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Debatte um Bezahlung im FußballWarum Frauen und Männer nicht gleich viel verdienen

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Fußball-Frauen

Due deutsche Frauen-Nationalmannschaft 

London – Es geht in diesen Tagen voran mit dem deutschen Frauenfußball. Endlich, endlich sagen viele, die ein angenehm bodenständiges Nationalteam länger verfolgen, das sich viel zu lange hinter der enormen Medienpräsenz des Männerfußballs verstecken musste. Wie im Übrigen ja auch viele andere Sportarten in Deutschland.

Nun haben bei der 8,02 Millionen Menschen bei der ARD das zweite EM-Gruppenspiel gegen Spanien (2:0) gesehen. Zum Viertelfinale geht sicher noch mehr. Die deutsche Einwechselspielerin Sophia Kleinherne kam am Tag darauf in London aus dem Schwärmen nicht mehr heraus. „Das macht sehr viel mit uns. Wir möchten die Bühne nutzen“, sagte die Verteidigerin von Eintracht Frankfurt. Diese „Euphoriewelle“ gelte es mit nach Deutschland zu nehmen, und dann solle es bitte nicht die Ausnahme sein, „sondern zur Selbstverständlichkeit werden, dass der Frauenfußball so extrem glänzen kann“.

Tweet von Olaf Scholz löst Debatte aus

Wenn Sportereignisse diesen Grad an Aufmerksamkeit erreichen, binden auch Politiker gerne ihre Schleife drum. Bundeskanzler Olaf Scholz schien nur Daumendrücken wohl ein bisschen zu billig zu sein, also twitterte er seine Haltung zum Equal Pay vor dem Spanien-Spiel noch dazu: „Wir haben 2022. Frauen und Männer sollten gleich bezahlt werden. Das gilt auch für den Sport, besonders für Nationalmannschaften.“ Aha. Hört sich erstmal gut an. Geht aber bei tieferer Betrachtung am Thema weiter vorbei als ein vom Spann verrutschter Schussversuch.

Energisch im Zweikampf: Sophia Kleinherne gegen die Spanierin Claudia Pina.

Wer bei der EM in England in Stadien, Hotels oder Pubs mit Spielerinnen, Angehörigen oder Beratern in die Debatte einsteigt, hört überall dasselbe: Das Wichtigste zuerst ist Equal Play, gleiche Bedingungen. Diesbezüglich sind die DFB-Frauen gleichberechtigt, haben dasselbe Vorbereitungscamp genutzt und dieselbe Ausstattung an Helfern und Hilfsmitteln bekommen.

Bundestrainerin: Weniger bei den Männern und mehr bei den Frauen

Die reflexartige Forderung nach gleicher Bezahlung ist weder umsetzbar noch förderlich. Kleinhernes Frankfurter Teamkollegin, die auch ohne EM-Einsatz als Sprachrohr fungierende Laura Freigang, formuliert das so: „Ich persönlich finde, dass wir auf DFB-Ebene mit den Prämien schon auf einem sehr guten Niveau sind.“ Es gibt differenzierte Wortbeiträge der Bundestrainerin Martina Voss-Tecklenburg – mit verschiedenen Blickwinkeln. Kurzfassung: Sie plädiert für weniger bei den Männern und ein bisschen mehr bei den Frauen. 400000 Euro Prämie wie bei den Männern hält sie für ein Hirngespinst. Sinngemäß. Insofern hat auch DFB-Direktor Oliver Bierhoff verwundert reagiert – und Scholz eingeladen, sich ans Zahlenstudium zu machen.

Im DFB-Finanzreport ist nachzulesen, dass das Frauen-Nationalteam ein kleines Minus (1,5 Millionen Euro) und die Männer-Nationalelf ein dickes Plus macht (40 Millionen Euro). Ganz nebenbei: Mit der EM-Rekordsiegprämie von 60000 Euro für seine Frauen steht der DFB im internationalen Vergleich weit oben, wie das Magazin „Forbes“ ermittelt hat. Nicht bei jedem Verband, der die gleiche Bezahlung verkündet, ist wirklich Equal Pay drin. Deshalb ist die Thematik nicht in einem Tweet zu fassen, in dem eine Prise Populismus mitschwingt.

Mindestgehalt in der Bundesliga für Frauen?

Natürlich sollen Fußballerinnen bald noch mehr bekommen. Es ist auch dringend nötig, über ein Mindestgehalt in der Frauen-Bundesliga nachzudenken, die die Nationalspielerin Lina Magull vom FC Bayern angeregt, damit auch eine Spielerin beim SV Meppen professionell diesen Job ausüben kann. Das Problem der Klubs: Auf der Einnahmeseite stehen im Schnitt 1,3 Millionen Euro, auf der Ausgabenseite aber 2,5 Millionen Euro. Das ändert sich erst, wenn Sponsoren und TV-Rechteinhaber bereit sind, höhere Preise zu zahlen. Dafür muss das Produkt nachgefragt werden. Das sind Prinzipien der freien Marktwirtschaft.

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Der Kanzler will diese sicher nicht vollends außer Kraft setzen. Gespannt sein darf man, ob er bald mal ein Frauen-Länderspiel besucht. Spätestens bei einem möglichen Finale mit deutscher Beteiligung am 31 Juni in Wembley gäbe es sicher tolle Bilder - und die Gelegenheit, detaillierter nachzufragen zu den Themen Equal Pay und Equal Play.