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Debatte nach verheerendem UnfallSoll es eine Obergrenze für SUV geben?

3 min
SUV Protest

Ein Teilnehmer der Mahnwache, bei der der Verkehrstoten gedacht wird, stehen mit einem Schild mit der Aufschrift "SUV töten Kinder, Mütter, Väter, das Klima" an der Stelle, an der am Freitag vier Menschen bei einem Verkehrsunfall gestorben waren. Ein Geländewagen war über einen Gehweg und durch einen Bauzaun auf ein Baugrundstück gefahren.

  1. SUV – das war einmal ein neuartiges Auto-Segment.
  2. Heute ist SUV (Sport Utility Vehicle) ein Kampfbegriff, für manche ein Feindbild.
  3. Nicht erst seit dem verheerenden Unfall in Berlin, bei dem vier Menschen starben.

Berlin – Was ist eigentlich ein SUV?

SUV werden oft Sportgeländewagen genannt, sind aber keine Geländewagen im eigentlichen Sinne. Pkw-Modelle mit Offroad-Charakter definiert das Kraftfahrt-Bundesamt als SUV, wenn sie kein Allrad und keine Differentialsperre haben, die das Durchdrehen der Räder im Gelände verhindert, und eine bestimmte Bodenfreiheit unterschritten wird. Das beginnt bei kompakten Modellen wie Nissan Quashqai und reicht bis zu Mercedes GLK und BMW X4.

Andere Modelle vom VW Tiguan bis zur Oberklassekarrose Audi Q7 werden als Geländewagen geführt – auch der Porsche Macan, wie das Unfallfahrzeug von Berlin, den der Hersteller aber SUV nennt. „Die meisten SUV, 70 oder 80 Prozent, sind Mittelklassefahrzeuge, sind Kompaktfahrzeuge-, sind Kleinwagengrößenfahrzeuge“, sagt der Autoexperte der Uni Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer.

Wie viele SUVs gibt es in Köln?

Der Bestand an Autos in Köln wächst seit Jahren unvermindert. Auch wenn das Wachstum 2018 etwas abgebremst wurde, mit 476 270 Pkw gab es in der Domstadt so viele Autos wie noch nie. Was die Stadt Köln in ihrer Statistik nicht gesondert aufführt, aber durch eine Anfrage der Grünen im Bundestag im vergangenen Jahr herauskam: Köln ist unter den deutschen Großstädten die Hauptstadt der SUV-Fahrer. Unter den Neuzulassungen beträgt der Anteil dieser Großwagen 18 Prozent. Der liegt damit höher als beispielsweise in München, Hamburg oder Berlin.

Warum werden solche Autos gebaut?

Weil die Kunden es wollten, sagen die Hersteller. „Wenn wir es nicht tun, tun es andere“, sagte Daimlers Vertriebschefin Britta Seeger kürzlich. Die Rendite in dem boomenden Segment gilt als hoch: An einem SUV verdienen die Autobauer in der Regel mehr als an einem Kleinwagen. Bei BMW sei schon jeder zweite verkaufte Wagen ein SUV, teilte der Autobauer gestern mit.

Wie dreckig sind diese Fahrzeuge?

Im Durchschnitt sind SUV etwas schwerer, verbrauchen also auch mehr und stoßen mehr Schadstoffe aus. Branchenexperte Dudenhöffer hat es einmal untersucht. Im ersten halben Jahr haben neu zugelassene SUVs im Durchschnitt 144,1 Gramm Kohlendioxid pro Kilometer ausgestoßen – nach Herstellerangaben. Das entspricht einem Verbrauch von 6,2 Litern Sprit auf 100 Kilometer. Das war etwas mehr als der Durchschnitt aller Pkw-Neuwagen: Er lag bei 133,4 Gramm und 5,6 Liter. Große Geländewagen liegen häufig deutlicher darüber als SUV.

Wie sieht die Unfallstatistik für SUV aus?

In einem Wort: unauffällig. Ob zu schnelles Fahren, zu geringer Abstand oder fehlerhaftes Überholen – Fahrer von SUV und Geländewagen sind nach den Zahlen des Statistischen Bundesamts für etwa zwei bis rund dreieinhalb Prozent dieser Unfälle verantwortlich. Unfällen mit Personenschaden sind nach der Statistik rund drei bis fünf Prozent von SUV- oder Geländewagenfahrern verursacht worden. Das ist jeweils weniger als der Anteil, den diese Fahrzeuge am Gesamtbestand haben.

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Wie reagiert die Politik auf die Diskussion?

Der Grünen-Fraktionsvize im Bundestag, Oliver Krischer, forderte nach dem Unfall in Berlin eine Obergrenze für SUV in den Innenstädten. Wie sie genau ausgestaltet und durchgesetzt werden soll, blieb zunächst offen. „Ob das eine City-Maut, höhere Parkgebühren oder gestaffelte Preise für CO2-Ausstoß ist, diskutieren wir gerade intensiv“, sagte die Fraktionschefin der in der Hauptstadt mitregierenden Grünen, Antje Kapek. Aus FDP und CDU kam dagegen Kritik daran: Der Unfall werde für politische Forderungen instrumentalisiert. Das Bundesverkehrsministerium erklärte, zunächst müsse die Unfallursache geklärt werden. (dpa/ngo)