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Teure SchokoladeSüßwarenbranche berichtet vor Kölner Messe ISM über Absatzminus

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Ab Sonntag trifft sich die Süßwarenbranche auf der Kölner Messe ISM.

Ab Sonntag trifft sich die Süßwarenbranche auf der Kölner Messe ISM. 

Nicht nur das Oster- und Weihnachtsgeschäft der Süßwarenbranche war schwächer als im Vorjahr. Die verkaufte Menge sank um gut fünf Prozent. 

Schoko-Weihnachtsmänner und Co. gab es schon vor dem Fest auf großen Aufstellern zum Sonderpreis. Noch größer waren die Preisabschläge nach den Feiertagen. Auch rund um Ostern gab es Sonderaktionen „Das Oster- und das Weihnachtsgeschäft war deutlich schwächer als im Vorjahr“, bestätigte Ulrich Zuenelli, Aufsichtsratsvorsitzender des internationalen Handelsverbands Sweets Global Network (SG) am Dienstag im Vorfeld der Kölner Süßwarenmesse ISM.

Aber auch außerhalb dieser Festtage haben die Verbraucher angesichts hoher Preise weniger zu Schokolade gegriffen. In den zwölf Monaten bis November 2025 sank die verkaufte Menge laut dem Verband um 7,1 Prozent, stärker legte dennoch der Umsatz zu. Ähnlich ist das Bild in Europa. Hier sank der Absatz um 5,8 Prozent, der Umsatz kletterte dagegen um 11,3 Prozent. „Die Verbraucher verzichten nicht auf Schokolade. Der Konsum sinkt, aber deutlich weniger stark als die Preise steigen“, betonte Zuenelli.

Handelsmarken sind gefragt

Deutschland liegt bei den Preissteigerungen im europäischen Mittelfeld. Deutlich stärker zogen die Preise in Skandinavien sowie in Osteuropa an. Schokolade wurde hier innerhalb der letzten zwei Jahre um 27 Prozent teurer. Das sind vier Prozentpunkte weniger als der EU-Durchschnitt. 13,89 Euro kostete laut SG das Kilo Tafelschokolade in Deutschland im November im Durchschnitt. Überdurchschnittlich war der Preisanstieg bei Handelsmarken. Sie sind aber mit 11,62 Euro deutlich billiger als Markenartikel. Und zu denen greifen die Verbraucher vermehrt. Sie kommen inzwischen je nach Produktgruppe auf einen Anteil von 15 bis 30 Prozent, so Henning Bergmann, Hauptgeschäftsführer des Verbands Der Mittelstandsverbund.

Hersteller und Handel verweisen auf den deutlich gestiegenen Kakaopreis. Viele Jahre habe die Tonne zwischen 2000 und 2200 Euro gekostet. Ab 2023 waren sie dann bis über 10.000 Euro geklettert, um jetzt zwischen 4000 und 5000 Euro je Tonnen zu liegen. Preissteigerungen hätten die Produzenten an den Handel weitergeben müssen, der wiederum die Preise für Verbraucher erhöht hat.

Kakaopreise sind explodiert

Teure Rohstoffe sind laut Bastian Fassin, Vorsitzender des Bundesverbands der Deutschen Süßwarenindustrie nicht das einzige Problem der Branche. Sie leide auch unter steigenden Preisen für Energie, Personal, Logistik sowie unter der Bürokratie. Die Branche mit rund 60.000 Beschäftigten hat im abgelaufenen Jahr Süßwaren 3,9 Millionen Tonnen Süßwaren und Knabberartikel produziert. Das waren 5,3 Prozent weniger als im Vorjahr. „Und dieses Minus bedeute auch fünf Prozent weniger Mitarbeitende“, so Fassin. Kleinere und mittelgroße Unternehmen würden aufgeben, große Konzerne den Standort verlagern.

Neben Schokoladenwaren gab es ein Minus bei Backwaren. Der Wert stieg aber auf 18,6 Milliarden Euro. Die deutsche Industrie sei der größte Süßwarenexporteur der Welt, so Fassin. Ausgeführt werden 2,3 Millionen Tonnen Süßwaren, vor allem Schokolade. Werde der Wert betrachtet, liege die Exportquote sogar bei 77 Prozent. Andererseits werden 1,7 Millionen Tonnen Süßwaren nach Deutschland eingeführt mit einem Wert von 11,5 Milliarden Euro.

Branche hofft auf Absatzsteigerung

Im laufenden Jahr erwartet die Branche eine leichte Absatzsteigerung. Handelsmarken würden an Bedeutung gewinnen, das Aktionsgeschäft bliebe hoch, der Margendruck bestünde. Trotz Unsicherheiten und verhaltener Konsumstimmung gelinge es dem Handel, Sortimente attraktiv zu gestalten, Trends aufzugreifen und den Kundinnen und Kunden Genuss zu bieten.

Die Leistungsfähigkeit der Branche zeigt sich auf der anstehenden Fachmesse ISM ab dem 1. Februar für vier Tage in Köln. Zum weltweit größten Branchentreff der Branche erwarten Messe-Chef Gerald Böse rund 1.800 Aussteller aus 74 Ländern. Sie belege eine Fläche von 100.000 Quadratmetern. Vertreten seien internationale und deutsche Branchengrößen, darunter auch erstmals seit 2020 wieder Ritter, sowie die relevanten Handelsunternehmen.

1800 Aussteller auf der ISM

Erstmals findet die ISM im erweiterten Verbund mit der Zulieferermesse ProSweets sowie der ISM Ingredients, der neuen Fachmesse für Rohstoffe, Inhaltsstoffe und Halbfabrikate. Abgebildet werde so die gesamte Wertschöpfungskette, so Böse. Herausforderungen der Branche, Themen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung oder KI werden im begleitenden Eventprogramm thematisiert.