Köln – Marcus Steegmann drehte am Freitagvormittag eine Joggingrunde. Einen kleinen Scherz konnte sich der Sportliche Leiter des Fußball-Drittligisten FC Viktoria Köln dabei nicht verkneifen: „Ich greife noch einmal an“, rief der 39-Jährige und lachte los. Dabei wären in diesen skurrilen Tagen selbst ernst gemeinte Gedankengänge an ein Comeback des früheren Stürmers gar nicht mal komplett abwegig.
Durch den neuerlichen Beschluss des Deutschen Fußball-Bundes, die 3. Liga mit Geisterspielen nun ab dem 30. Mai in fünf aufeinanderfolgenden Englischen Wochen durchzupeitschen, steht den 20 Drittligisten ein nie dagewesenes Mammutprogramm bevor, für dessen Bewältigung ihnen praktisch jede hilfreiche personelle Unterstützung gut zu Gesicht stünde.
Vertragliche Probleme durch Verlängerung der Saison
Dass in der seit Anfang März coronabedingt ruhenden 3. Liga in dieser Spielzeit noch einmal der Ball rollt, daran hatten sie beim FC Viktoria zuletzt nicht mehr so recht geglaubt. Zu weit hatten sich Befürworter (die durchweg der Auf- und Abstiegszone zuzuordnen sind) sowie Gegner eines Saisonabbruchs durch wochenlange, immer schärfer werdende Diskussionen über die Anforderungen des Hygienekonzeptes sowie unterschiedliche Trainingsbedingungen voneinander entfernt.
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„Das war sicherlich nicht gut für die Außendarstellung der 3. Liga“, kritisiert Viktoria-Sportchef Marcus Steegmann. Die Höhenberger hatten in dem dem DFB zwischenzeitlich völlig aus den Händen geglittenen Streit stets zurückhaltend agiert und sich auf die Erledigung der eigenen Hausaufgaben konzentriert. So war es der Viktoria gelungen, am 14. Mai als einer der ersten Drittligisten ins reguläre Mannschaftstraining zurückzukehren. Manche Ligarivalen trainieren dagegen noch immer in Kleingruppen und haben in Anbetracht der für sie nun eng werdenden Zeitschiene bereits juristische Schritte gegen die in einer Woche geplante Saisonfortführung angekündigt.
„Starke Wende der Ereignisse“
Trotz aller getroffenen Vorbereitungen wurden auch die Verantwortlichen des FC Viktoria von den jüngsten Entwicklungen ein Stück weit überrascht. „Zuletzt hatte man den Eindruck gewonnen, dass es auf einen Abbruch der 3. Liga hinauslaufen würde. Insofern ist das nun eine starke Wende der Ereignisse“, kommentierte Marcus Steegmann den neuesten Zeitplan des DFB, die elf ausstehenden Drittliga-Spieltage in der Rekordzeit von nur 36 Tagen über die Bühne zu bringen.
Der FC Viktoria Köln kann zum geplanten Wiederbeginn der 3. Liga am kommenden Samstag bei Eintracht Braunschweig wieder auf Steven Lewerenz zurückgreifen. Der offensive Außenbahnspieler steht nach seinem Ende April erlittenen Muskelfaserriss im Adduktorenbereich wieder im Mannschaftstraining. Mittelfeldspieler Mart Ristl (Muskelfaserriss) ist dagegen noch nicht so weit. „Ich denke, dass Mart noch zwei Wochen benötigen wird“, prognostiziert Viktoria-Coach Pavel Dotchev. Für Stürmer Michael Seaton (Syndesmosebandriss) ist die Saison dagegen wohl bereits beendet. (tca)
Kölns Sportlicher Leiter versendete in diesem Zusammenhang eine Spitze in Richtung Frankfurt: „Da das Hygienekonzept der 3. Liga praktisch identisch ist mit dem der 1. und 2. Bundesliga, wäre es vom DFB richtig gewesen, einen für alle drei Profiligen vergleichbaren Zeitplan sicherzustellen.“ Viktoria-Coach Pavel Dotchev ärgerte sich ebenfalls: „Kein Erst- oder Zweitligist hätte eine derartige körperliche Belastung zugelassen. Die Verletzungsgefahr wird nun riesengroß sein. Aber wir müssen die Situation so annehmen, wie sie ist, und das Beste draus machen.“
Eine Reihe an rechtlichen Fragen
Wieder losgehen soll es für den aktuellen Tabellenzwölften am Samstag, 30. Mai (14 Uhr), mit der Partie des 28. Spieltags bei Eintracht Braunschweig. Das erste Heimspiel nach der Saisonunterbrechung ist für Dienstag, 2. Juni (19 Uhr), gegen den Mitabstiegskonkurrenten FSV Zwickau angesetzt. An diesem Sonntag soll für die Rechtsrheinischen der Einzug ins Quarantäne-Hotel erfolgen. Zuvor war bei ihnen am Freitag eine weitere Testreihe auf das Corona-Virus vorgenommen worden.
Neben einer immensen physischen und psychischen Herausforderung kommen auch rechtliche Fragen auf die Drittligisten zu. Zahlreiche Verträge mit Spielern, Sponsoren und Dienstleistern laufen zum Stichtag 30. Juni aus. Der 38. und letzte Drittliga-Spieltag soll aber erst am 4. Juli ausgetragen werden. Erhalten diejenigen Spieler, deren Verträge enden und nicht verlängert werden sollen, nun einen neuen Kontrakt mit einwöchiger Laufzeit? Oder ist in diesem Fall ein Monatsvertrag notwendig?
Fragen, die auch Marcus Steegman aktuell noch nicht zu beantworten vermag: „Wir erwarten in dieser besonderen Situation rechtliche Unterstützung durch den DFB“, fordert der Sportchef des FC Viktoria.



