Bayer überrollte die Gäste aus der Hauptstadt und steht nach elf Spieltagen weiterhin ungeschlagen an der Spitze der Bundesliga.
4:0-Sieg gegen Union BerlinBayer Leverkusen verteidigt souverän die Tabellenführung

Bayer Leverkusens Verteidiger Odilon Kossounou (m.r.) bejubelt mit seinen Teamkollegen das 2:0 gegen Union Berlin.
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Es hat sich nach zehn Spieltagen der Bundesliga-Saison 2023/24 längst herumgesprochen, welch außergewöhnlicher Fußballer und Kunstschütze Alejandro Grimaldo ist. Der Linksverteidiger von Bayer 04 Leverkusen wurde nicht umsonst unter der Woche im zarten Alter von 28 Jahren erstmals in den Kader der spanischen Nationalmannschaft berufen.
Um die Klasse Grimaldos zu wissen ist dann das eine, sie erfolgreich zu bekämpfen das andere — und aktuell fast nicht möglich. Diese Erfahrung musste am Sonntag auch der 1. FC Union Berlin machen, denn Grimaldo war es, der den ungefährdeten 4:0 (1:0)-Heimsieg der Werkself mit einem seiner kaum zu fassenden Präzisionsschüsse einleitete.
Mit dem 16. Sieg im 17. Pflichtspiel der Saison verteidigte Leverkusen nicht nur die Tabellenführung vor dem FC Bayern München, sondern stellte auch einen Bundesliga-Rekord der Münchner ein, die in der Spielzeit 2015/16 unter Pep Guardiola ebenfalls 31 Punkte aus den ersten elf Partien einfuhren. Mit dabei als Bayern-Spieler damals war übrigens ein gewisser Xabi Alonso, aktuell Erfolgstrainer in Leverkusen.
Grimaldo knackt den Abwehr-Riegel
Es lief die 23. Minute. Bayer 04 hatte 72 Prozent Ballbesitz gegen die Eisernen generiert, aber noch keine entscheidende Lücke im 5:4:1-Riegel der Gäste finden können. Dann störte Florian Wirtz Alex Kral im Aufbauspiel, gelangte an den Ball und fand Grimaldo auf halblinks. Der Spanier schaute, nahm Maß und setzte das Spielgerät aus 17 Metern mit links genau in die Lücke zwischen die Hand des fliegenden Union-Keepers Frederik Rönnow und Latte ins rechte obere Eck.
Das sechste Saisontor des Linksverteidigers drückte die maßlose Überlegenheit der Werkself gegen hilf- und machtlose Berliner aus. Union kam nur unter größten Anstrengungen aus der eigenen Hälfte heraus. „Es war ein Klassenunterschied“, stellte Gästecoach Urs Fischer nach dem Spiel ernüchtert fest. Niemand musste sich mehr fragen, warum die Köpenicker mit 13 sieglosen Pflichtspiele in Serie und 329 Minuten ohne Bundesliga-Tor nach Leverkusen gereist waren. Schon zur Pause hätte die Alonso-Elf höher führen müssen. Rönnow stand bei Großchancen von Jeremie Frimpong (27.), Victor Boniface (30.) und Wirtz dem 2:0 aber dreimal im Weg.
Kossounou sorgt für die Vorentscheidung
Die Hausherren imponierten vor 29.387 Zuschauern in der BayArena nicht nur durch ihr variables Spiel mit Ball, sondern auch durch ihre geschlossene Arbeit gegen den Ball und ihr überragendes Gegenpressing. Eine Fähigkeit, die zu Beginn der zweiten Hälfte intensiver gefragt war, denn Union wagte sich weiter nach vorne. Bayer blieb defensiv aber höchst konzentriert und schlug dann mit einem Standard zu. Jonas Hofmann brachte eine zu Unrecht gegebene Ecke auf den langen Pfosten, wo Odilon Kossounou unwiderstehlich einlief und aus kurzer Distanz im 95. Pflichtspiel für Leverkusen sein erstes Tor erzielte (57.).
Das 2:0 zog Union den Stecker und Frimpong hätte beinahe das 3:0 nachgelegt (58.). Der dritte Treffer fiel dann wieder nach einem Standard, bislang nicht gerade die Spezialität von Bayer. Nach einer Grimaldo-Ecke kam Jonathan Tah am zweiten Pfosten an den Ball und zauberte ihn aus der Drehung mit rechts unters Tordach.
Der Tabellenführer hatte längst noch nicht genug und verschärfte die Situation von Urs Fischer und seiner Mannschaft. Das aus einer Co-Produktion der Joker Amine Adli und Nathan Tella entstandene Bundesliga-Premierentor Tellas zum 4:0 (83.) bedeutete nichts anderes, als dass der 1. FC Köln die Rote Laterne an den Champions League-Teilnehmer aus Berlin weiterreichen durfte. Für Union war es die neunte Bundesliga-Niederlage am Stück.
Hofman mahnt: „Dürfen jetzt nicht anfangen zu träumen!“
Bayer 04 Leverkusen ließ sich gebührend von seinen Fans feiern, schwimmt weiter unbeirrt auf der Erfolgswelle und eilt unter Xabi Alonso von Rekord zu Rekord. Nächstes Opfer der Werkself könnte in zwei Wochen Werder Bremen werden.
„Viele haben erwartet, dass wir nach der anstrengenden Reise in der Europa League nach Aserbaidschan heute straucheln könnten. Wir wollten es allen zeigen und waren von Anfang an voll da“, erklärte Jonas Hofmann.
Der zehnte Sieg im elften Ligaspiel schraubt die Erwartungen an das Alonso-Team derweil weiter nach oben: „Wir dürfen jetzt nicht anfangen zu träumen und nicht auf das achten, was von außen kommt. Wir müssen weiter tagtäglich hart arbeiten und gut trainieren. Wir sind auf einem guten Weg, wenn wir so weitermachen wie bisher“, machte Sechser Granit Xhaka klar, dass bei Bayer 04 keiner vom Boden abhebt. Trotz des Bundesliga-Startrekords und einer erneut überzeugenden Vorstellung.
