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Neuer Trainer VfL Gummersbach„Ich hoffe, wir wachsen schnell zusammen“

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GummersbachAm Freitag hatte Dirk Beuchler seinen letzten Schultag als Sportlehrer, am Montag startet der 46-Jährige als neuer Trainer mit den Handballern des VfL Gummersbach in die Vorbereitung auf die anstehende Bundesligasaison. Mit welchen Ideen und Erwartungen er das tut, darüber sprach Andrea Knitter mit ihm.

Sie wurden am 31. Januar als neuer VfL-Trainer vorgestellt. Bis zu ihrem Dienstantritt gab es einige Turbulenzen beim VfL: Trainer Emir Kurtagic wurde entlassen, ebenso Geschäftsführer Frank Flatten. Dazu kämpfte die Mannschaft bis zum letzten Spieltag gegen den Abstieg. Wie haben Sie das verfolgt?

Ich habe es aus der Ferne beobachtet, war aber die ganze Zeit in engem Kontakt mit den Verantwortlichen. Am Ende war ich froh, dass der VfL die Klasse gehalten hat.

Ist Ihnen mit Frank Flatten nicht Ihr wichtigster Ansprechpartner verloren gegangen?

Schon, ich habe dann aber schnell mit Geschäftsführer Peter Schönberger und Christoph Schindler, der jetzt Sportlicher Leiter ist, Kontakt gehabt.

TERMINE

Montag, 10. Juli, 18 Uhr: öffentliches Training in der Schwalbe-Arena.

Freitag, 21. Juli, 16 Uhr: Sommerfest auf dem Heiner-Brand-Platz, um 19.30 findet ein Testspiel gegen den Zweitligaaufsteiger HC Rhein-Vikings in der Schwalbe-Arena statt, der Eintritt ist frei.

Samstag und Sonntag, 29. und 30. Juli: F.A.N.-Cup in Kleinostheim. Neben dem VfL dabei sind HC Erlangen, TV Hüttenberg, TSG Ludwigshafen-Friesenheim, HSG Hanau, TV Gelnhausen, TV Großwallstadt, TV Kirchzell und die HSG Kahl/Kleinostheim.

Freitag, 4. August, nichtöffentliches Trainingsspiel beim Erstligaabsteiger Bergischer HC.

Samstag und Sonntag, 12. und 13. August, 4 Clubs Tournament in der Schwalbe-Arena mit den Rhein-Neckar Löwen, der SG Flensburg-Handewitt, RK Vardar Skopje und dem VfL als Gastgeber.

Samstag und Sonntag, 19. und 20. August: DHB-Pokal.

Sonntag, 27. August, 12.30 Uhr, Schwalbe-Arena: 1. Bundesligaspiel VfL Gummersbach – HSG Wetzlar. (ar)

Und dann kam nach Saisonschluss auch noch die Hiobsbotschaft, dass Simon Ernst mit einem Kreuzbandriss mindestens die Hinrunde ausfällt.

Nicht nur das, auch Julius Kühn hat ja den Verein verlassen. Für ihn gab es ja schon mit Stanislav Zhukov einen Nachfolger. Für Simon Ernst, der in unserem Konzept ein sehr, sehr wichtiger Spieler ist, haben wir einen neuen Mittelmann nachverpflichtet. Josef Pujol hat in der letzten Saison mit Elverum in der Champions League gespielt und ist ein klassischer, spielstarker Mittelmann.

Der VfL startet mit Maximilian Hermann, Moritz Preuß, Eirik Köpp, Erwin Feuchtmann, Stanislaw Zhukov, Marko Matic und Josef Pujol mit sieben Neuzugängen in die Saison. Im Gegensatz zum vergangenen Jahr, als Kevynn Nyokas der einzige Neuzugang war. Damit wird es Ihre erste Aufgabe sein, eine Mannschaft zu formen.

Das braucht sicher Zeit. Bis auf Moritz Preuß sind alle Neuen Rückraumspieler, daher muss zunächst in Abwehr wie Angriff ein System gefunden werden, das auf alle passt. Mit dem Ausfall von Simon Ernst ist ja noch ein weiterer Pfeiler weggebrochen. Ich gehe sehr positiv an die Sache heran, denn sie können alle Handball spielen und sind gute Typen. Ich hoffe, dass wir uns zügig als Team finden und meine Spielphilosophie umsetzen werden.

Es gibt nicht nur neue Spieler, sondern auch sonst noch Veränderungen. Sie arbeiten mit einem Co-Trainer.

Ja, mit Matthias Reckzeh habe ich einen Co-Trainer. Der langjährige Bundesligatorhüter wird zweimal in der Woche mit den Torhütern trainieren. Dies war auch seine Aufgabe während der letzten Saison in Neuss und beim Bergischen HC. Er wird bei allen Spielen dabei sein und die Torhüter unterstützen. Er ist ein guter Mann, der weiß, was er tut. Die Feldspieler bekommen ja auch ein individuelles Training und daher wollten wir uns beim VfL neu aufstellen. Es war gar nicht so einfach, einen so guten Mann zu finden. Torwarttrainer ist beim VfL Gummersbach ja kein Fulltime-Job. Er hat ja auch noch einen Beruf.

Werden auch die Torhüter der Handballakademie mit in das Training integriert?

Ja, die Torhüter der U23 und der A-Jugend werden dabei sein. Im nächsten Jahr macht Matthias Reckzeh auch noch die Ausbildung zum Torwarttrainer. Ein lizenzierter Torwarttrainer ist ab der kommenden Saison für die Handballakademie Pflicht, um das Jugendzertifikat der Handball-Bundesliga zu bekommen.

Nehmen noch weitere Spieler der Handballakademie an Ihrem Training teil?

Acht Spieler werden ab kommenden Montag mit der Bundesligamannschaft trainieren. Eigentlich erstmal nur sieben, denn Luis Villgratner, der aus Balingen kommt, ist nach seiner Operation am Knie noch nicht einsetzbar. So werden von Beginn an Torhüter Lasse Hasenforther, Jonas Stüber, Marcel Timm, Albin Xhafolli, Fynn Herzig, Robert Barthen und Sebastian Schöneseiffen dabei sein. Wenn dann am 24. Juli die Saisonvorbereitung der U23 beginnt, werden sie nur noch vormittags am Athletik- und Hallentraining teilnehmen und abends mit ihrer Mannschaft trainieren.

Sie haben zuletzt ein Jahr als Sportlehrer gearbeitet und die A-Jugend der JSG NSM-Nordhemmern betreut. Ist das gerade in der Arbeit mit den jungen Spielern ein Vorteil?

Ich habe schon als Bundesligatrainer in Schwerin, Lemgo und Lübbecke mit jungen Spielern gearbeitet, von denen heute einige Nationalspieler sind und einen Namen haben. Ich habe mit den Jungs aus der U23 zusammengesessen und ihnen gesagt, dass es in ihrer eigenen Hand liegt, den Anschluss zu schaffen. Ich möchte mit dem VfL Gummersbach erreichen, dass der Verein eine gute Plattform ist, auf der sich die jungen Spieler entwickeln können. Wir sind gut aufgestellt und hoffen, dass junge Talente den Sprung in die erste Mannschaft schaffen.

Trotzdem, glauben Sie nicht, dass Ihnen die Arbeit in der Schule dabei hilft?

Klar habe ich im vergangenen Schuljahr viele neue Eindrücke gewonnen, was die Arbeit mit jungen Leuten angeht. Neben dem Unterricht habe ich an der Schule auch das Fördertraining für Mädchen und Jungen geleitet. Ich möchte, dass die jungen Leute die Chance haben, sich zu etablieren.

Sie kehren nach zwei Jahren Abstinenz als Trainer zurück in die Erste Bundesliga. Was bedeutet das für Sie?

Wenn man einmal in der Bundesliga gearbeitet hat, möchte man das immer wieder tun. Mein ganzes Leben ist mit dem Handball verbunden. Seit ich beim VfL Gummersbach unterschrieben habe, habe ich auf die neuen Saison und die Vorbereitung hingearbeitet. Es gibt viele neue Leute und damit auch viele neue Ideen. Ich weiß, es ist keine leichte Aufgabe, und ich weiß auch, dass die Ergebnisse am Ende zählen. Ich werde alles tun, damit es funktioniert. Die Bundesliga ist das Beste, was es gibt, doch es muss vieles passen, damit sich die neu formierte Mannschaft findet.

Wie wird das Programm der ersten Trainingswochen aussehen?

Montagmorgen werden wir mit einem Feldstufentest beginnen, der die Leistungsfähigkeit im Ausdauerbereich bestimmt, darauf folgt am Dienstag der Krafttest. Anhand der beiden Tests werden dann die Trainingspläne erstellt. Montag, Mittwoch und Freitag stehen vormittags Kraft- und Laufeinheiten auf dem Programm, die sich mit Hallentraining abwechseln. Abends werden wir in der Halle trainieren. Wir werden viel und umfangreich trainieren, aber auch genug Zeit haben, zu regenerieren. Beides muss zusammen harmonieren. Zudem gibt es Ende der Woche eine dreitägige Teambuildingmaßnahme.

Mit welchen Gedanken blicken Sie auf die Vorbereitung und den Saisonstart?

Es muss sich alles zusammenfinden und das braucht, wie gesagt, Zeit. Ich hoffe, dass der Mannschaft und mir die Zeit gegeben wird. Wir möchten so schnell es geht die notwendigen Punkte holen, damit wir mit dem Abstieg nichts zu tun haben.