Köln/Bonn – Es läuft nicht rund am Flughafen Köln/Bonn. Passagiere berichten, dass sie erst mit Verspätung abheben konnten, weil das Gepäck nicht ins Flugzeug geladen wurde. Immerhin hatten sie am Urlaubsort ihre Koffer. Andere mussten am Urlaubsort feststellen, dass das Flugzeug ohne ihr Gepäck abgeflogen ist, berichtet der für die Bodenverkehrsdienste zuständige Verdi-Sekretär Frank Michael Munkler.
„Es hakt an allen Ecken und Enden“, sagte Munkler weiter. Es fehle an Einweisern für die Flugzeuge, es gebe nicht genug Treppen für die Passagiere oder Förderbänder fürs Gepäck. Gerätschaften seien ohnehin oft defekt, weil auf Verschleiß gefahren werde. Und wer dann das Flugzeug verlassen habe, müsse manchmal noch stundenlang auf sein Gepäck warten. „Es geht soweit, dass Passagiere versuchen, wieder an das Flugzeug zu kommen, um ihr Gepäck selber auszuladen und abzuholen“, so der Gewerkschaftssekretär. Das muss das Sicherheitspersonal natürlich verhindern.
Probleme im Frachtbereich
Probleme gebe es auch im Frachtbereich. „Teilweise standen Flugzeuge drei Stunden nicht entladen auf dem Rollfeld, obwohl sie eigentlich schon wieder gestartet sein sollten“, so Munkler. Dann drohen Konventionalstrafen. Auch würden in der Nacht ankommende Frachtflugzeuge spontan an andere Firmen zum Entladen abgegeben, weil der Dienstleister unter dem Dach der Flughafengesellschaft Köln/Bonn die Arbeit nicht erledigen könne.
Dabei hat das Frachtgeschäft in der Corona-Pandemie den Absturz des Flughafens verhindert. Während die Zahl der Fluggäste um 75 Prozent auf 3,1 Millionen sank, legte die Fracht um sechs Prozent auf 863.000 Tonnen zu. Im laufenden Jahr will der Flughafen 945.000 Tonnen abwickeln. Mehrarbeit war also durchaus erwünscht.
Mehr als 100 Abfertigungskräfte fehlen
Laut Munkler fehlen mehr als 100 Abfertigungskräfte oder Einweiser. „Die Geschäftsführung hat ihre Aufgaben nicht im Griff, sich über Monate verweigert, Personal einzustellen, um für die absehbare Situation gewappnet zu sein“, so Munkler. Jetzt werde versucht, mit teuren Hauruck Maßnahmen wie Anwesenheitsprämien von bis zu 100 Euro pro Schicht Fehler zu kaschieren.
Der Flughafen räumt durchaus Probleme ein und verweist dabei auf die Schwierigkeiten und Unsicherheiten im Zuge der Corona-Pandemie. Der Flughafen arbeite mit Hochdruck daran, insbesondere die personelle Situation in den operativen Bereichen wie der Flugzeugabfertigung, dem stark gestiegenen Bedarf weiter anzupassen und den Personaleinsatz spürbar zu verbessern, sagte ein Sprecher. Der Airport suche zahlreiche neue Beschäftigte und führe dafür wöchentlich Gespräche. Aktuell gebe es bereits über 100 Bewerbungen. Darüber hinaus stehe der Flughafen in ständigem Austausch mit seinen Partnern, Dienstleistern und den Luftverkehrsgesellschaften, um sich gegenseitig zu unterstützen und Kapazitäten bestmöglich zu nutzen.
Passagieraufkommen steigt an
Das Passagieraufkommen liegt zwar deutlich unter dem Vorkrisenniveau, steige aber stark an. Gleichzeitig habe die Zahl der Flüge in Spitzenstunden sogar über denen des Jahres 2019 gelegen – und damit mehr als deutlich über den Prognosen. Hinzu komme, dass Airlines kurzfristig zusätzliche Flüge anmeldeten, etwa wenn Corona-Maßnahmen gelockert werden und die Anzahl der Buchungen anstiegen. Das stelle alle Beteiligten vor große Herausforderungen.
Dabei hat sich die Situation bei der Passagierkontrolle etwas entspannt. Hier gab es seit Ferienbeginn in NRW lange Schlangen. Manchmal waren Pass- und Sicherheitskontrollen auch in zwei Stunden noch nicht erledigt und Urlauber konnten ihren Fliegern nur noch frustriert hinterherwinken. Diese Kontrollen finden nur noch im Terminal 1 statt. Das führe zu Gedränge, kritisiert der Gewerkschaftssekretär Özay Tarim. Und von zwölf Kontrollstrecken seien am letzten Juli-Wochenende, an dem es besonders lange Schlangen gegeben hatte, nur acht in Betrieb gewesen.
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Es habe offenbar an Personal gefehlt, auch wegen Kurzarbeit. Eingeführt wurde die wegen des Passagiereinbruchs in der Pandemie. Auch jetzt fliegen mit rund 20.000 Passagieren pro Tag nur halb so viele Passagiere wie im Sommer des Boomjahres 2019. „Das Bild, das der Flughafen Köln/Bonn in der Ferienzeit abliefert, ist schlecht“, sagte Verdi-Sekretär Tarim.
Die Gewerkschaft hatte die Sicherheitsunternehmen aufgefordert, die Kurzarbeit in der Ferienzeit zu beenden oder zumindest zu unterbrechen, damit es ausreichend Personal für die Sicherheitskontrollen gibt. So könnten erkrankte Mitarbeitende ersetzt werden und Mitarbeitende entlastet werden, die jetzt oft Schichten von sechs Stunden ohne Pause ableisten müssten. Seit Anfang August werde immerhin mehr Personal von der Bundespolizei angefordert und vom beauftragten Unternehmen Securitas auch eingesetzt, so Tarim. Die Kurzarbeit werde aber fortsetzt.

