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Deutsche Eishockey LigaMüller-Abschied mit Meistertitel? – Kölner Haie starten als Favorit

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Moritz Müller steht vor den womöglich letzten DEL-Playoffs seiner Karriere (Archivbild)

Moritz Müller steht vor den womöglich letzten DEL-Playoffs seiner Karriere (Archivbild)

Olympia-Zweiter war er 2018, Vize-Weltmeister 2023 ebenfalls und mit den Kölner Haien viermal Vizemeister. Dieses Jahr soll es für Moritz Müller zum großen Wurf langen. Das Karriereende dürfte folgen.

Abtreten mit dem ersten Meistertitel der Karriere? Diesem großen Ziel zum Abschluss seiner Laufbahn ordnet Eishockey-Ikone Moritz Müller alles unter. Da ist kein Gedanke an eine mögliche letzte WM-Teilnahme Ende Mai und auch nicht daran, ob er nicht vielleicht doch noch ein Jahr dran hängt, sollte diese einmalige Gelegenheit mit dem souveränen DEL-Hauptrundensieger Kölner Haie wieder nicht gelingen. „Ich konzentriere mich jetzt nur auf die Spiele und um mich geht es gerade gar nicht“, sagte der 39 Jahre alte Haie-Kapitän kurz vor dem Start der entscheidenden Saisonphase mit den Playoffs. 

„Ich habe ja gesagt, dass es sehr wahrscheinlich mein letztes Jahr sein wird. Daran hat sich jetzt erstmal nichts geändert“, sagte Müller, der eine weitere Saison auf dem Niveau wohl locker noch im Tank hätte.

Gehört seit Jahren zu den Gesichtern im deutschen Eishockey: Moritz Müller (Archivbild)

Gehört seit Jahren zu den Gesichtern im deutschen Eishockey: Moritz Müller (Archivbild)

Zuletzt bei Olympia verblüffte der Modellathlet einmal mehr. Als langjähriger Nationalmannschaftskapitän zählte er kurz vor den Winterspielen plötzlich nicht mehr zum Kreis der drei Spielführer. Wohl aus Marketinggründen machten die nach dem unbefriedigenden Turnierverlauf nun in der Kritik stehenden Bundestrainer Harold Kreis und DEB-Sportdirektor Christian Künast die drei NHL-Weltklassespieler Leon Draisaitl, Tim Stützle und Moritz Seider zum Führungstrio. „Natürlich kann man jetzt im Nachhinein sagen: Hätte man vielleicht ein bisschen anders händeln können“, gestand Künast anschließend. 

Bei Olympia zählte Müller zu den Lichtblicken

Für Müller war die umstrittene Entscheidung vor Olympia bereits ein Fingerzeig darauf, wohl nicht allzu viel Eiszeit beim Schaulaufen der NHL-Weltstars zu bekommen. Offenbar traute Kreis dem ältesten deutschen Teilnehmer in Mailand eine wichtigere Rolle nicht mehr so recht zu. Immerhin diesen Fehler korrigierte Kreis im Turnierverlauf. „Er hat seine Zeit gut genutzt, war sehr präsent, hat einen sehr guten Eindruck, nicht nur beim Trainerteam, sondern auch bei der Mannschaft, hinterlassen“, sagte Kreis später. Am Ende war Müller neben NHL-Star Seider der zweitbeste deutsche Verteidiger bei Olympia. 

Nicht nur der Nationalmannschaft würde bei der WM und auf Dauer etwas fehlen, käme nach der Saison tatsächlich der Rücktritt. Auch den Haien. Müller spielte im Herrenbereich nie für einen anderen Verein. Seit der Saison 2003/2004 stand er in der DEL in weit über 1.000 Spielen für seinen Herzensverein auf dem Eis. Meister wurde er nie.

Das soll sich dieses Jahr endlich ändern. Schon vor dem abschließenden Hauptrundenwochenende ist klar, dass die Kölner als Tabellenerster in die Playoffs starten und somit bis zum Ende in einem möglichen siebten Spiel Heimrecht haben werden. „Die Chancen stehen gut“, bekannte Müller. „Aber es geht von vorne los, man nimmt ja keine Punkte mit.“ Was man eben so sagt, um die Spannung hochzuhalten. 

Finnischer Star-Coach trimmte die Haie zum Titelanwärter

In diesem Jahr sieht es wirklich gut aus für die Haie. In den vergangenen Jahren versuchte der achtmalige deutsche Meister viel, die üppige finanzielle Unterstützung des umstrittenen Investors Frank Gotthardt - Betreiber der rechtskonservativen Medienplattform Nius - sinnvoll einzusetzen. Das gelang oft nicht. Erst die Verpflichtung des finnischen Top-Trainers Kari Jalonen 2024 war der fehlende Mosaikstein. Auch Müller fand nach den unbefriedigenden Jahren unter Chefcoach Uwe Krupp wieder den Spaß und die Begeisterung zurück. Der europäische Top-Coach nahm auch Einfluss auf die passenden Spieler-Verpflichtungen und machte die Haie taktisch viel flexibler. 

Der finnische Top-Trainer Kari Jalonen will sich mit der Meisterschaft bei den Haien verabschieden (Achrivbild)

Der finnische Top-Trainer Kari Jalonen will sich mit der Meisterschaft bei den Haien verabschieden (Achrivbild)

Im vergangenen Jahr waren die Haie in der Finalserie den Eisbären noch bemitleidenswert unterlegen. In diesem Jahr dürfte die Kadertiefe aber stimmen. Trotz zweier Niederlagen an den vergangenen beiden Spieltagen - unter anderem ein 0:1 gegen die Eisbären - marschierten die Rheinländer souverän durch die Hauptrunde. Für Jalonen ausschlaggebend ist der „Team-Spirit in der Kabine, da herrscht eine tolle Atmosphäre.“

Für den 66 Jahre alten Finnen geht es nach der Saison zurück in die Heimat. Nicht nur er will sich mit dem Titel verabschieden. Sollten die Haie Ende April, Anfang Mai tatsächlich erstmals nach 24 Jahren wieder deutscher Meister werden, erwarten viele Müllers sofortigen Rücktritt. (dpa)