Die Kölner Süßwarenmesse ISM zeigt Branchentrends zu Gesundheit und Nachhaltigkeit und bietet Neuheiten mit Spaßfaktor
SüßwarenmesseFitness-Süßigkeiten und Limo aus altem Brot – das sind die Trends der ism in Köln

Die Kölner Süßwarenmesse präsentiert wieder einige Neuheiten.
Copyright: Foto: Kölnmesse/Oliver Wachenfeld
Ein Lutscher für sechs Euro? Irgendwas mit Dubai drin? Nein, aber der „Music Pop“ ist jedenfalls kein gewöhnlicher Lolli. Bei Zungenkontakt beginnt er, einen Song zu spielen, der mithilfe des Knochenschallprinzips über die Schädeldecke direkt in den Gehörgang übertragen wird. Das Lied hört also nur, wer den Lutscher im Mund hat. Noch in diesem Jahr soll das Produkt, das unter anderem in den USA bereits zu haben ist, in Deutschland auf den Markt kommen.
Der „Music Pop“ wird noch dazu als zuckerarm angepriesen. Damit folgt der chinesische Hersteller zwei der drei aktuell beherrschenden Marketingstrategien der Süßwarenbranche. Neben Nachhaltigkeit geht es um den Erlebnischarakter und den Gesundheitsfaktor. Das Spektrum reicht von „gar nicht so ungesund“ bis an die Grenze zum Superfood.
Schokoriegel zum Muskelaufbau
Irgendwo dazwischen liegt unter den Angeboten auf der Internationalen Süßwarenmesse (ISM) in Köln Candy Glam. Das spanische Startup bietet Riegel an, die Zartbitterschokolade mit Banane kombinieren – so weit, so normal. Das spezielle Extra sind drei Gramm Kreatin in jedem Riegel. Das sei die optimale Tagesration, um Kraft, Leistung und Muskelregeneration zu stärken, sagt Gründerin Blanca Garcia. Streng genommen gelten die drei Gramm allerdings selbst für sportlich Aktive als empfohlene Tageshöchstdosis – Ausnahme Gewichtheber und andere, die in sehr kurzer Zeit sehr viel Energie einsetzen. Außerdem produziert der Körper Kreatin auch selbst und nimmt es aus Nahrungsmitteln wie Fisch, Fleisch und auch pflanzlichen Quellen auf.
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Solche Details bremsen einen Hype aber wohl erst langfristig. In den Kölner Messehallen ist der Fitnesstrend, der besonders auf hohe Proteinanteile und Vitaminzusätze baut, überall präsent. Das gilt auch fürs Salzgebäck. So bietet die spanische Firma Torres Chips an, die aus reinem Eiweiß bestehen. Wer will und Gründe dafür findet, bekommt sie komplett geschmacksfrei. Aromatisch angereichert gibt es sie mit Honig, Kakao oder getrocknetem Käse. Der Hersteller wirbt mit der Einfachheit des Produkts und empfiehlt seine Chips als Unterstützung beim Muskelaufbau.
Proteinboom, wohin man schaut
Proteinboom, wohin man schaut. Selbst Ritter, erstmals seit 2020 wieder auf der ISM vertreten und im Umgang mit schnelllebigen Trends eher konservativ, bringt gerade eine quadratische Eiweißpowertafel heraus. Schaut man sich diese Messemoden an, lässt sich der Eindruck gewinnen, dass Geschmack vor lauter Innovation nicht mehr die Hauptrolle spielt. Allerdings gibt es unter den rund 1800 Ausstellern auch noch viele, die Tradition pflegen. Gutes Beispiel: Die belgischen Pralinen- und Schokoladeproduzenten. Die Chocolaterie Carŕe etwa bietet an ihrem Stand klassische Pralinen an, die einen Espresso-Martini-Cocktail enthalten.

Kakaoersatz aus Brauereiresten
Copyright: Werner Grosch
Insekten und Brotreste als Rohstoffe
Vergleichsweise klein und bescheiden, aber dafür umso innovativer kommt die neue ISM-Plattform für Roh- und Inhaltsstoffe sowie Halbfabrikate daher. Hier gibt es nicht nur die seit einigen Jahren schon vertrauten Insekten als Proteinlieferanten hinter Glas zu sehen, sondern eine Reihe neuer Ansätze, um Ressourcen zu schonen und Abfälle kreativ zu nutzen. Ein polnisches Start-up zum Beispiel hat mit „Krast“ eine Limonade entwickelt, die zum größten Teil aus altem, sonst nicht mehr verwertbarem Brot hergestellt wird. Eine dänische Firma präsentiert in Köln ihren Kakaoersatz: Er besteht im Wesentlichen aus Treber, den nicht-flüssigen Überresten der Bierproduktion, und Schalen der Kakaofrucht. Stoffen also, die bislang nur als Düngemittel oder Tierfutter Verwendung finden.

Brotlimonade Krast
Copyright: Werner Grosch

