Abo

Interview

Jobabbau bei Ford in Köln
„Wir sind sehr erleichtert“

2 min
Will mehr in Köln entwickelte und gebaute Autos: Ford-Betriebsratschef Benjamin Gruschka.

Will mehr in Köln entwickelte und gebaute Autos: Ford-Betriebsratschef Benjamin Gruschka.

Der Jobabbau bei Ford gelingt ohne betriebsbedingte Kündigungen – Eine Garantie für eine gute Zukunft ist das jedoch nicht. Fords Betriebsratschef steht im Interview Rede und Antwort.

Bei Ford in Köln ist der Abbau von 2900 Stellen ohne betriebsbedingte Kündigungen gelungen. Darüber und über die Zukunft des Werks sprach Ralf Arenz mit dem Betriebsratschef Benjamin Gruschka

Bei Ford in Köln ist die Zahl der zwischen Arbeitnehmervertretern und Unternehmensleitung vereinbarten Stellenstreichungen durch freiwilliges Ausscheiden erreicht. Wie viele Mitarbeitende verlassen das Unternehmen gegen Abfindungen?

Rund 2100 Mitarbeitende werden das Unternehmen freiwillig verlassen. Die Hälfte davon in diesem Jahr, die andere Hälfte im Jahr 2027. Erfolgreich war übrigens ein Tauschprogramm. Hierbei konnten Mitarbeitende in Bereichen ohne Stellenabbau, die aber gehen wollten, das Werk verlassen, wenn es einen Partner gab aus einem Bereich mit Abbau, der bleiben wollte. Da haben sich 200 Mitarbeitende gefunden. Wir haben also 400 glückliche Menschen, weil sie entweder gehen konnten oder bleiben durften.

Wann wurde die Zahl erreicht?

Einen halben Tag vor der vereinbarten Frist am 27. Februar. Wir waren sehr erleichtert. Wäre das nicht gelungen, hätte es eine Sozialauswahl gegeben und dann wären betroffene Mitarbeitende angesprochen worden. Bei einem solchen Verfahren trifft es immer die Falschen. Insofern sind wir sehr froh, dass wir das vermeiden konnten.

War der Andrang groß?

Das war unterschiedlich. In der Produktion, in Bereichen mit Facharbeitern wie der Reparatur und in der Verwaltung gab es mehr Interessenten als abzubauende Stellen. Im Entwicklungszentrum bei den Ingenieuren war der Andrang nicht so groß.

Lag das Abbauziel nicht höher?

Insgesamt sollten nach dem Wunsch des Managements 2900 Stellen entfallen. Für Bereiche mit 800 Mitarbeitenden werden Investoren gesucht. Bis zum 30.6.2026 gibt es Gespräche über die Bereiche Gastronomie, Werkzeugbau, Schmiede und Druckgusswerk, Instandhaltung von Kränen, Aufzüge oder Stapler und Anlagenbau. Für drei der Bereiche gibt es potenzielle Investoren. Und falls sich keine Investoren finden und es zu Stellenstreichungen kommt, können die betroffenen Kolleginnen und Kollegen in das Abfindungsprogramm bis Ende 2027 wechseln.

Gibt es auch noch Mitarbeitende, die nach früheren Abbauprogrammen das Unternehmen verlassen sollen?

Nein, wir sind genau auf der Zielzahl.

Wie arbeitsfähig ist Köln denn die Entwicklungsabteilung überhaupt noch?

Wir sind erleichtert, dass wir auch in der Fahrzeugentwicklung das Abbauziel erreicht haben. Hier werden die Bereiche jetzt neu geordnet. Einige Bereiche sind voll funktionsfähig, wie zum Beispiel das Design. Dort ist das neue kleinere E-Auto, das in Zusammenarbeit mit Renault entsteht und bei Renault gebaut wird, designt worden. In anderen Bereichen ist teilweise unser Entwicklungszentrum auf die Zusammenarbeit mit anderen Entwicklern des Ford-Konzerns angewiesen.

Hat Ford Ihrer Meinung nach jetzt die richtige Größe, um erfolgreich auf dem europäischen Markt agieren zu können?

Gute Frage. Erfolgreich kann nach Ansicht des Betriebsrates Ford in Europa nur sein, wenn Autos hier entwickelt und gebaut werden können. Darauf arbeiten wir hin. Denn nur so entstehen bei Ford Autos, die sich in großer Zahl in Europa mit Profit verkaufen lassen. Das ist letztlich der Gradmesser für Erfolg.