Köln – Als die Mannschaft des FC Viktoria Köln am Donnerstag den Stadionrasen des Sportparks Höhenberg betrat, dürfte sie ein fast schon vergessenes Gefühl beschlichen haben. Erstmals nach zweimonatiger Zwangspause war es dem Fußball-Drittligisten wieder erlaubt, ein Training in voller Teamstärke abzuhalten. Zuvor waren beide Testreihen auf das Coronavirus bei Spielern, Trainern und dem Funktionsstab des Tabellenzwölften negativ ausgefallen.
„So viele Spieler auf einmal auf dem Platz zu sehen, war außergewöhnlich in diesen Zeiten. Alle hatten Spaß und haben sich gefreut“, sagte Pavel Dotchev. Viktorias Trainer bekam auch in Abwesenheit der verletzten Mart Ristl (kleiner Muskelfaserriss) und Bernard Kyere (Muskelbündelriss) eine intensive Übungseinheit zu sehen: „Wir hatten einen gesunden Ehrgeiz und eine gewisse Zweikampfhärte drin, alle waren heiß und motiviert und am Ende sehr müde. Es ist wichtig für die Köpfe der Spieler, wenn das Training einen Wettbewerbscharakter besitzt.“ Davon konnte im Kleingruppentraining der vergangenen vier Wochen keine Rede sein.
Fiebermessen vor jeder Trainingseinheit
Kurz vor der Rückkehr ins reguläre Teamtraining war jedoch noch alles anders gewesen. Die Viktoria-Profis hatten ich in fünf räumlich voneinander getrennten Kabinen umziehen müssen. Es folgte eine Einweisung in das Hygienekonzept des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) für die 3. Liga, das dem der Deutschen Fußball Liga (DFL) für die ersten beiden Profiligen stark ähnelt. Zu den vorgeschriebenen Maßnahmen zählt beispielsweise, dass die Spieler mögliche Corona-Symptome zu melden haben. Zudem wird ihnen vor jeder Einheit die Körpertemperatur gemessen, deren Wert bei unter 38 Grad liegen muss, um am Training teilnehmen zu dürfen. Selbst die Kontaktkreise der Spieler werden dokumentiert, um im Falle einer Ansteckung Infektionsketten besser zurückverfolgen zu können. „Das Hygienekonzept ist sehr ausgefeilt. Wenn man sich an die Einhaltung hält, ist die Ansteckungsgefahr sehr gering“, meint Viktorias Sportlicher Leiter Marcus Steegmann.
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Dennoch ist weiterhin völlig ungewiss, ob die 3. Liga wie vom DFB vorgesehen am 26. Mai in den Spielbetrieb zurückkehren wird. Etwas weniger als zwei Wochen vor der anvisierten Saison-Fortsetzung sind die Gräben zwischen dem DFB und den Abbruch-Befürwortern noch einmal tiefer geworden. Nach wie vor stemmen sich der Tabellenzweite Mannheim sowie die abstiegsbedrohten Clubs aus Magdeburg, Halle, Zwickau, Münster, Großaspach und Jena vehement gegen einen Re-Start.
Kritik üben sie an dem anvisierten Zeitplan mit fünf Englischen Wochen in Folge, den Anforderungen des Hygienekonzeptes sowie den unterschiedlichen Trainingsbedingungen. Inzwischen wird die Zeit eng: Für einen Drittliga-Wiederbeginn Ende Mai müssten die Teams Anfang kommender Woche in ein Quarantäne-Hotel ziehen. „Wir müssen diese Unwägbarkeiten ausblenden und professionell arbeiten, um bei Eintreten des Ernstfalls vorbereitet zu sein“, fordert Viktoria-Coach Pavel Dotchev, dessen Club mit einem Auswärtsspiel bei Eintracht Braunschweig in den Restkampf um den Klassenerhalt einsteigen würde. Ebbt der Streit jedoch nicht alsbald ab, könnte auf dem Außerordentlichen Bundestag des DFB am 25. Mai der Abbruch der 3. Liga beschlossen werden.


