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Kölner HaieEs gibt noch Luft nach oben

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Defensives Bollwerk: KEC-Goalie Janne Juvonen (l.) und Kapitän Moritz Müller (r.)  stoppen Schwenningens Boaz Bassen.

Defensives Bollwerk: KEC-Goalie Janne Juvonen (l.) und Kapitän Moritz Müller (r.)  stoppen Schwenningens Boaz Bassen.

Die Kölner Haie benötigten nur noch einen Sieg gegen Schwenningen, um in das Playoff-Halbinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft einzuziehen.

Die Frage musste kommen, und Parker Tamie war natürlich vorbereitet. Als der Stürmer der Kölner Haie am Sonntag Auskunft darüber geben sollte, ob sein Team nach dem 4:2 bei den Schwenninger Wild Wings im Playoff-Viertelfinale um die deutsche Eishockey-Meisterschaft am Dienstag (19.30 Uhr/Magenta Sport) schon im vierten Spiel der „Best-of-Seven“-Serie den Einzug ins Halbfinale klarmachen wird, lautete Tuomies Antwort wenig überraschend: „Wir werden Schwenningen niemals unterschätzen und mit unseren Fans im Rücken angreifen.“

Der zweite Auswärtssieg der Viertelfinalserie bescherte den Haien drei Matchpucks. Weil der KEC trotz seines Heimvorteils durch den Hauptrundensieg aufgrund der Terminlage in der Lanxess-Arena auf fremden Eis in Schwenningen in das Duell starten musste, stehen dem Favoriten drei Heimspiele zur Verfügung, um den einen noch nötigen Sieg einzufahren. Die Wild Wings müssen am Dienstag in Köln gewinnen, um die Serie an Gründonnerstag noch einmal in den Schwarzwald zurückzuholen. „Sie stehen vor dem Saisonaus, werden mit Verzweiflung spielen und alles versuchen. Wenn ein Team in einer Serie 0:3 zurückliegt, wird es das Tempo erhöhen und neue Spielzüge ausprobieren“, gab Brady Austin einen Ausblick auf Spiel vier.

Es war schwierig, offensiv einen Rhythmus zu finden.
Kari Jalonen, Chefcoach Kölner Haie

Der Verteidiger war am Sonntag in der mit 5100 Zuschauern ausverkauften Helios-Arena bester Kölner — und nicht nur wegen seines Treffers zum 2:1, als er nach Vorarbeit von Tuomie von links „ein Loch“ im kurzen Eck des von Joacim Eriksson vorzüglich gehüteten Schwenninger Tores gefunden hatte (45.).

Austins erster Treffer in den Playoffs 2026   war Ausdruck einer klaren Leistungssteigerung der Haie im Schlussdrittel, nachdem sie sich   in den ersten beiden Abschnitten wie schon in Spiel eins und zwei schwergetan hatten. „Unser Puck-Management war in den ersten beiden Dritteln nicht so gut. Wir haben die Scheibe viel zu oft leichtfertig in der eigenen und in der neutralen Zone abgegeben“, kritisierte KEC-Chefcoach Kari Jalonen.

Die Kölner mussten sich im Mittelabschnitt sogar ein halbes Dutzend Mal den höhnischen Applaus der Heimfans für ihr Icing gefallen lassen. „Es war schwierig, offensiv einen Rhythmus zu finden“, erklärte Jalonen, der in der zweiten Pause offenbar die richtigen Worte gefunden hatte: „Ich habe darauf hingewiesen, wie wichtig es ist, die kleinere Eisfläche hier in Schwenningen zu respektieren. Das war der Schlüssel dafür, dass wir die Scheibe wieder tief gespielt und dadurch Offensive generiert haben.“

Erstes Playofftor der Paradereihe

Tanner Kero, der erneut für den angeschlagenen Juhani Tyrväinen aufgelaufen war, gelang eine Minute nach Austins 2:1 das dritte Kölner Tor, als er ein gewonnenes Bully von Gregor MacLeod zu einem Direktschuss nutzte (45.). Das 3:1 war der erste Treffer der KEC-Paradereihe, die in den Playoffs noch nach ihrer Hauptrundenform sucht. Toptorjäger Patrick Russell ist genauso noch ohne Treffer wie Feinmechaniker MacLeod. Der mit ungewohntem Vollvisier spielende Kanadier agiert bislang noch ohne die Leichtigkeit, die ihn sonst auszeichnet und trifft viele falsche Entscheidungen.

Während es in der Offensive bei den Haien an einigen Stellen und vor allem im in der Hauptrunde noch so effizienten Powerplay hakt, hat die Defensive in den drei knappen und umkämpften Spielen die Basis für die Siege gegen die widerspenstigen Wild Wings gelegt. Torhüter Janne Juvonen kassierte am Sonntag zwar schon nach 43 Sekunden durch Kyle Platzer sein erstes Gegentor, war danach aber mit 28 Paraden der gewohnt starke Rückhalt und nur noch durch einen umstrittenen Penaltyschuss von Tyson Spink zum 2:3 zu bezwingen (49.).

Wir müssen am Dienstag cleverer und einfacher spielen.
Brady Austin, Verteidiger Kölner Haie

Maxi Kammerers Empty Net-Treffer zwölf Sekunden vor dem Ende machte dann aber alle Schwenninger Hoffnungen auf den ersten Sieg in der Serie zunichte. „Wir haben im dritten Drittel zu unserem Spiel gefunden und unseren Charakter gezeigt. Wir müssen am Dienstag cleverer und einfacher spielen, das haben wir am Sonntag vor allem im zweiten Drittel nicht gut hinbekommen“, analysierte Brady Austin.

Dem 32-jährigen Kanadier wird aber genauso wie seinen Teamkollegen und Trainer Jalonen nicht entgangen sein, dass die Haie im Viertelfinale ihrer Favoritenrolle bislang gerecht werden und sie sich gegen die Wild Wings nur selbst schlagen können. Sollte der Einzug ins Halbfinale gelingen, müssen sich die Kölner allerdings steigern. Aktuell sieht es nämlich danach aus, als ob es zur Neuauflage des Finals von 2025 gegen Meister Eisbären Berlin kommt.