nachbarn dann zum Meister machen, wenn er am 13. April in München antritt und gewinnt.

Der Titelgewinn der Leverkusener ist tatsächlich nur noch eine Frage des Zeitpunkts. Die letzten Zweifel räumte der Tabellenführer am Samstag gegen Hoffenheim aus. Bis zur 88. Minute sah es nach dem 0:1 von Jung-Nationalspieler Maximilian Beier (33.) nach der ersten Niederlage im 39. Pflichtspiel der Saison aus.

Unbändiger Wille, unbändiger Glaube an uns und unsere Abläufe.
Robert Andrich, Leverkusens Torschütze zum 1:1

Als Borja Iglesias auf dem Zenit des Leverkusener Sturmlaufs nur die Latte getroffen hatte (87.), schien der Nimbus zerstört, das Glück der späten Tore und Siege aufgebraucht. Doch dann kam Robert Andrich (88.) und drei Minuten später noch „Mister Nachspielzeit“ Patrik Schick und verwandelten die BayArena mit ihren Treffern in einen vor Freude überkochenden Hexenkessel.

„Unbändiger Wille, unbändiger Glaube an uns und unsere Abläufe“, umschrieb Andrich etwas, was eigentlich gar nicht in Worte zu fassen ist. Es war in dieser Saison bereits der fünfte Bundesligasieg von Bayer 04 in der Nachspielzeit und auch im Pokal und in der Europa Legaue zeigte „Vizekusen“ diese Sieger-Mentalität. „Das haben wir in dieser Saison erschaffen. Robs Tor war der Schlüssel, um den Glauben noch stärker werden zu lassen“, sagte Xabi Alonso.

Fans feiern Trainer Xabi Alonso

Der Vater des Erfolgs hatte einen Tag vor dem Spiel die Euphorie an der Dhünn vergrößert, als er verkündete, dass er mindestens eine weitere Saison Trainer von Bayer 04 bleibt. Die Fans feierten den Spanier dafür vor und nach der Partie am Samstag und dankten ihm mit lauten, nicht enden wollenden „Xabi, Xabi“-Sprechchören. „Jetzt gibt es keine Spekulationen mehr und wir haben eine klare Zukunft“, freute sich Siegtorschütze Schick.

Auch Geschäftsführer Simon Rolfes äußerte sich zu Alonsos Bekenntnis: „Ich war im regen Austausch mit Xabi und habe ein Gefühl dafür entwickelt, in welche Richtung es geht“, zeigte sich Rolfes zwar wenig überrascht, aber hocherfreut: „Dass er ein begehrter Trainer ist, ist kein Geheimnis. Dass er sich trotzdem für den Verein, die Mannschaft, das Arbeiten hier entschieden hat und an die Entwicklung glaubt, ist für uns ein hervorragendes Zeichen.“

Wir probieren es bis zum Schluss, mit jeder Aktion. Das zeichnet das Team auf eine unglaubliche Art und Weise aus.
Simon Rolfes, Geschäftsführer Sport

Der Sportchef zeigte sich zudem beeindruckt von der „unglaublichen Moral“ der Mannschaft: „Wir probieren es bis zum Schluss, mit jeder Aktion. Das zeichnet das Team auf eine unglaubliche Art und Weise aus.“ Es war beispiellos, mit welcher Ruhe Florian Wirtz und Jonathan Tah Andrichs Ausgleich kurz vor Schluss vorbereiteten — in einem Moment, in dem fast alle glaubten, dass die Erfolgsserie reißen würde.

Das Leverkusener 2:1 dürfte auch ein Grund für die Niederlage der Münchner gegen den BVB gewesen sein und bietet Bayer 04 nun sogar die Möglichkeit im Saison-Endspurt mit den körperlichen und mentalen Kräften haushalten zu können. Sollte der Werkself am Mittwoch im Halbfinale des DFB-Pokals ein Sieg über Zweitligist Fortuna Düsseldorf gelingen, kann sie das größte Augenmerk auf den aktuell wohl schwierigsten Wettbewerb, die Europa League legen.

Dort steht am 11. und 18. April das Viertelfinale gegen West Ham United an. „Wir wollen noch einiges erreichen“, gab Robert Andrich die Marschroute vor. Damit nach dieser Saison alle Bayer 04 Leverkusen ihre Glückwünsche aussprechen können. Am liebsten natürlich zu drei Titeln.

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