Die Kölner Haie stehen nach dem dritten Sieg gegen Schwenningen mit eineinhalb Beinen im Playoff-Halbfinale um die Deutsche Eishockey-Meisterschaft.
Eishockey-PlayoffsKölner Haie stehen vor dem Einzug ins Halbfinale

Bärenstarker Auftritt: Haie-Verteidiger Brady Austin (l. hier gegen Boaz Bassen) traf vorne zum 2:1 und hielt hinten den Laden dicht.
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Die Kölner Haie haben zum dritten Mal erfolgreich Eishockey gearbeitet und stehen vor dem Einzug in das Playoff-Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Der 4:2 (1:1, 0:0, 3:1) -Sieg im dritten Spiel der „Best-of-Seven“-Viertelfinalserie am Sonntag bei den Schwenninger Wild Wings verlief wie die ersten beiden Duelle eng, am Ende war das Muster aber wieder das Gleiche. „Wir haben wieder im dritten Drittel unser bestes Drittel gehabt und konnten da das Spiel für uns entscheiden, Da haben wir einen wirklich guten Job gemacht“, erklärte KEC-Chefcoach Kari Jalonen den aus einer Sicht entscheidenden Schlüssel zum Sieg.
Die Haie liefen in der gleichen Aufstellung wie beim 4:2-Heimsieg am Freitag in Spiel zwei auf. Das bedeutete, dass „Bad Guy“ Juhani Tyrväinen weiterhin außen vor blieb und durch Tanner Kero ersetzt werden musste. Womöglich hat sich der Finne im ersten Duell beim 1:0 in Schwenningen bei einem nicht geahndeten Beinstellen von Wild Wings-Goalie Joacim Eriksson eine Gehirnerschütterung zugezogen hat, als er mit dem Kopf voraus in die Bande geknallt war.
Wild Wings mit frühem Führungstor
Das Jalonen-Team hatte sich in den ersten beiden Partien der Serie schwergetan und wusste, dass sie auch der zweite Auftritt in der Helios-Arena vor Herausforderungen stellen würde. Etwa jene, dass Schwenningen auf der kleineren Eisfläche und den eigenen Fans im Rücken die Chance wahrnehmen wollte, sich das Momentum zu schnappen. Es gelang den Hausherren, weil Kyle Platzer als Hauptrunden-Topscorer der Schwäne schon nach 43 Sekunden im Slot einen geblockten Schuss fand und KEC-Keeper Janne Juvonen den ersten Auswärts-Gegentreffer dieser Viertelfinalserie zufügte. Die Arena verwandelte sich in ein Tollhaus, der Lärm war ohrenbetäubend.
Aber weder das 0:1 noch die heißblütige Atmosphäre konnten die Haie aus dem Konzept bringen. Sie schnappten sich die Spielkontrolle, hatten in ihrem ersten Powerplay durch Louis-Marc Aubry die erste Großchance (2.) und glichen folgerichtig zügig aus. Parker Tuomie initiierte einen gestaffelten Konter, der über Aubry per Rückhand bei Dominik Bokk landete, der eiskalt zum 1:1 traf (5.).
Ein Spielstand, mit dem es auch in die erste Pause ging, obwohl die Überlegenheit der Kölner nicht von der Hand zu weisen war. Hin und wieder schlichen sich aber ein paar kleine Fehler ins Passspiel der Gäste. Und die Paradereihe mit Gregor MacLeod, Patrick Russell und Tanner Kero funktioniert noch nicht, wie gewohnt. Was vor allem an MacLeod liegt, der deutlich unter Form spielt. Der Kanadier muss sich womöglich noch an das Vollvisier gewöhnen, das er nach einem Trainingsschuss ins Gesicht seit Beginn der Serie trägt.
Umstrittener Penalty macht das Spiel noch einmal spannend
Schwenningen erwies zudem wieder als unangenehmer Gegner, der seine Momente suchte und bisweilen auch fand. Wie in ihrem ersten Powerplay, als Juvonen gegen Alexander Karachun (18.) und Thomas Larkin (19.) zeigte, was einen guten Playoff-Goalie auszeichnet.
Der 31-Jährige hatte insgesamt aber wenig zu tun, denn seine Vorderleute verteidigten aufmerksam und killten zu Beginn des zweiten Abschnitts dank eines starken Blocks von Kapitän Moritz Müller (23.) auch das siebte Überzahlspiel der Wild Wings in dieser Serie. Frederik Storm hatte auf der anderen Seite die Chance zur Führung. Der Däne lenkte die Scheibe mit Schlittschuh und Schläger an den Außenpfosten (28.). Ansonsten ging offensiv im Mittelabschnitt nicht viel, weil die Haie den Puck nicht gut bewegten und fehlerbehaftet waren.
Die Gäste arbeiteten das Spiel insgesamt aber im klassischen Sinne ab und warteten geduldig auf ihre Möglichkeiten. Die erste kam, als der konternde Storm Bokk mitnahm, der diesmal aber an Eriksson scheiterte (37.).
Im drittel Drittel haben wir wieder zu unerem Spiel gefunden und mit Herzblut agiert.
Die Haie-Taktik führte im Schlussdrittel zum Erfolg. Der KEC checkte weiter vorne vor und schlug doppelt zu. Erst düpierte der stark aufspielende Verteidiger Brady Austin Eriksson mit einem Schuss ins kurze Eck (45.) und exakt 60 Sekunden später traf Kero mit dem ersten Playofftor der Parade-Reihe zum 1:3 (46.). Jetzt waren nur noch die 400 mitgereisten Kölner Fans zu hören.
Die Schiedsrichter machten es aber noch einmal spannend, als sie nach einem Halten von Oliwer Kaski gegen Philip Feist auf Penalty entschieden. Tyson Spink verkürzte auf 2:3 (49.). Nachdem Nate Schnarr die Entscheidung (52.) und Tylor Spink (55.) den Ausgleich verpasst hatten, wurde es dramatisch. Die Wild Wings zogen ihren Goalie zugunsten eines weiteren Feldspielers und hatten zweimal das 3:3 auf dem Schläger. Als die Schwäne 24 Sekunden vor dem Ende sogar mit einem Spieler mehr auf dem Eis waren, versprang Thomas Larkin der Puck. Maxi Kammerer war zur Stelle und traf zum 2:4 ins leere Tor (60.).
„Es war sehr zäh. Wir sind zwei Drittel lang nicht sauber durch die neutrale Zone gekommen. Im dritten Drittel haben wir wieder zu unserem Spiel gefunden und mit Herzblut agiert. Janne hat wieder unglaublich gehalten“, analysierte KEC-Stürmer Parker Tuomie.
Statistik:
Kölner Haie: Juvonen; Kaski, Austin; Kemiläinen, Vittasmäki; Müller, Sennhenn; Glötzl; Russell, MacLeod, Kero; Bokk, Aubry, Storm; Niedenz, Schnarr, Kammerer; Uher, van Calster; Tuomie. — SR.: MacFarlan/Schadewaldt. — Zuschauer: 5100 (ausverkauft). — Tore: 1:0 Platzer (0:43/Marshall, Scwarz), 1:1 Bokk (4:52/Tuomie, Aubry), 1:2 Austin (44:11/Tuomie, Uher), 1:3 Kero (45:11/MacLeod), 2:3 Tyson Spink (48:07/Penalty), 2:4 Kammerer (59:48/SH1/EN). — Strafminuten: Schwenningen 6; Köln 6.
