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Eishockey-PlayoffsSennhenn sorgt für Sweep und freie Ostern

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ERiesenjubel bei Kölns Spielern. In der dritten Overtime erzielt Jan Luca Sennhenn Köln den Siegtreffer zum 2:1.

 Riesenjubel bei Kölns Spielern. In der dritten Overtime erzielt Jan Luca Sennhenn Köln den Siegtreffer zum 2:1.

Die Kölner Haie stehen nach einem 2:1 gegen Schwenningen im Playoff-Halbfinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft.

Der letzte Sieg in einer Playoff-Serie ist immer der schwerste. Ein ungeschriebenes Eishockey-Gesetz, mit dem die Kölner Haie im Viertelfinale um die deutsche Meisterschaft Bekanntschaft machen mussten. 18.600 Zuschauer in der ausverkauften Lanxess-Arena mussten 103:37 Minuten warten, bis Verteidiger Jan-Luca Sennhenn   die Haie mit einem seiner seltenen Tore beim 2:1 (0:0, 1:0, 0:1, 0:0, 0:0, 1:0) in der dritten Verlängerung zum Viertelfinal-Sweep gegen den ERC Schwenninger Wild Wings und ins Halbfinale um die deutsche Meisterschaft schoss.

„Es ist ein unglaubliches Gefühl. Ich habe gar nicht richtig gesehen, wie er reingegangen ist“, sagte der Matchwinner nach seinem Schlenzer von der Blauen Linie. Der KEC schaffte damit einen Sweep und gewann die „Best-of-Seven“-Serie gegen tapfere Wild Wings mit 4:0.

Haie-Chefcoach Kari Jalonen war gezwungen umzustellen. Juhani Tyrväinen, der in Spiel zwei und drei angeschlagen gefehlt hatte, stand den Kölnern zwar wieder zur Verfügung, dafür musste aber Frederik Storm passen. Der Däne hatte sich beim 4:2 am Sonntag   bei Spiel drei in Schwenningen verletzt. Marco Münzenberger kam für Storm und feierte in der vierten Reihe sein Playoff-Debüt 2026. Durch das Comeback von Tyrväinen rutschte Tanner Kero als überzähliger Import-Spieler aus der Aufstellung und Nate Schnarr wechselte zurück in die erste Reihe.

Es war nicht zu erwarten, dass die Kölner im Vergleich zu den ersten drei Duellen etwas an ihrer Strategie ändern würden. Die Hausherren agierten also aus einer stabilen Defensive, sie ließen Schwenningen viel laufen und warteten auf ihre Möglichkeiten. Patrick Russell (4./6.), Oliwer Kaski (10.), Veli-Matti Vittasmäki (15.) und Maxi Kammerer (19.) hatten die Führung im ersten Drittel auf dem Schläger.

Janne Juvonen hält wieder überragend

Die Wild Wings hatten die besseren Chancen, verzweifelten aber einmal mehr an Janne Juvonen. Der KEC-Goalie hielt überragend gegen Daniel O'Regan Philip Feist (8.) und entschärfte eine Doppelchance von Alexander Karachun und Sebastian Uvira (9.). Die Haie killten danach das erste Powerplay der Gäste und (12.) und hielten ihre Unterzahlquote in der Serie bei 100 Prozent.

Die vom Saison-Aus bedrohten Schwenninger warfen wie erwartet alles in die Waagschale und suchten die körperliche Auseinandersetzung. Es gab Faustkämpfe zwischen Kevin Niedenz und Will Weber (5.) sowie zwischen Tyrväinen und Jordan Schwarz (17.). Die Haie ließen sich aber auch davon nicht aus der Ruhe bringen und nahmen 1:29 Minuten in Überzahl mit ins zweite Drittel. Russell kam dem 1:0 in Überzahl nach 28 Sekunden nahe, brauchte für sein erstes DEL-Playofftor aber einen zweiten Anlauf. Kyle Platzer musste nach einem hohen Stock für vier Minuten auf die Sünderbank, weil er der Nase von Tyrväinen   eine Wunde zufügte (23.). Als Louis-Marc Aubry von hinter dem Tor einen Passweg in den Slot fand, war Kölns Hauptrunden-Toptorjäger zur Stelle und bugsierte die Scheibe an Schwenningens Keeper Joacim Eriksson vorbei ins Tor (24.).

Die Haie drängten sofort auf das 2:0 und die Vorentscheidung. Tyrväinen stand auf der Torlinier die Kelle von Dominik Bittner im Weg (25.) und Eriksson fischte sich gerade noch so einen Abfälscher von Maxi Kammerer (25.). Schnarr (26.), Gregor MacLeod (29.) und Aubry (31.) fanden ihren Meister ebenfalls in dem starken Schweden. Die Wild Wings blieben mit dem 0:1 im Spiel und schöpften neuen Mut. Die Haie-Null stand aber auch nach zwei Dritteln und der Grund hieß Juvonen. Der Finne   ließ die Schwenninger ein ums andere Mal verzweifeln und arbeitete weiter an seiner Fangquote, die vor Spiel vier schon bei überragenden 94,25 Prozent lag.

Schwenningens Martinsson trifft dreimal den Pfosten

Die Schwarzwälder versuchten es im Schlussabschnitt unverdrossen weiter. Es blieb ihnen angesichts des 0:3-Serienrückstands auch nichts anderes übrig. Das nötige Glück und damit auch das Momentum schlug sich aber weiter auf die Seite der Kölner. ERC-Verteidiger Eric Martinsson traf zweimal das Gestänge (43./48.) und Tyylor Spink kam frei im Slot nicht an Juvonen vorbei, der den Puck über die Latte lenkte (46.).

Die Haie waren zu passiv und längst im defensiven Verwaltungsmodus. Das ging diesmal nicht gut. Als sich Eriksson zugunsten eines sechsten Feldspielers auf die Bank setzte, zog Mirko Höflin überraschend ab. Vittasmäki versperrte Juvonen die Sicht und die Scheibe schlug 1:55 Minuten vor dem Ende zum verdienten 1:1 -Ausgleich ein (59.). Die erste Verlängerung der DEL-Playoffs 2026 war perfekt.

Halbfinale startet am 8. April

Und sie startete atemlos. Kaski, Russell (63.) und Kammerer (64.) hatten die Entscheidung für Köln auf dem Schläger, auf der anderen Seite traf Martinsson zum dritten Mal den Pfosten (64.). Tyrväinen musste in die Kabine, weil seine Nase nach einem Check wieder blutete (70.), und kehrte drei Minuten später mit einem großen Pflaster zurück. Weil die Haie eine Strafe gegen Tylor Spink nicht nutzen konnten (72.), ging es in die zweite Overtime.

Juvonen sorgte gegen Uvira (82.) und Tim Gettinger (93.) für 20 weitere torlose und verhinderte ein fünftes Spiel. Dann kam Jan-Luca Sennhenn und besorgte seinem Team ein freies Osterfest. „Das ist ein Vorteil, dass wir jetzt ein paar Tage durchatmen können“, sagte der Matchwinner. Die Haie stehen im Halbfinale, das für sie am 8. April mit einem Auswärtsspiel beginnt. Während die Kölner auf ihren Gegner warten, der beim aktuellen Stand Eisbären Berlin heißen würde, verabschiedet sich der Autor dieser Zeilen nach 38 Jahren bei der Kölnischen Rundschau und 21 Jahren als Haie-Reporter von allen Lesern und wünscht Ihnen alles Gute.


Statistik:

Kölner Haie: Juvonen; Kaski, Austin; Kemiläinen, Vittasmäki; Müller, Sennhenn; Glötzl; Russell, MacLeod, Schnarr; Bokk, Aubry, Tuomie; Niedenz, Tyrväinen, Kammerer; Münzenberger, Van Calster; Uher. — SR.: Kozari/Schrader. — Zuschauer: 8.600. – Tore: 1:0 Russell (23:36/Aubry, Schnarr, PP1), 1:1 Höflin (58:05/Ts. Spink, Gettinger), 2:1 Sennhenn (103:37/Van Calster, Tyrväinen). —Strafminuten: Köln 14; Schwenningen 30.