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Tennis in der Zweiten LigaDer unverhoffte Aufstieg von Blau-Weiß Köln

Lesezeit 4 Minuten
Victoria Muntean (TC Petange) / 04.07.2015 Fussball Europa League Qualifikation, 1. Runde, Saison 2015-2016 / 04.07.2015 / LUX, ELQ, FC Differdingen 03 (Differdange) (LUX) - Bala Town FC (WAL) / Stade Parc des Sports, Obercorn / PUBLICATIONxNOTxINxLUX

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Victoria Muntean steht Blau-Weiß Köln zu Saisonbeginn zur Verfügung.

Die Damen des Klubs sind von dem Sprung in die höhere Liga selbst überrascht worden.

Mehr als zwei Jahrzehnte ist es her, da geisterte der Name von Kim Clijsters und anderen weiblichen Tennisstars durch den Beethovenpark in Köln. Die Damen von Blau-Weiß Köln waren in die 1. Bundesliga aufgestiegen und einige Sponsoren schienen fest entschlossen, nicht nur die nationale Elite, sondern auch internationale Topspielerinnen an die Neuenhöfer Allee zu locken.

„Davon hat sich der Verein sehr lange nicht erholt“, sagt Simon Laskey über die Euphorie zur Jahrtausendwende, die mit dem Rückzug aus dem Tennis-Oberhaus schnell einer nachhaltigen Ernüchterung wich. Dem Sportwart der Blau-Weißen ist es wichtig, auf diese Geschichte mit unrealistischen Zielen und wenig zuverlässigen Sponsoren hinzuweisen, bevor sie im Kölner Süden einen neuen Anlauf nehmen.

Wir haben den Etat kaum aufgestockt, sondern eher etwas umgeschichtet
Simon Laskey, Sportwart von Blau-Weiß Köln

„Im Oktober des vergangenen Jahres gab es einen Anruf“, erinnert sich der Brite Laskey an den überraschenden Start der neuen „Story“. „Da wurden wir gefragt, ob wir nachträglich aufsteigen wollen.“ Obwohl es in der Regionalliga-Saison 2022 „nur“ zu Platz zwei hinter Union Münster gereicht hatte, bot die Spielleitung des Deutschen Tennis Bunds (DTB) den Sprung in die zweithöchste Spielklasse an.

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Als Blau-Weiß Köln von Kim Clijsters träumte

„Die Liga sollte aufgestockt werden, um das Damentennis im Vergleich zu den Herren aufzuwerten“, erläutert Laskey die Verbands-Entscheidung zu je acht Mannschaften in der Zweiten Bundesliga Nord und Süd. „Wir haben also mit dem Vorstand, aber natürlich auch mit der Mannschaft lange diskutiert, ob wir die Chance wahrnehmen sollen“, so der Sportwart.

Dann sei man zu dem Schluss gekommen, dass dies eine einmalige Gelegenheit sein könnte, aber nicht wie einst zur finanziellen Schieflage führen dürfe: „Wir haben den Etat also kaum aufgestockt, sondern eher etwas umgeschichtet. Jetzt spielen wir mit einer sehr guten Regionalliga-Mannschaft in der Zweiten Bundesliga Nord“, beschreibt der BW-Sprecher das neue Projekt.

Als ehemaliger Badminton-Profi weiß Laskey, wie das Geschäft an der Schwelle vom ambitionierten Amateur- zum Berufssport funktioniert. „Da braucht es eine gute und manchmal auch kreative Planung“, stellt er klar. Hauptsponsor Bidi Badu versorgt die Spielerinnen mit Ausrüstung und unterstützt das Team zudem finanziell. Dieses und auch die anderen Engagements bringen das weibliche BW-Team auf einen angeblichen Saison-Etat von „50 000 bis 60 000 Euro“, mit dem Reisen, Unterkünfte oder auch Schiedsrichter bezahlt werden müssen.

Kölns Sportwart Simon Laskey muss ein wenig „tricksen“

Um in einer Liga mit den sportlichen Schwergewichten aus Berlin, Aachen oder Bielefeld bestehen zu können, kam Laskey nicht umher zu „tricksen“. „Bei Victoria Muntean haben wir zum Beispiel einen Deal, dass sie für die ersten drei Wochen kommt und fünf Spiele macht“, verrät Kölns Macher. Die ehemalige Nummer 179 der ITF-Rangliste aus Frankreich wird bei Laskeys Schwiegermutter wohnen und im Mai auch als Trainerin für die Tennisschule im Beethovenpark arbeiten.

Wenn die 26-Jährige Mitte/Ende Mai weiterzieht, kommt Eleonora Molinaro ins Spiel. Die Luxemburgerin spielt noch an einem US-College, zählt aber genauso zum Team der unverhofften Aufsteigerinnen wie die ehemalige Marienburgerin Julia Rennert, Augustina Chlpac, Caroline Daxhelet, Lou Brouleau, Spielführerin Isabel Heupgen und Carolin Raschdorf.

„Wir hoffen, dass wir bei unserem kleinen Kader von Verletzungen verschont bleiben und setzen voll auf Teamgeist“, stellt Laskey klar. Schon in der Regionalliga 2022 war es vor allem die Stärke der eingespielten Doppel, die die Kölnerinnen nach oben hievte.

Auftakt am 7. Mai gegen den Bielefelder TTC

So wollen sie in den Duellen mit durchaus zu bezwingenden Gegnern wie dem Gladbacher HTC (12. Mai), Großflottbeker THGC (18. Mai) und Mit-Aufsteiger Union Münster (2. Juni) auftrumpfen. Anders als vor mehr als  20 Jahren stecken sich die Blau-Weißen mit dem Klassenerhalt und zwei, bestenfalls drei Siegen realistische Ziele.

Die Last des Sponsorings ist auf viele Schultern verteilt und man wäre auch bei einer Rückkehr in die Regionalliga nicht schockiert. Gesund und munter können sie auf den Sandplätzen an der Neuenhöfer Allee am Sonntag, 7. Mai also ins Abenteuer Zweite Bundesliga starten und versuchen den Bielefelder TTC zu ärgern.

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