Der Kameruner arbeitet als Individualtrainer und bringt auch Fayssal Harchaoui vom 1. FC Köln in Form.
Erfolg als IndividualtrainerJoseph Biyidi ist der Mentor von Kölns Weltmeister Fayssal Harchaoui

Joseph Biyidi (rechts), hier mit dem ehemaligen Deutzer Trainer Raoul Dia.
Copyright: Uli Herhaus
Joseph Biyidi wirkt beinahe etwas scheu. Bis zu seinem ersten Lächeln vergehen ein paar Augenblicke. Es scheint fast so, als durchleuchte er binnen weniger Sekunden seinen Gesprächspartner. Das sei wichtig. Wenn man es nicht tue, vergeude man womöglich eine Menge Zeit, erklärt der 67-jährige Kameruner später und lächelt.
Biyidi, den die meisten nur „Jupp“ nennen, hat sich vor mehr als 40 Jahren in der Kölner Bucht niedergelassen. Das war im Dezember 1982. Nach ein paar Monaten in Bonn, der damaligen Bundeshauptstadt, zog es ihn rasch nach Köln. „Das ist meine Heimat.“ Hier kenne er alles und jeden, meint er.
Joseph Biyidi kam vor 40 Jahren aus Kamerun nach Köln
Auf den Fußballplätzen am Mittelrhein ist er Zuhause. Den Trubel der Metropole hat er nunmehr gegen die bergische Landluft an der Agger eingetauscht. Falls die öffentlichen Verkehrsmittel funktionierten, sei er in 70 Minuten in Köln. „Das passt“, sagt er.
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Geboren in der Hauptstadt Yaoundé, war der Traum von einer eigenen Fußballkarriere schnell dahin. Ein schwerer Autounfall zerlegte seine Ambitionen förmlich in alle Einzelteile. Mit 18 Jahren, so schildert er es selbst, „lag meine Welt in Trümmern“. Kaum ein Knochen sei unversehrt geblieben. Dem Fußball hat er dennoch die Treue gehalten. Bis vor wenigen Tagen assistierte er noch beim Landesligisten SV Deutz 05 an der Seite von Raoul Dia.
Feierabend sei aber noch lange nicht, so Biyidi. Im Gegenteil, seine Passion nehme nicht ab. Vieles fange erst an. Er liebe das Spiel und er liebe die Menschen, die diesem mit voller Leidenschaft nachgehen.
Das ist meine Welt. Diese jungen Burschen auf den Weg zu bringen. Vorausgesetzt, sie wollen es selbst und nicht die Eltern oder sonst jemand.
„Das ist meine Welt. Diese jungen Burschen auf den Weg zu bringen. Vorausgesetzt, sie wollen es selbst und nicht die Eltern oder sonst jemand“, sagt der Kameruner, der sich inzwischen als Individualtrainer einen Namen gemacht hat.
Jemand, der dem Kameruner vertraut, ist Fayssal Harchaoui. Der 17-jährige Mittelfeldspieler des 1. FC Köln ist gerade erst in Indonesien U-17-Weltmeister geworden. Sechs Monate zuvor feierte der Hochbegabte mit Deutschland bereits den Gewinn der Europameisterschaft. In beiden Finalspielen hatte Frankreich das Nachsehen.
Harchaoui, der Junge aus Bergheim-Ahe mit marokkanischen Wurzeln, vereine aus seiner Sicht alle Tugenden und die Tatkraft, es „bis nach ganz oben schaffen zu können. Fayssal und seine Familie kenne ich seit beinahe zehn Jahren.“
Harchaoui sei stets voller Energie und verkörpere immer die Bereitschaft, alles abzurufen und das Bestmögliche aus jeder Situation herauszuholen. „Ich erinnere mich noch an seine Zeit beim SC West Köln, also bevor er zum 1. FC Köln wechselte, als er sich am rechten Fuß eine Verletzung zugezogen hatte. Daraufhin stieg er einfach auf den linken Fuß um. Seitdem ist er beidfüßig. Das sagt viel über Fayssal und seine Persönlichkeit aus“, sagt Biyidi. Optionen, so nennt es der Kameruner, nicht auszuschöpfen, sei verschenktes Potenzial.

Fayssal Harchaoui (Mitte) nach dem Gewinn des WM-Titels mit der U 17.
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In den spielfreien Zeiten der Junioren-Bundesliga oder wenn mal keine Länderspiele anstehen, finden Biyidi und Harchaoui meistens an der Ostkampfbahn am Rhein-Energie-Stadion zusammen. Dort werde dann hart gearbeitet, um Fayssal und andere, wie etwa Düsseldorfs U-19-Nationalspieler Sima Suso, an das nächste Level heranzuführen, bringt es der 67-Jährige auf den Punkt.
Als Schleifer wolle er sich nicht bezeichnen. „Der größte Gegner ist man selbst. Ich bin eigentlich nur dabei, begleite, korrigiere, unterstütze. Wie schon gesagt, ganz entscheidend ist die Persönlichkeit, ein klarer Kopf und natürlich jede Menge Fleiß. Seine Grenzen muss am Ende jeder selbst ausloten und erreichen wollen.“
Fayssal ist brutal lernwillig und unentwegt dabei, seine Grenzen zu verschieben. Und er macht all dies aus einer totalen Überzeugung. Das ist vielleicht seine stärkste Waffe.
Wenn er diese Bereitschaft und Energie spüre, stehe einer Zusammenarbeit nichts entgegen. Allerdings müsse er hier und da auch Nein sagen. Da mangele es dann insgesamt an „Stabilität und Priorisierung“, wie es Biyidi formuliert.
„Ganz simpel fehlt es da oft an einer realistischen Selbsteinschätzung, vor allem bei den Eltern. Die Jungs flippen schnell aus, sind empfindlich oder halten Vorgaben nicht ein. Es fehlt dann einfach die totale Fokussierung. Das Scheitern ist dann nur eine Frage der Zeit.“ Mit ihm gehe es dann nicht weiter.
Harchaoui, der Junioren-Welt- und Europameister, sei fraglos aus einem anderen Holz geschnitzt. „Er liebt den Zweikampf und lässt keinen aus. Er stellt sein gesamtes Auftreten in den Dienst der Mannschaft. Er ist ein Teamspieler durch und durch, der sein Ego für das große Ganze in den Hintergrund stellt. Er ist brutal lernwillig und unentwegt dabei, seine Grenzen zu verschieben. Und er macht all dies aus einer totalen Überzeugung. Das ist vielleicht seine stärkste Waffe.“
